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Abgeordnete legen Gesetzentwurf zu PID-Tests an Embryonen vor

Überparteiliche Initiative will Rechtssicherheit schaffen

Menschlicher Embryo (AP)
Menschlicher Embryo (AP)

Die umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID) ist erneut in der Diskussion: Eine Gruppe Abgeordneter hat zu Tests an Embryonen einen Gesetzentwurf vorgestellt: Er verbietet die PID - erlaubt aber Ausnahmen.

Die FDP-Fraktionsvize Ulrike Flach beschrieb im Deutschlandfunk den PID-Entwurf,der von Peter Hintze (CDU) vorgelegt wurde. Er ist im weitesten Sinne das Resultat eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom Juli dieses Jahres. Der Bundesgerichtshof erlaubte die PIDinsoweit, als dass er Untersuchungen an künstlich befruchteten Eizellen auf genetische Defekte außerhalb des Mutterleibs für nicht strafbar befand. Damit stützten die Bundesrichter ein Urteil des Landgerichts Berlin, das einen Frauenarzt wegen der von ihm vorgenommenen Präimplantationsdiagnostik freigesprochen hatte.

Der Bundesgerichtshof wies in seiner Begründung darauf hin, dass es widersprüchlich wäre, einerseits die belastenden Schwangerschaftsabbrüche nach §218a Abs. 2 StGB straffrei zu lassen und andererseits die PID, die auf einem weitaus weniger belastenden Weg dasselbe Ziel verfolgt, bei Strafe zu untersagen.

Für "eingeschränkte Erlaubnis" von PID: Die Bundestagsabgeordneten Petra Sitte (Die Linke, v.l.), Jerzy Montag (Bündnis 90 / Die Gruenen) , Carola Reimann (SPD), Peter Hintze (CDU) und Ulrike Flach (FDP)Die Abgeordneten der PID- ExpertengruppeDer nun vorliegende Entwurf verbietet im Grundsatz die PID, erlaubt aber Ausnahmen, sagt Ulrike Flach: "Die Ausnahmeregelung sagt, wenn es in der Familie schwere Erbschäden gibt, oder die Gefahr einer Tod- oder Fehlgeburt besteht, dann dürfen wir die sogenannte PID einsetzen."

Einen Katalog von Krankheiten soll es nicht geben. Mit der PID könnten Frauen vor der Entscheidung über eine Abtreibung bewahrt werden, sagte Flach. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, warnte dagegen, mit der PID werde sich die Frage stellen, welches Leben als wünschenswert gelte und welches nicht.

Entscheiden über die Ausnahmen soll nach der Abgeordneteninitiative eine Ethikkommission.

Was ist unverantwortlich und was nicht? Darf man alles tun, was machbar ist? Oder: Muss man das sogar?, fragt der Kommentar von Deutschlandradio.

Die PID-Methode wird in Großbritannien schon seit 1990 angewandt, um Chromosomendefekte frühzeitig zu erkennen, oder schwere Krankheiten wie Mukoviszidose, die eine eindeutige genetische Ursache haben. Zuständig für Arbeiten an embryonalem Gewebe ist in Großbritannien eine speziell dafür eingesetzte Behörde, die Human Fertilisation and Embryology Authority, oder kurz HFEA. Sie ist interdisziplinär besetzt, entscheidet über die allgemeinen Richtlinien, und zertifiziert Zentren, in denen Präimplantationsdiagnostik angewandt wird.

Eine Zelle entscheidet über die elterliche Entscheidung

Die Befürworter und Gegner der PID liefern sich seit Jahren einen erbitterten Austausch über die Ethik des Eingriffs. Vereinfacht gesagt, entnehmen Ärzte Zellen aus einer im Reagenzglas befruchteten Eizelle und untersuchen sie auf mögliche Erbkrankheiten.

