Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

150.000 Kita-Plätze fehlen

Städte und Gemeinden: Wir schaffen es nicht

Mangelware Kita-Platz (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
Mangelware Kita-Platz (picture alliance / dpa / Martin Schutt)

Die deutschen Kommunen fürchten, bis August nicht genügend Plätze in Kindertagesstätten bereitstellen zu können, um Kinder unter drei Jahren zu versorgen. Der Städte- und Gemeindebund überlegt, wie kurzfristige Abhilfe aussehen könnte.

Aus eins mach zwei: Vielleicht kann ein "Kita-Platzsharing" dazu beitragen, den Mangel an Betreuungsplätzen zu mindern. Viele Eltern seien gar nicht an einem Ganztagsplatz interessiert, vermutet der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB). Wenn die Eltern einen variablen Teilzeit-Arbeitsplatz hätten, könnte auch ein geteilter Kitaplatz attraktiv sein, wenn die nötigen rechtlichen Regeln geschaffen werden.

Auch der Austausch von Erziehern zwischen verschiedenen Städten könnte eine Idee sein, um Bedarfsspitzen abzufangen. Vom 1. August 2013 an haben Eltern einen Rechtsanspruch für ihre Kinder unter drei Jahren.

"Es fehlen im Augenblick noch ungefähr 150.000 Plätze", sagte heute Christian Schramm, Oberbürgermeister von Bautzen und DStGB-Präsident. Zum Stichtag 1. März 2012 hatte das Statistische Bundesamt noch eine Lücke von 220.000 Plätzen festgestellt. Trotz der Bemühungen, weiter auszubauen, reiche das Tempo möglicherweise nicht, fügte Schramm hinzu: "Ich denke, dass wir die Quote nicht ganz schaffen werden."

"Aber es sind ja nicht nur die Unterbringungsplätze, es sind vor allen Dingen die Erzieherinnen und Erzieher, die wir brauchen. Der Bund hat dabei geholfen, aber wir sehen, dass noch eine große Kraftanstrengung notwendig ist", erklärte Schramm. Spätestens für das Frühjahr verlangt der Verband einen Kassensturz, berichtet Theo Geers im Deutschlandfunk.

Aktionsprogramm verlangt

Der Städte- und Gemeindebund forderte ein Aktionsprogramm: mehr Ausbildungsangebote für Erzieher, dazu auch eine leichtere Anerkennung ausländischer pädagogischer Abschlüsse, mehr Tageseltern und die Rekrutierung von rund 5000 Menschen aus dem Bundesfreiwilligendienst. Auch Unternehmen könnten mitwirken, indem sie ihre Betriebskindergärten aufstockten oder sich an kommunalen Kitas beteiligten, schlug der DStGB vor.

In Berlin stieß die Einschätzung der Kommunen auf Erstaunen. Ein Sprecher des Familienministeriums erklärte, bisher gebe es keine offizielle Mitteilung, dass der Rechtsanspruch nicht zu halten sei. Alle Beteiligten müssten zu ihren Verpflichtungen stehen. Das Ministerium betonte, Bund, Länder und Kommunen hätten sich 2007 zum Ausbau der Betreuungsplätze verpflichtet. Die dafür erforderlichen Mittel habe der Bund auch bereitgestellt.

Gemeinden schließen 2012 mit "schwarzer Null" ab

Im Durchschnitt haben die deutschen Kommunen im vergangenen Jahr ausgeglichen gewirtschaftet, ihre Gesamteinnahmen und –ausgaben waren identisch, so der Städte- und Gemeindebund. Dies sei allerdings keine Entwarnung für die Etats: Die schwarze Null sei vielerorts zulasten von Investitionen in Straßenbau und andere Angebote erreicht worden. Der Verband schätzt den Investitionsrückstand auf 100 Milliarden Euro. Insgesamt sind die öffentlichen Haushalte – also Gemeinden, Länder und der Bund – mit rund zwei Billionen Euro verschuldet (2000 Milliarden).



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:10 Uhr DLF - Zeitzeugen im Gespräch

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Meisterwerke von Manet in HamburgWie der Maler trickreich das Publikum bannte

Drei Frauen betrachten in der Hamburger Kunsthalle das Bild "Das Frühstück im Atelier" des Künstlers Edouard Manet. Die Ausstellung "Manet - Sehen. Der Blick der Moderne" wird vom 27. April bis zum 4. September.2016 in der Hansestadt gezeigt. (Foto: Axel Heimken / dpa)

Eine Schau mit 35 Gemälden des Malers Edouard Manet will Publikumsmagnet in Hamburg werden. Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner erklärt, mit welchem Trick der Maler Kunstgeschichte schrieb.

Streiks in FrankreichKleine und mittlere Unternehmen fürchten um Existenz

Mitglieder der Gewerkschaft CGT blockieren den Zugang zu einem Industriegebiet in Vitrolles in Südfrankreich. (AFP / Boris Horvat)

Bei einer Befragung von 700 französischen Unternehmen gaben 70 Prozent der Firmen an, in Kürze schließen zu müssen. Der Grund: Die andauernden Streiks in Frankreich und die damit verbundene Ressourcenknappheit. Doch nicht nur viele Firmenchefs, auch immer mehr Angestellte fühlen sich mittlerweile als Geisel im eigenen Land.

"Meinen Hass bekommt ihr nicht"Bericht aus einer Welt des Schmerzes

Der Journalist Antoine Leiris, der seine Frau bei den Terroranschlägen im Pariser Bataclan verlor und darüber ein Buch schrieb. (AFP / Dominique Faget )

Der französische Journalist Antoine Leiris verlor bei den Anschlägen von Paris seine Frau. In dem Band "Meinen Hass bekommt ihr nicht" hat er notiert, was dieser Verlust für ihn und seinen zweijährigen Sohn bedeutet.

US-WahlkampfObama wirft Trump Ignoranz vor

KOMBO - US Pr (EPA)

US-Präsident Barack Obama hat sich beim G7-Treffen kritisch über den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump geäußert. Der zeige sich gegenüber der Außenpolitik ignorant und interessiere sich eher für Schlagzeilen als für Strategien für Amerikas Sicherheit, sagte Obama. Doch Trumps außenpolitische Positionen sind nicht nur bei den US-Demokraten umstritten.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Schiffsunglück  Rund hundert Flüchtlinge im Mittelmeer vermisst | mehr

Kulturnachrichten

"Refugee" ist britisches Kinderwort des Jahres  | mehr

Wissensnachrichten

Großbritannien  VR-Brillen bringen Geschworene an Tatort | mehr