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Ägypten gedenkt den Opfern der "Revolution des 25. Januar"

Militärrat will Notstandsgesetze außer Kraft setzen

Demonstranten vor dem Amtsitz des Premierministers in Kairo (picture alliance / dpa / Mohamed Omar)
Demonstranten vor dem Amtsitz des Premierministers in Kairo (picture alliance / dpa / Mohamed Omar)

Vor einem Jahr versammelten sich die ersten Demonstranten auf dem Kairoer Tahrir-Platz, um gegen die Regierung Mubaraks zu demonstrieren. Sie zwangen den Machthaber zum Gehen. Ein Jahr später haben sich wieder Hunderttausende versammelt - sie gedenken den Opfern der "Arabellion".

Im Laufe des Abends wollen 15 Demonstrationszüge sternförmig auf den Tahrir-Platz einziehen. Hunderttausende Ägypter sind auf den Beinen. Doch, so betonen die Demonstranten, feierten sie nicht den Jahrestag der Rebellion, sondern sie gedächten den mehr als 900 Menschen, die bei den Protesten vor einem Jahr gestorben sind.

Anders als vor einem Jahr demonstrieren die Anhänger der Muslimbruderschaft und die eher linksgerichteten Aktivisten diesmal getrennt voneinander und haben verschiedene Botschaften. Aber alle demonstrieren friedlich. Einzelne Gruppierungen haben angekündigt, dass sie auch nach der Gedenkfeier auf dem Tahrir-Platz bleiben wollen, um die Revolution in Ägypten fortzuführen

Enttäuschte Ägypter

Als "Wendepunkt im Leben der Araber", hat der ägyptische Aktivist Abdul Bar Zahran die Revolution bezeichnet. Allerdings hätten die Islamisten den Erfolg der Menschen vom Tahrir-Platz geernet. Frauen, Christen und Revolutionäre seien kaum im neuen Parlament vertreten, sagte Zahran, Mitglied der Partei Die Freien Ägypter. Er empfinde das als eine große Enttäuschung der Revolution. Die Revolution wird Erfolg haben, wenn der Militärrat geht - diese Meinung äußern ägyptische Aktivisten deutlich.

Der Militärrat, der seit dem Sturz Mubaraks das Land regiert, kündigte in einer Fernsehansprache am Dienstag an, die seit 30 Jahren bestehenden Notstandsgesetze außer Kraft zu setzen. Außerdem wurde der 25. Januar zum Feiertag erklärt. Uneingeschränkte Feierlaune herrscht aber nicht.

Der Militärrat sei zwar bereit, Macht abzugeben, wolle aber Privilegien behalten, meint Volker Perthes. Der Rat sei für den Umsturz in Ägypten wichtig gewesen, aber in Regierungsfragen inkompetent,schätzt der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik ein.

Protestierende Frauen in Ägypten (picture alliance / dpa / Mohamed Omar)Protestierende Frauen in Ägypten (picture alliance / dpa / Mohamed Omar)

"Es gibt kein Zurück mehr"

Die ägyptische Schriftstellerin und Journalistin Mansura Eseddin sieht ein Jahr nach Beginn der Proteste in Ägypten die Gefahr einer religiösen und militärischen Konterrevolution und warnt sogar vor "einem militärischen und einem religiösen Faschismus". Dennoch seien sich die Menschen bewusst, was sie durch ihren Einsatz erreicht hätten:

"Die Probleme, denen wir uns heute gegenüber sehen, und die Unterdrückung, die vom Militärrat ausgeht, geben uns das Gefühl, dass wir noch mitten in der Revolution stecken und dass sie noch lange nicht bewältigt ist."

Essedin betonte, dass die ägyptischen Frauen eine tragende Rolle in der Revolution gespielt hätten und appellierte an ihre Geschlechtsgenossinnen, weiter für ihre Rechte zu kämpfen.

Auch Amnesty International forderte am Mittwoch die EU auf, sich maßgeblich für die Rechte der Frauen in Ägypten einzusetzen.

Links bei dradio.de

Ein Jahr danach <br>Koptische Mönche und die gesellschaftlichen Veränderungen in Ägypten

Amnesty International: Menschenrechte müssen besser geachtet werden - Menschenrechtsorganisation zur Lage in Ägypten und Syrien

Unvorhersehbare Entwicklung <br> Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Kairo fürchtet um die demokratische Entwicklung in Ägypten (DKultur)

"Es war ein Wendepunkt im Leben der Araber" - Wie sich ein Politiker und Fremdenführer an den Beginn der ägyptischen Revolution erinnert

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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