Laborantinnen arbeiten mit Stammzellen in einem Labor in Rehovot, Israel. (AP)Laborantinnen arbeiten mit Stammzellen in einem Labor in Rehovot, Israel. (AP)Das Deutsche Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften definiert die PID-Untersuchung so: "Dabei wird das Erbgut von ein bis zwei Zellen eines mehrere Tage alten Embryos, meist während des so genannten 8-Zell-Stadiums (Blastomere) und damit ca. drei Tage nach der Befruchtung (...), hinsichtlich bestimmter krankheitsrelevanter Mutationen (...) oder Chromosomenanomalien (...) untersucht, bevor der Embryo in die Gebärmutter übertragen wird. Auch Untersuchungen im Hinblick auf nicht krankheitsrelevante Merkmale wie beispielsweise das Geschlecht eines Embryos, das Vorhandensein einer bestimmten Behinderung oder seiner Eignung als Organ- bzw. Gewebespender (...) für ein bereits lebendes erkranktes Geschwisterkind sind mittels PID möglich und werden in einigen Ländern (...) durchgeführt."

Designer-Baby aus der Petrischale?

Insbesondere die Debatte um diese "Retter-Geschwisterkinder" hat die Diskussion um die PID und den Begriff "Designer-Baby" befördert. So heißt es auf der Website des Deutschen Referenzentrums für Ethikwissenschaften:

"Im März 2003 ist in Großbritannien das erste Retter-Geschwisterkind geboren worden. Es sollte seinem zu diesem Zeitpunkt vierjährigen kranken Bruder das Leben retten, der dringend Blutstammzellen benötigte. Die Eltern hatten die PID damals noch in den USA vornehmen lassen, um rechtliche Probleme in ihrem Heimatland zu umgehen. Inzwischen hat Großbritannien die Bestimmungen diesbezüglich gelockert. Auch in Schweden ist die Anwendung der PID zur Auswahl von Retter-Geschwistern erlaubt. In Spanien ist im Oktober 2008 das erste Retter-Geschwisterkind zur Welt gekommen. Der Bruder dieses Kindes leidet an einer genetisch bedingten Bluterkrankung. Bereits sieben Wochen, nachdem das erkrankte Kind Stammzellen aus dem Nabelschnurblut des Neugeborenen erhielt, konnten erste Erfolge der Therapie beobachtet werden. Der siebenjährige Junge habe seine Krankheit so gut wie überwunden, berichten die Ärzte. Die Erzeugung so genannter Retter-Geschwister ist starker Kritik ausgesetzt und wird von vielen Seiten als erster Schritt auf dem Wege zu so genannten "Designer-Babys" gesehen.

Links zum Thema:

PID-Seite des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften


Zum BGH-Urteil zur Präimplantationsdiagnostik (PID):

Oktober 2010: Deutscher Ethikrat fordert klare Regelung zu Embryonenschutz

Juli 2010: Bundesgerichtshof billigt Präimplantationsdiagnostik

Juli 2010: Nach dem Leipziger Urteil zur Präimplantationsdiagnostik

Juli 2010: "Da wird jetzt eine neue Debatte in Gang kommen" - Zum Urteil des BGH zur Präimplantationsdiagnostik

DRadio Wissen: Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Marieke Degen


Pro Präimplantationsdiagnostik (PID):

November 2010: "Ein Akt für Menschlichkeit" - CDU-Politikerin Heinen plädiert für Zulassung der Präimplantationsdiagnostik in engen Grenzen

November 2010: CDU-Chefin in Brandenburg befürwortet Präimplantationsdiagnostik

Juli 2010: Präimplantationsdiagnostik in den USA Alltag

Oktober 2010: Neuer Gentest erfolgreich bei künstlichen Befruchtungen eingesetzt

Juni 2004: Umfrage belegt Befürwortung der Präimplantationsdiagnostik


Contra Präimplantationsdiagnostik (PID):

Dezember 2010: "Die Erfahrung zeigt, man kann es begrenzen" - Ethikratvorsitzender über die Präimplantationsdiagnostik

November 2010: CDU votiert gegen Gentests an Embryonen

Oktober 2010: "Eigentlich bräuchte man kein Gesetz" - Präimplantationsdiagnostik erneut in der Kritik

Oktober 2010: "Dann kann man nicht sagen: Den sortiere ich jetzt aus" - Behindertenbeauftragter kritisiert Präimplantationsdiagnostik

Juli 2010: "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich Ärzte für so was hergeben"

Januar 2007: "Wir wollen ein nicht behindertes Kind!" - Präimplantationsdiagnostik-Tourismus nach Belgien

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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