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868 Millionen Menschen leiden an Hunger

Welternährung: UNO hat ihre Ziele noch lange nicht erreicht

Essensausgabe in einem Flüchtlingslager in Mogadishu (AP / Farah Abdi Warsameh)
Essensausgabe in einem Flüchtlingslager in Mogadishu (AP / Farah Abdi Warsameh)

Noch immer sterben zweieinhalb Millionen Kinder weltweit jedes Jahr, weil sie nicht genug zu essen haben. Weitere 170 Millionen Jungen und Mädchen leiden wegen Mangelernährung unter Wachstumsverzögerungen.

Seit dem Jahr 1990 ist der weltweite Hunger leicht zurückgegangen, von knapp einer Milliarde auf nunmehr 868 Millionen Menschen. Diese Zahlen gehen aus dem aktuellen Welthungerindex hervor. 868 Millionen, das ist mehr als das Zehnfache der Einwohnerzahl Deutschlands. Im Jahr 2000 hatte sich die Staatengemeinschaft auf einen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Armut geeinigt: die UN-Millenniumsziele. Doch das Vorhaben, die Zahl der an Hunger leidenden Menschen bis 2015 zu halbieren, ist noch lange nicht erreicht.

Ländlicher Raum im Blickpunkt

Kaffeeplantage in Guatemala (AP Archiv)Kaffeeplantage in Guatemala (AP Archiv)Zweieinhalb Millionen Kinder sterben weltweit jedes Jahr, weil sie nicht genug zu essen haben. Weitere 170 Millionen Jungen und Mädchen leiden deswegen unter Wachstumsverzögerungen. Die Vereinten Nationen erinnern am heutigen Welternährungstag an die Hungernden.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, will in diesem Jahr unter dem Motto "Landwirtschaftliche Genossenschaften - Schlüssel zur Welternährung" auf die Bedeutung ländlicher Kooperativen im Kampf gegen den Hunger aufmerksam machen. Denn Zusammenschlüsse von Bauern in Genossenschaften können nach Meinung des FAO-Generaldirektors José Graziano da Silva helfen, einige Hungerprobleme lösen. In der Gemeinschaft könnten Farmer Kosten reduzieren und ihre Interessen besser gegenüber der Politik äußern.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) (dpa / Tim Brakemeier)Bundesentwicklungs-minister Dirk Niebel, FDP (dpa / Tim Brakemeier)Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) kritisierte im Deutschlandradio Kultur: "Die Entwicklung ländlicher Räume ist in den vergangenen zehn, 15 Jahren wirklich sehr vernachlässigt worden." Dabei gehe es aber nicht nur um die Förderung der Landwirtschaft, sondern auch um "die Ausbildung, zum Beispiel mit einfachsten Technologien umzugehen, mit besseren Saatgütern, zu lernen, wie man Produkte haltbar machen kann, wie man sie lagern kann." Deutschland investiere in diesem Bereich mehr als 700 Millionen Euro pro Jahr im Moment, "das ist mehr als zehn Prozent meines Gesamtetats", so Niebel.

Kritik an Lebensmittel-Spekulation

Seit 2008 seien die Bemühungen im Kampf gegen den Hunger deutlich erlahmt, monierte der stellvertretende FAO-Generaldirektor Jomo Sundaram. Dies habe mehrere Gründe, unter anderem die wachsende Nachfrage bei Bio-Kraftstoffen, der Klimawandel sowie die Spekulationen mit Lebensmittel-Rohstoffen. Derweil sind die Lebensmittel im September wieder teurer geworden. Wie die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft mitteilte, sind vor allem Milch-und Fleischprodukte sowie Getreide betroffen.

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, hält einen grünen Pullover mit dem Aufdruck "Willkommen im Club!". (AP - Paul Zinken)Die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth (AP - Paul Zinken)Solche Spekulationen auf den internationalen Finanzmärkten kritisierte auch Grünen-Chefin Claudia Roth im Deutschlandfunk. Hierzulande werde die Finanzkrise zu überdimensional wahrgenommen, "dass man nur noch an sich selber denkt oder dass man sagt, man kann eh nichts mehr tun in dieser krisenhaften Welt". Jährlich dürfe eben nicht nur einmal Welternährungstag sein, weil jeden Tag die Menschen an Hunger leiden, und auch durch Verhalten, durch eine falsche Politik, durch unsere Lebensstile, die wir in den reicheren Ländern haben".

EU will Bauern in Afrika unterstützen

Gepresste Strohballen liegen auf einem abgernteten Feld bei Rostock, Mecklenburg-Vorpommern. (AP)Hilfe zur Selbsthilfe für Bauern - das will die EU (AP)Die EU will afrikanische Bauern mit rund 27 Millionen Euro helfen. Dieses Geld solle einer Initiative zufließen, die den Bauern mehr Selbstständigkeit und Selbsthilfe ermögliche, erklärte EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs in Brüssel anlässlich des Welternährungstags. Um den Hunger in der Welt erfolgreich und dauerhaft zu bekämpfen, sei es wichtig, den Ärmsten die Voraussetzungen zur Selbsthilfe zu geben, so Piebalgs. Gerade in Afrika bilde die Landwirtschaft das wirtschaftliche Rückgrat für den Großteil der Bevölkerung. Rund 65 Prozent der Afrikaner verdienten ihren Lebensunterhalt mit kleinen landwirtschaftlichen Betrieben; diese seien jedoch sehr anfällig für Krisen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) unterzeichnete derweil bei einem Besuch der Welternährungsorganisation FAO eine Projektvereinbarung, die die Ernährungslage in Westafrika bessern soll. Zu dem mit deutschen Geldern geförderten Vorhaben zähle auch, der Bevölkerung dabei zu helfen, ihr Recht auf Nahrung einzufordern, so die Ministerin. Zwischen 1990 und 2010 stieg die Rate akuter Unternährung in der Region den Angaben zufolge von 8,3 auf 10 Prozent.

Der Welternährungstag findet seit 1979 am 16. Oktober statt - an diesem Datum wurde 1945 die FAO gegründet.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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