Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

45 Millionen Menschen auf der Flucht

Alarmierende Zahlen zum Weltflüchtlingstag

Ein Flüchtlingslager im Norden Syriens (picture alliance / dpa Foto:  (AP Photo/Aleppo Media Center AMC))
Ein Flüchtlingslager im Norden Syriens (picture alliance / dpa Foto: (AP Photo/Aleppo Media Center AMC))

Die Zahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen hat weltweit den höchsten Stand seit 1994 erreicht – vor allem wegen bewaffneter Konflikte wie dem Bürgerkrieg in Syrien. Fast jeder zweite Flüchtling ist jünger als 18 Jahre.

Das geht aus einem neuen Bericht des UN-Flüchtlingsrates UNHCR hervor, der zum Weltflüchtlingstag vorgestellt wurde. Demnach waren Ende 2012 insgesamt 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht vor Verfolgung und Not. Im Jahr zuvor lag diese Zahl bei 42,5 Millionen. Eine Hauptursache für den Anstieg sei der Bürgerkrieg in Syrien, hieß es. Bisher flohen laut Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) mehr als 1,6 Millionen Syrer in Nachbarstaaten. Fast jeder zweite Flüchtling ist jünger als 18 Jahre.

Hilfsorganisationen nehmen den von der UN-Vollversammlung initiierten Weltflüchtlingstag am 20. Juni zum Anlass, auf die lebensbedrohliche Lage vieler Heimatloser ohne ausreichende Nahrung und medizinische Versorgung hinzuweisen.

Appell an EU-Staaten

Krieg sei die Hauptursache für die hohe Zahl an Flüchtlingen und Vertriebenen, hieß es in der Vorstellung des Berichts. Laut UNHCR nahmen Entwicklungsländer 80 Prozent der Flüchtlinge auf. Aus diesem Grund fordern Menschenrechtler die EU-Staaten auf, mehr Flüchtlingen Schutz zu gewähren. In Europa werde gerne vergessen, dass derzeit 80 Prozent der Flüchtlinge von Entwicklungsländern aufgenommen werden, sagte die Asylexpertin Franziska Vilmar von "Amnesty International". Die Organisation "Pro Asyl" sprach sich für ein europäisches Sofort-Aufnahmeprogramm für syrische Flüchtlinge aus.

AI stellt Missstände in libyschen Lagern fest

Die EU muss laut Forderungen von Amnesty International Flüchtlinge und Migranten in Libyen besser vor Menschenrechtsverletzungen schützen. Dort würden Tausende Ausländer, darunter auch Kinder, unter inakzeptablen Bedingungen festgehalten, erklärte Nicolas Beger, Leiter des Brüsseler EU-Büros der Menschenrechtsorganisation. Besonders in den sogenannten holding centres, in denen Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern untergebracht seien, habe ein AI-Inspektionsteam Hinweise auf Misshandlung und Folter festgestellt.

Die EU gibt Libyen seit einiger Zeit Geld für sogenanntes Migrationsmanagement. Damit unterstützt das afrikanische Land die EU bei der Absicherung der Außengrenzen. Teil dieser zehn Millionen Euro - so vermutet Amnesty - fließe aber in diese Lager.

Papst bittet um Solidarität

Papst Franziskus hat bei seiner Generalaudienz gestern auf dem Petersplatz die Aufnahmeländer um Verständnis und Gastfreundschaft für die Ankömmlinge gebeten. «Wir dürfen nicht gefühllos gegenüber diesen Familien bleiben und gegenüber all unseren geflohenen Brüdern und Schwestern», sagte der Papst zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Franziskus dankte außerdem allen Menschen und Institutionen, die sich auf der Welt um Flüchtlinge kümmerten. In deren Gesicht sei «das Gesicht Christi zu erkennen».

Der Weltflüchtlingstag geht zurück auf eine Initiative von Papst Benedikt XV. (1914-1922) aus dem Jahr 1914. Er wurde später von den Vereinten Nationen übernommen und wird seit 2001 international am 20. Juni begangen.


