Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

1200 Menschen durch Meteoritenregen verletzt

Druckwelle zerstört zahllose Gebäude in russischer Stadt

Ausschnitt aus einem Video, das den Meteoriteneinschlag in Tscheljabinsk zeigt (picture alliance / dpa / RIA Novosti)
Ausschnitt aus einem Video, das den Meteoriteneinschlag in Tscheljabinsk zeigt (picture alliance / dpa / RIA Novosti)

Bei dem Meteoritenregen im russischen Ural sind Hunderte Menschen verletzt worden. Gesteinsfragmente stürzten auf die Region Tscheljabinsk. Fenster zerbarsten, Häuser wurden beschädigt.

Die meisten Verletzten, darunter auch viele Kinder, seien von Scherben zersplitterter Scheiben getroffen worden, teilte das Innenministerium mit. Zeugen hörten am frühen Morgen ein explosionsartiges Geräusch, auf das eine starke Druckwelle folgte, die die meisten Schäden verursachte.

Bewohner der Region berichteten von einem großen Feuerball, der sich näherte: "Wir wurden geblendet, dann wurde es sehr heiß. Mich hat gerettet, dass ich sofort in den Flur gerannt bin. Die Tür wurde aus den Angeln gerissen, die Fensterscheiben klirrten und die Rahmen fielen zu Boden", berichtet eine Augenzeugin im Beitrag von Ludger Kazmierczak.

Videoaufnahmen zeigen glühende Gesteinsbrocken

Smartphone-Schnappschuss des angeblichen Meteors über dem Ural 2013 (picture alliance / dpa / AP Photo / Sergey Hametov)Smartphone-Schnappschuss des angeblichen Meteors über dem Ural 2013 (picture alliance / dpa / AP Photo / Sergey Hametov)Insgesamt seien in mindestens sechs Städten in der Region am Ural rund 1500 Kilometer östlich von Moskau Schäden an Gebäuden festgestellt worden, hieß es. Der Meteorit selbst sei in den See Tschebarkul rund 80 Kilometer westlich von Tscheljabinsk gefallen, teilte die Gebietsverwaltung mit. Sieben Flugzeuge und 20.000 Angehörige des Zivilschutzes in Tscheljabinsk sind in der Region im Einsatz, um zu helfen. Wegen des Ausmaßes der Schäden sollten Betriebe und Einrichtungen ihre Mitarbeiter nach Möglichkeit zum Helfen nach Hause schicken, hieß es in einer Mitteilung der Verwaltung.

Amateurvideos im Internet zeigen angeblich die glühenden Gesteinsbrocken, die in niedriger Höhe vorbeiflogen. Der Meteoritenregen war Medienberichten zufolge bis nach Kasachstan zu sehen.

Keine Schäden an Atomkraftwerken

Der Staatskonzern Rosatom versicherte, dass keine Atomanlagen betroffen seien. Der russische Vizeregierungschef Dimitri Rogosin forderte eine internationale Initiative zum Schutz vor weiteren Meteoriten. Rogosin ist auch für die Raumfahrt zuständig. Seiner Ansicht verfügten weder Russland noch die USA über Möglichkeiten, diese Gefahr abzuwehren.

Präsident Wladimir Putin ordnete rasche Hilfe für die Verletzten an. Besonders wegen der Eiseskälte müssten die beschädigten Gebäude umgehend wieder winterfest gemacht werden, so Putin bei einem Treffen mit Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow, das im Staatsfernsehen gezeigt wurde.

Kein Zusammenhang mit Asteroid "2012 DA14"

Nach Einschätzung von Experten der Europäischen Weltraumbehörde ESA war der Himmelskörper vermutlich zu klein, um rechtzeitig entdeckt zu werden. Der Vorfall passierte just an dem Tag, an dem der Asteroid "2012 DA14" nah an der Erde vorbeifliegt. Nach Angaben ESA stehen die Ereignisse aber in keinem Zusammenhang zueinander. "Das ist etwas völlig anderes", sagte ein ESA-Sprecher. "Flugbahn und Ort des Einschlages sprechen dagegen."

