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91 Tote bei Attentaten in Norwegen

Polizei nimmt Verdächtigen mit rechtsextremem Hintergrund fest

Rettungskräfte und die norwegische Militärpolizei kümmern sich um Verletzte.
Rettungskräfte und die norwegische Militärpolizei kümmern sich um Verletzte.

Bei dem Bombenanschlag in Oslo und der anschließenden Schießerei in einem Zeltlager der Jungsozialisten sind 91 Menschen getötet worden. Die Polizei hat einen Verdächtigen festgenommen. Eine Terrororganisation war offenbar nicht beteiligt.

<p>Bei der schweren Explosion im Regierungsviertel von Oslo und der Schießerei in einem Ferienlager der Arbeiterpartei hat es 91 Tote gegeben. Die norwegische Polizei geht von sieben Toten in der Innenstadt aus, beim Angriff auf das Jugendlager auf der Ferieninsel Utøya soll es 84 Todesopfer gegeben haben. Ein Polizeisprecher betonte, dies sei nicht die endgültige Bilanz. So werde etwa im Wasser um die Insel, auf der das Jugendlager stattfand, nach weiteren möglichen Opfern gesucht. Zudem gebe es noch Schwerverletzte.<br /><br />Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg bezeichnete die Anschläge als nationale Tragödie. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg sei sein Land von einem Verbrechen dieses Ausmaßes getroffen worden. Er warnte vor zu schnellen Schlussfolgerungen. Es sei noch zu früh, über Motive und Hintergründe zu spekulieren, sagte er. Die Polizei habe gerade erst mit ihren Ermittlungen begonnen. Daher wolle er sich auch nicht zu der Frage äußern, ob es sich tatsächlich um einen Einzeltäter gehandelt habe. Auch fehle den Behörden noch der vollständige Überblick über das Ausmaß der Katastrophe.<br /><br /><papaya:media src="4e4cf5548d973bc3c04272abbbe7a7c5" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg blieb von dem Attentat unverletzt." popup="yes" />Im Mittelpunkt stehe daher nun vor allem der humanitäre Aspekt, betonte Stoltenberg. Die Polizei nahm in der Nähe des Ferienlagers einen Verdächtigen fest, der auch für den Bombenanschlag im Regierungsviertel in Oslo verantwortlich sein soll. Der Verdächtige gehört der rechtsradikalen Szene Norwegens an. Gegenwärtig sieht es nach Angaben der Polizei nicht danach aus, dass eine internationale Terrororganisation hinter den Ereignissen steckt.<br /><br /><papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/07/23/dlf_20110723_0811_25767fea.mp3" text="ARD-Korrespondent Tim Krohn berichtete im Deutschlandfunk" title="" target="_blank" />, dass der Tatverdächtige seit der Nacht vernommen und seine Wohnung durchsucht worden sei. Es handelt sich um einen Mann, 32 Jahre alt, groß, blond und Norweger. Er vertritt rechte und islamfeindliche Ansichten. Darauf würden zumindest Interneteinträge von ihm deuten. Der 32-Jährige sei bereit zur Aussage. Man stehe aber vor umfassenden und langen Ermittlungen, so die Polizei. Deshalb wolle man vorerst keine Details über die beiden Anschläge veröffentlichen.Ob er als Einzeltäter oder im Auftrag einer Organisation gehandelt hab, sei bisher unklar. Es sei aber nicht auszuschließen, dass es weitere Beteiligte gegeben haben könnte.<br /><br /><papaya:media src="0875bed78477c788406071dc65a00d1d" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Beim Bombenanschlag wurden sieben Menschen getötet" popup="yes" /></p><p><strong>"Das hätte ich mir nicht vorstellen können"</strong></p><p><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="70333" text="Der norwegische Konflikt- und Friedensforscher Johan Galtung" alternative_text="Der norwegische Konflikt- und Friedensforscher Johan Galtung" /> nannte im Deutschlandfunk zwei Hintergründe, die für die Tat infrage kommen könnten. Zum einen könne die Eskalation hervorgerufen worden sein, weil Norwegen in mehrere Kriege verwickelt sei. Die andere Option könne aus Galtungs Sicht mit der "Gewaltszene" allgemein zu tun haben. Als Beispiel nannte er den <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="152410" text="Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City" alternative_text="Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building in Oklahoma City" /> in den USA. Er betonte jedoch ausdrücklich, die "Interpretation noch offen zu lassen".