Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

ADAC-Truck-Grand-Prix scheint 2013 gefährdet

Nürburgring-Betreiberchaos geht weiter

Von Ludger Fittkau

Ob der ADAC-Truck-Grand-Prix noch 2013 auf dem Nürburgring stattfindet ist nicht gesichert. (ADAC)
Ob der ADAC-Truck-Grand-Prix noch 2013 auf dem Nürburgring stattfindet ist nicht gesichert. (ADAC)

Am Wochenende findet der ADAC-Truck-Grand-Prix statt, bei dem Lastwagen um die Wette fahren. Unklar ist, ob das vom ADAC veranstaltete 200.000 Besucher starke Großereignis im nächsten Jahr am Nürburgring stattfinden kann. Denn der Deutsche Automobil-Club hat für das kommende Jahr noch keinen verlässlichen Vertragspartner am Ring.

Kevin Glas aus Hönningen am Rhein ist einer der Ersten, die ihre Zelte vor dem ADAC-Truck-Grand-Prix auf einer Wiese am Nürburgring aufgeschlagen haben. Noch schlendert er ganz entspannt durch den kleinen Ort Nürburg direkt an der Rennstrecke. Doch Kevin Glas und auch andere Besucher des Nürburgrings machen sich Gedanken darüber, was es heißt, wenn der Truck-Grand-Prix wegen des Vertragschaos am Nürburgring im nächsten Jahr nicht mehr in der Eifel stattfinden könnte:

"Ja es wäre schade, es wäre schön hier in der Nähe - es wäre schön, wenn sie sich einigen könnten. Automobil-Club und eine Rennstrecke gehören sicherlich zusammen, ja."

Kevin Boris - Nürburgringtourist aus dem australischen Sydney findet allerdings: Noch wichtiger als ein ADAC-Lastwagen-Rennen in der Eifel sei es, das Formel-1-Rennen am Nürburgring zu halten. Auch die Verhandlungen mit dem umstrittenen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone liegen zurzeit auf Eis. Aron Hill, ebenfalls extra aus Sidney in die Eifel gekommen, verweist auf die Tradition der Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring - es wäre einfach schade, wenn das Rennen nicht mehr hier stattfände, findet er:

"Als Österreicher ist es schon ein Mythos, wir haben ja Nicki Lauda da gehabt, der hatte hier seinen schlimmen Unfall. Man sieht sich den Nürburgring an und ich bin ja nicht das erste Mal hier."

Auch Johann Maringer aus Niederösterreich kann nicht begreifen, wie es möglich ist, eine weltberühmte Rennstrecke wie den Nürburgring in ein solches finanzielles und organisatorisches Chaos zu treiben, dass jetzt selbst "Rock am Ring" und die ADAC-Großveranstaltungen für das nächste Jahr gefährdet sind:

"Jeder, der da ein Rennen macht, müsste gehalten werden. Weil die bringen ja Geld. Man muss ja bedenken, die ganze Wirtschaft der Umgegend hier lebt ja von hier, vom Ring."

In einem offenen Brief an den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck hat ADAC-Chef Peter Meyer jetzt darauf hingewiesen, dass am 31. Juli eine Frist abläuft. Bis zu diesem Zeitpunkt muss der Automobil-Club internationale Großveranstaltungen wie den Truck-Grand-Prix für 2013 bei der Internationalen Motorsportbehörde in Paris anmelden.

Kurt Beck will sich zum jetzigen Zeitpunkt zu diesem Sachverhalt nicht öffentlich äußern - es gäbe nichts Neues, teilt die Staatskanzlei Rheinland-Pfalz schriftlich mit. Roger Lewentz, der für den Nürburgring zuständige sozialdemokratische Innenminister des Landes und sein Staatssekretär seien im Urlaub, heißt es in der Pressestelle des Ministeriums. CDU-Oppositionsführerin Julia Klöckner kommentiert das harsch:

"Ich verstehe nicht, mit welcher Haltung diese Landesregierung überhaupt in Urlaub gehen kann jetzt. Das heißt, der Minister, der Innenminister und sein Staatssekretär verabschieden sich in den Urlaub, wobei sie doch mit Hochtouren eigentlich an einer Lösung für den Nürburgring arbeiten müssten. Weil es geht darum, jetzt die Verträge fertigzumachen für Rock am Ring, damit das nicht abwandert in ein anderes Bundesland. Es geht darum, die Gespräche, die ja schon seit Langem angekündigt werden, nämlich mit Bernie Ecclestone wieder zu führen, denn wir sind das nächste Mal nach Hockenheim wieder ran mit der Formel 1. Also ich haben den Eindruck, hier duckt man sich weg um dann hinterher den Schwarzen Peter irgendjemandem zuzuschieben. Die Landesregierung hat den Schlammassel angerührt, aber die Suppe sollen andere auslöffeln."