Nach Experteneinschätzung raste der Meteorit mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Erde. Nach Eintritt in die Atmosphäre dürfte das kosmische Geschoss mit einer gewaltigen Druckwelle explodiert sein.

Die Erde ist einem ständigen kosmischen Beschuss ausgesetzt: Meist ist das ungefährlich, denn Staubteilchen oder kleine Steine verglühen in der Atmosphäre. Doch hin und wieder schlagen auch größere Brocken auf der Erde ein. Ein Asteroid oder Kometenkern von mehreren hundert Metern Durchmesser könnte ganze Landstriche verwüsten. Beim Einschlag eines mehr als einen Kilometer großen Asteroiden wäre eine globale Katastrophe die Folge, berichtet Wissenschaft im Brennpunkt.


Mehr zum Thema:

Grollen über Tunguska - Was geschah vor 100 Jahren in der Taiga? *

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Hans-Wilhelm Müller-WohlfahrtEin Guru geht

Franck Ribery (l.) und Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt machen Späße (picture alliance / dpa /  Alexander Hassenstein)

Himmel-Herrgott-Sakrament, was ist nur beim FC Bayern los? Da entpuppt sich der Trainer als ein Wolf im Schurwoll-Sakko und Rolex-Rummenigge, der Vorstandschef, bekommt nichts mit. Das macht Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mediziner-Guru mit dem kernigen Indianergesicht, nicht mehr mit.

VW-MachtkampfDer Sieger heißt Piëch

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht anders aussieht - Ferdinand Karl Piëch hat sich im Machtkampf mit Vorstandschef Martin Winterkorn bei VW wieder mal durchgesetzt, kommentiert Andreas Kolbe. Die Ära Winterkorn wird zu Ende gehen. Piëch hat längst damit begonnen, den Generationswechsel in die Wege zu leiten.

Völkermord vor 100 JahrenArmenien in der türkischen Literatur

Eine Gruppe armenischer Flüchtlinge aus dem osmanischen Reich 1915 in Syrien (picture alliance / dpa / Library of Congress)

Der Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren war bis vor Kurzem in der türkischen Gesellschaft tabu. Die Literatur aber hat geholfen, das Schweigen zu brechen.

Neue PlattenRock, Psychedelia und Post-Punk

(picture alliance / dpa / Laurent Gillieron)

Ob Alabama Shakes "Sound & Color", "Static Noise" von Brian Lopez oder "Wire" von Wire - die Platten haben unseren Kritiker Uwe Wohlmacher überzeugt. Inbesondere die Alabama Shakes seien auf neuen und spannenden Wegen unterwegs.

"Tiny Times""Sex and the City" auf Chinesisch

Die Millionenmetropole Schanghai isz Schauplatz von "Tiny Times" (picture alliance / dpa)

Man könnte die chinesische Filmserie "Tiny Times" als eine Art "Sex and the City" auf Chinesisch beschreiben - vier Freundinnen in Schanghai gehen shoppen und verlieben sich. Nur der Sex spielt keine Rolle - das erlaubt die Zensur nicht.

Kirchenasyl als TheaterstückAuf der Suche nach sicherem Hafen

Flüchtlinge in einer Kirche in Berlin-Kreuzberg (imago/Christian Mang)

Ein Stück aus dem Leben von Asylsuchenden: Im Heimathafen Neukölln hat heute Abend die Live Graphic Novel "Ultima Ratio" Premiere. Sie beruht auf dem Schicksal eines somalischen Ehepaares, das vom Kirchenasyl in Neukölln erst einmal vor der Abschiebung gerettet wurde.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Weselsky:  Streik der Lokführer lässt sich nicht mehr abwenden | mehr

Kulturnachrichten

Lilienthal wünscht Berlin mehr Experimentierfreude  | mehr

Wissensnachrichten

Weltraum  Espresso-Maschine auf ISS angekommen | mehr