<br /><br />Mordfälle seien in Norwegen extrem selten, sagte <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="164147" text="Peter Burgess im Deutschlandradio Kultur" alternative_text="Peter Burgess im Deutschlandradio Kultur" />. Umso größer sei das Entsetzen im Land über die Anschläge, so der Leiter des Sicherheitsforschungsprogramms am PRIO-Friedensinstitut in Oslo. Rechtsradikale in Norwegen seien moderater als in Deutschland.<br /><br /></p><p><strong>Ministerpräsident blieb unversehrt</strong></p><p>Bei der Explosion im Zentrum von Oslo wurden mehrere Gebäude verwüstet - darunter auch das Regierungsgebäude von Norwegens Ministerpräsident Stoltenberg, der aber unverletzt blieb. Nach Angaben seines Büros hielt er sich zum Zeitpunkt der Explosion nicht am Regierungssitz auf. Wie die Polizei bestätigte, wurde die Explosion durch einen Sprengsatz ausgelöst. Ob es sich um eine Autobombe gehandelt hat, wie Augenzeugen behaupten, ist bislang noch unklar.<br /><br /><papaya:media src="30ac177cb0689a715aaf796e830a93e4" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Auf der Fjordinsel Utoya beim Jugendlager der Jungsozialisten starben bisher 84 Menschen. Der mutmaßliche Täter wurde gefasst." popup="yes" /></p><p><strong>Täter verkleidete sich als Polizist</strong></p><p>Kurz nach dem Anschlag in Oslo ist es in einem Jugendlager auf der Fjordinsel Utoya zu einer Schießerei gekommen. Ein als Polizist verkleideter Mann hatte bei einem Treffen der Jugendorganisation der Arbeiterpartei, der auch Ministerpräsident Stoltenberg angehört, das Feuer eröffnet. An dem Sommerlager der Jungsozialisten nahmen über 500 Menschen teil. Stoltenberg war als Gastredner zu der Veranstaltung eingeladen. Laut Polizeiangaben besteht ein Zusammenhang zwischen der Schießerei und dem Anschlag in Oslo.<br /><br />Die Polizei rief die Bevölkerung dazu auf, große Menschenmengen und das Stadtzentrum Oslos zu meiden. Wie der staatliche Rundfunk NRK berichtet, wurden Oslos Hauptbahnhof, mehrere Einkaufszentren und Medienredaktionen evakuiert.<br /><br /></p><p><strong>Eine Stadt im Schockzustand</strong></p><p>Der <papaya:link href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2011/07/23/dlf_20110723_0742_b55e716f.mp3" text="Journalist Asmud Willersrud" title="Norwegen ist im Schockzustand" target="_self" /> von der norwegischen Zeitung "Aftenposten" berichtete kurz nach dem Anschlag auf das Regierungsviertel im Deutschlandfunk über die Lage in Oslo. Die Stadt befinde sich in einem Schockzustand. Im Vorfeld des Anschlages habe es keinerlei Warnungen gegeben. Norwegen sei auf eine derartige Situation nicht vorbereitet gewesen.<br /><br />Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte die Anschläge und sprach den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme aus. "Die norwegische Regierung und das norwegische Volk sollen wissen, dass die Bundesregierung und die Deutschen solidarisch an ihrer Seite stehen", heißt es in einer Erklärung.<br /><br />Norwegen war bisher noch nie von Terroranschlägen heimgesucht worden. Im Nachbarland Schweden hingegen sprengte sich im Dezember 2010 ein Mann in der Fußgängerzone in die Luft, der in einem Ausbildungslager für Terroristen in Pakistan war.<br /><br /><br /><strong>Programmtipp:</strong><br />Die Sendung Hintergrund des Deutschlandfunks wird <strong>heute ab 18:40 Uhr</strong> einen Brennpunkt zu den Anschlägen in Norwegen senden:<br /><br /><em>"Angst, Blut und Tränen – Nach dem Anschlag in Oslo"</em><br /><br />Sie können die Sendung im Internet hören:<br /><br /><papaya:link href="/streaming/dlf.m3u" text="Live - Stream Deutschlandfunk MP3" title="Live - Stream Deutschlandfunk MP3" target="_blank" /><br /><br />[url=http://www.dradio.de/aktuell/1510781/bilder/image_main/ title="Weitere Bilder der Explosion in Oslo" target="_self]Weitere Bilder<br /><br /><br /><LI_1511214>Interview 2011-07-23 - Galtung: Interpretation noch offen lassen <br> Norwegischer Konfliktforscher zurückhaltend mit Analyse des Anschlags (DLF)<br /><LI_1511194>Interview 2011-07-23 - "Das ganze Land ist wirklich unter Schock" <br> Der Sicherheitsforscher Peter Burgess zu den Anschlägen in Norwegen (DKultur)</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

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