Mehr auf dradio.de:

Hilfe für syrische Flüchtlinge - EU-Innenminister beraten über Asylpolitik und Gefahr durch Bürgerkriegskämpfer
Türkei erstmals mit eigenem Asylgesetz - Syrische Flüchtlinge könnten davon profitieren
Deutschland bietet mehr Syrern Asyl - Bundesinnenminister: 5000 Flüchtlinge aufnehmen
Geflohen, verwaltet, verkämpft - Flüchtlingsproteste und die deutsche Asylpolitik
Gefangen zwischen Europa und Afrika - Die spanische Exklave Melilla ist ein Magnet für Flüchtlinge
Fingierte Grenzen als Flüchtlingsfalle - Die Aktion "Grenzstein" in der ehemaligen Tschechoslowakei
Die Not libyscher Flüchtlinge in Italien - Staat streicht Mittel aus dem Notstandsplan Nordafrika

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Gottesdienst

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Sonntagmorgen

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 08:00 Uhr Dein Sonntag

Aus unseren drei Programmen

Ruben Östlund über seinen Film "The Square" Der Kunstszene den Spiegel vorhalten

Ein einen Affen mimender Künstler (Terry Notary) steht auf einem Tisch, die chic gekleideten Gäste blicken erschrocken zu ihm auf (Alamode-Film)

Die Kunstszene interessiere sich nur noch für das, was in ihrem Kosmos passiere, kritisiert der schwedische Regisseur Ruben Östlund. Das nehme er mit seinem Film "The Square" auf die Schippe. Ebenso den harten Kampf der Künstler um die kurze Aufmerksamkeit ihres Publikums.

Alltäglicher Sexismus"Dumme Sprüche sind Teil einer Vergewaltigungskultur"

Stefanie Lohaus, Missy Magazine (Deutschlandradio Kultur )

Bei sexualisierter Gewalt gehe es um die Ausübung von Macht, sagte die Kulturwissenschaftlerin Stefanie Lohaus im Dlf. Es diene dazu, Frauen sozusagen auf ihren Platz zu verweisen, sie zu verunsichern. Hier grundsätzlich etwas zu verändern, werde sehr lange dauern, ein Hashtag werde da so schnell nichts ändern.

Zeitreise von Amerikas Sklaven zu #blacklivesmatterBlack America

Menschen demonstrieren in Ferguson gegen die Ermordung des Schwarzen Michael Brown. (dpa / picture alliance / Larry W. Smith)

Bei seiner Wahl begrüßte das schwarze Amerika Barack Obama wie einen lang ersehnten Heilsbringer. Auf einer ehemaligen Sklavenplantage in Georgetown und in der Chicagoer South Side geht der Autor der Frage nach: Hat sich in der Obama-Zeit etwas verändert oder nicht?

Der jüdische EruvWas die Schnur an Manhattans Straßenlaternen bedeutet

Straße in Manhattan, durch die Luft gespannt und an einer Laterne befestigt ist ein dünner Nylonfaden. (Kai Clement)

Der Eruv spannt sich in einem Teil Manhattans von Laternenmast zu Laternenmast. Der Nylonfaden ist fast unsichtbar und erleichtert doch das Leben vieler orthodoxer Juden, die hier leben. Korrespondent Kai Clement war bei der wöchentlichen Kontrolle dabei.

Die Krim nach der AnnexionLeben mit Sanktionen

Ein Bogen wird an der Brücke über die Meerenge von Kertsch errichtet. Die Brücke soll einmal 19 Kilometer lang werden und Russland mit der Halbinsel Krim verbinden. (imago / Sergei Malgavko / TASS)

Das Leben auf der Krim dreieinhalb Jahre nach der russischen Annexion: Güter müssen aufgrund der Sanktionen per Flugzeug oder Fähre aus Russland angeliefert werden, was sie teuer macht. Die Tourismussaison war ein Flop. Doch die meisten Menschen sind guter Dinge. Gegen Kritiker wird allerdings mit aller Härte vorgegangen.

Pro Quote Bühne "Das Publikum hat ein Recht auf Qualität und Vielfalt"

Die Schauspieler Marcel Kohler und Lorna Ishema bei einer Fotoprobe zum Theaterstück "Unterwerfung" 2016 im Deutschen Theater in Berlin (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Theater werden zu 80 Prozent von Männern geleitet. Nur bei den Souffleusen, also im Niedriglohnbereich, ist das Verhältnis umgekehrt. Angelika Zacek vom Verein Pro Quote Bühne fordert die Häuser auf, in der nächsten Spielzeit 50 Prozent Regisseurinnen zu engagieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Tschechien  Wahlsieger Babis will weitere EU-Staaten auf Anti-Einwanderungskurs bringen | mehr

Kulturnachrichten

Nina Hoss erhält Braunschweiger Filmpreis | mehr

 

| mehr