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3800 Kilometer für die Energiewende

Vier große Stromautobahnen durch Deutschland geplant

Strommasten reihen sich  bei Silberstedt nahe Husum hintereinander
Strommasten reihen sich bei Silberstedt nahe Husum hintereinander (AP)

In Deutschland müssen bis 2022 nach Angaben der Stromnetzbetreiber rund 3800 Kilometer neue Stromtrassen gebaut werden, um die Energiewende zum Erfolg zu machen. Außerdem sollen rund 4000 Kilometer vorhandener Trassen aufgerüstet werden. Rund 20 Milliarden Euro sind dafür nötig.

Das geht aus dem Entwurf des ersten nationalen Netzentwicklungsplans hervor, den die Stromnetzbetreiber 50Hertz, Tennet, Amprion und TransnetBW der Bundesregierung in der Bonner Bundesnetzagentur überreichten. Darin heißt es, die von der Energiewende besonders betroffenen Regionen in Südwestdeutschland müssten besser mit der im Norden erzeugten Windenergie versorgt werden. 3800 Kilometer Stromtrassen, vornehmlich Überlandleitungen, sollen dafür in den kommenden Jahren gebaut, 4000 bereits bestehende Trassen aufgerüstet werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 20 Milliarden Euro.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, der Entwurf sei ein großer Schritt auf dem Weg zur Energiewende. Bis zum Jahresende solle der Ausbau der deutschen Stromautobahnen gesetzlich geregelt werden. Sie betonte, es bleibe beim Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022: "Die Energiewende ist so, wie wir sie vor einem Jahr beschlossen haben, machbar". Umweltminister Peter Altmaier erklärte, wichtig sei in Zukunft eine engere Verzahnung zwischen dem Netzausbau und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. Dies bringe mehr Netzstabilität und könne die Kosten der Energiewende begrenzen.

In der Koalitionsfraktion waren zuvor Zweifel an der Umsetzung der Energiewende laut geworden. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hatte nicht ausgeschlossen, dass mehr Gas- und Kohlekraftwerke gebaut werden müssten als gedacht. Unionsfraktionsvize Michael Fuchs sprach sogar längere Laufzeiten von Atomkraftwerken an.

Netzbetreiber sind optimistisch

Bürgerwindpark Reußenköge in NordfrieslandBürgerwindpark Reußenköge in Nordfriesland (Birgit Wetzel)Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagte, ohne Umbau der Stromnetze würden die Fortschritte bei der Nutzung erneuerbarer Energien ins Leere laufen. Der Deutschland-Chef des Netzbetreiber Tennet, Martin Fuchs, unterstrich diese Auffassung. Er sagte: "20 Milliarden hört sich erschreckend an". In Relation zu den Ausgaben für die Förderung von erneuerbaren Energien in Höhe von jährlich 14 Milliarden Euro sei dies jedoch eine handhabbare Summe.

Für das Gelingen der Energiewende sollen der Regierung zufolge zahlreiche weitere Hürden aus dem Weg geräumt werden. Neben den neuen Stromleitungen müssen auch zusätzliche fossile Kraftwerke her, sagte Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Bis Ende des Jahres soll per Gesetz ein Masterplan für den bundesweiten Stromnetzausbau vorliegen.

Die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat den Vorwurf zurückgewiesen, der Ausbau neuer Stromnetze gehe in den Ländern zu langsam voran. Im vergangenen Jahr sei in den Ländern intensiv an der Umsetzung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gearbeitet worden, sagte sie im Deutschlandfunk. Nun müssten sich die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung an einen Tisch setzen, damit der Netzausbau ein Projekt für ganz Deutschland werde.

SPD und Grüne fordern Beschleunigung

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat zur Beschleunigung der Energiewende die Gründung einer "Bundesnetz-AG" gefordert. Daran sollten sich neben dem Bund auch die Netzbetreiber sowie Stadtwerke und andere Unternehmen beteiligen, sagte Gabriel den "Stuttgarter Nachrichten". Er verlangte zudem von Bundeskanzlerin Merkel, eine Steuerungsgruppe Energiewende einzuberufen. Ohne strukturelle Veränderungen komme der Netzausbau nicht voran.

Auch der Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, warf der Regierung vor, beim Ausbau der Leitungen zu langsam vorzugehen. Er kritisierte, dass seit 2009 1880 Kilometer an Stromtrassen geplant, aber erst rund 200 Kilometer davon gebaut seien.

Merkel spricht von Rückstand

Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt den Griechen ein Euro-Referendum vorBundeskanzlerin Angela Merkel (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)Die Energiewende - das beschlossene Großvorhaben der schwarz-gelben Bundesregierung - steht seit längerem in der Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumte am Wochenende in ihrer Videobotschaft ein, das Projekt sei in Verzug geraten. Der notwendige Ausbau der Netzinfrastruktur komme nicht recht voran. Insbesondere beim Bau der Überlandleitungen, um Windstrom vom Norden in den Süden zu bekommen, gebe es Probleme. "Hier sind wir an vielen Projekten im Rückstand", sagte die Kanzlerin. "Da drängt die Zeit, denn wir stellen unsere Energieversorgung grundsätzlich um", betonte sie.

Nach Schätzungen der Deutschen Energie-Agentur sind knapp 4500 Kilometer Höchstspannungsleitungen notwendig. Hinzu kommen tausende Netzkilometer auf der Verteilebene. Der Ausbau kommt dem Bedarf seit Jahren kaum hinterher, die Verfahren dauern im Schnitt zehn Jahre - auch, weil sich betroffene Anwohner häufig gegen die Stromtrassen wehren.

Konzessionsabgabe gefordert

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Kommunen bei der Energiewende stärker einzubinden. Im Deutschlandfunk sagte Landsberg, für die geplanten Stromtrassen im Verteilnetz brauche man Investitionssicherheit. So müssten zehntausende Kilometer zusätzliche Leitungen errichtet werden. Landsberg forderte eine Konzessionsabgabe für Leitungen über Gemeindegebiet. Deren Höhe veranschlagte er auf einige Tausend Euro pro Kilometer im Jahr. Landsberg betonte, die Ausgaben für die Energiewende übernehme letztlich der Verbraucher.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

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