Die CDU-Opposition plädiert inzwischen dafür, mit einer neuen Landesfirma einen Neuanfang mit der Autorennbahn in der Eifel zu starten. Der Rennbetrieb soll in staatlicher Hand bleiben, die mit 330 Millionen Euro Steuermitteln finanzierten Gebäude des unrentablen Freizeitparks sollen privatisiert werden, so Julia Klöckner:

"Es war ein Fehler, diesen ganzen Firlefanz von unkalkulierbarem Freizeitpark dort in Beton zu stampfen und zu glauben, dass in einer Jahreszeit, wo sich sowieso Menschen dort in kalten Jahreszeiten dort nicht hin verirren, dass dort Ströme von Menschenmassen dort die Kassen klingeln lassen. Das war falsch, das war bewusst schön gerechnet um auch über die Wahl zu kommen und das Ganze muss der Steuerzahler dann zahlen. Und wir sind der Meinung, das die Formel 1, dass das, was den Mythos Nürburgring ausmacht, nicht durch diesen ganzen Firlefanz und die Fehlkalkulationen in den Abgrund gerissen werden dürfen."

Den internationalen Motorsportfans, die in diesem Sommer den Weg in die Eifel finden, spricht sie damit aus dem Herzen:

"Jeder, der irgendwo da mit nem Campingwagen da steht oder das Zelt aufschlägt - der kauft hier was und das ist Geld für das Land. Die Infrastruktur ist da und wenn das alles läuft, dann kommen auch Leute. Und die Leute lassen alle Geld hier."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Netzpolitik.org"Der Justizminister hätte früher reagieren müssen"

Gerhart Baum wartet am 07.07.2015 im Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe (Baden-Württemberg) auf den Beginn der mündlichen Verhandlung zum BKA-Gesetz (picture alliance / dpa / Uli Deck)

Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) hat den Vorwurf des Landesverrats gegen die Betreiber des Blogs Netzpolitik.org im DLF als "lächerlich" bezeichnet. Alle Beteiligten seien politisch unsensibel gewesen - auch Justizminister Heiko Maas habe Fehler gemacht.

Schrumpfende RegionenWie das Internet das platte Land belebt

Der Gitarrenbauer Jens Ritter in Deidesheim in seiner Werkstatt bei der Arbeit an einer neuen Bassgitarre (aufgenommen 2012). (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

Noch leben viele Deutsche in Orten mit weniger als 20.000 Einwohnern - doch es werden immer weniger. Digitale Informationstechnik soll diesen Trend durch verbesserte ärztliche Versorgung und Mobilität sowie neue Arbeitsmodelle stoppen. Vom "Landleben 2.0" profitiert auch Instrumentenbauer Jens Ritter in der pfälzischen Kleinstadt Deidesheim.

MachtMutti für immer?

Alle guten Dinge sind VIER. Naja, scheinbar hat Angela Merkel da was missverstanden. Jedenfalls kommen aktuell einige Gerüchte auf, dass Merkel sich festgelegt haben soll: Sie will 2017 wieder Kanzlerin werden. Was macht Macht mit uns? Verändert sie unser Gehirn?

Netzpolitik.org"Generalbundesanwalt sollte über Rücktritt nachdenken"

Der Obmann der SPD im NSA-Untersuchungsausschuss, Christian Flisek. (picture alliance / dpa / Gregor Fischer)

Er habe den Eindruck, dass Generalbundesanwalt Harald Range dem NSA-Komplex nicht gewachsen sei, sagte Christian Flisek, SPD-Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss, im DLF. Das Ermittlungsverfahren gegen das Blog Netzpolitik.org sei nun der "letzte dicke Tropfen, der das Fass zum Überlaufen" bringe.

Strafverfahren gegen "netzpolitik.org""Es ist nicht legitim, einfach alles zu veröffentlichen"

Teilnehmer einer Demonstration von Unterstützern des Internetportals Netzpolitik.org halten am 01.08.2015 in Berlin bei der Demonstration ein Schild "Ein Abgrund von #Landesverrat.!" (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Der Historiker Peter Hoeres hält die Aufregung um das Strafverfahren gegen "netzpolitik.org" für "etwas überzogen". Zwar bezweifle er, dass die Reaktion der Behörden in diesem Fall sinnvoll sei - grundsätzlich habe der Staat aber das Recht, geheime Informationen zu schützen und Durchstechereien zu verfolgen.

Probleme bei der Kölner OperEin konsequentes Risikomanagement fehlt

Die Sanierung der Kölner Oper und des Schauspielhauses dauert länger als geplant - hier ein Bagger auf der Baustelle. (imago / JOKER)

Was haben Berliner Lindenoper, Hamburger Elbphilharmonie und Kölner Oper gemeinsam? Alle drei Bauvorhaben sprengen Zeit- und Kostenrahmen. Der Politologe Jobst Fiedler hat öffentliche Bauvorhaben untersucht und sagt: Wenn der Staat mitbaut, wird's meist teurer.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlinge  Jäger (SPD): Bund soll Kommunen helfen | mehr

Kulturnachrichten

Neues Mobiliar für Dessauer Meisterhäuser  | mehr

Wissensnachrichten

Biologie  Raupen-Schleim verwandelt Ameisen in Bodyguards | mehr