Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ägypter feiern Ende der Ära Mubarak

Machtwechsel stößt auf positive Reaktionen im Ausland

Jungen halten auf einem zerstörten Bus in der Nähe des Tahrir-Platzes eine ägyptische Fahne (AP)
Jungen halten auf einem zerstörten Bus in der Nähe des Tahrir-Platzes eine ägyptische Fahne (AP)

Nach dem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak hat die ägyptische Bevölkerung bis tief in die Nacht hinein gefeiert. Im Ausland ist der Machtwechsel fast überall auf positiv aufgenommen worden.

Bis zum frühen Morgen lagen sich Zehntausende Menschen in den Armen und bejubelten mit Autokorsos, Feuerwerken und Triumphgesängen den Rücktritt Mubaraks. Barrikaden und Sperren rund um den Tahrir-Platz wurden abgebaut.

Auch in den palästinensischen Gebieten gab es am Abend spontane Freudenfeiern. Im Gazastreifen strömten Hunderte Menschen auf die Straßen und schwenkten ägyptische Fahnen.

China versuchte, die Bedeutung der Massenproteste in der Berichterstattung über den Rücktritt Mubaraks herunterzuspielen. In den meisten Medien wurde lediglich eine knappe Meldung der amtlichen Nachrichten zum Rücktritt des ägyptischen Präsidenten veröffentlicht.

In Israel herrsche nun die Hoffnung, dass die demokratische Bewegung in Ägypten auch die Palästinenser erreiche, sagte Historiker Tom Segev im Deutschlandradio Kultur. Die Ungewissheit, wohin Ägypten nun steuere, löse allerdings auch Befürchtungen aus, erklärte Segev.

Befürchtungen vor einer Machtübernahme islamistischer Kräfte in Ägypten hält der Politikwissenschaftler Amr Hamzawy für übertrieben (MP3-Audio). Das Volk wolle eine demokratische Gestaltung der ägyptischen Politik und werde dieses Recht nicht aufgeben, sagte Hamzawy, Mitglied im selbst ernannten "Rat der Weisen", im Deutschlandfunk.

US-Präsident Barack Obama hält im Foyer des Weißen Hauses eine Rede zum Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak (AP)US-Präsident Barack Obama fordert "unumkehrbaren Wandel" in Ägypten (AP)

Lob aus dem Weißen Haus

Auch in den USA wurde die Nachricht positiv aufgenommen. Der Rücktritt Mubaraks sei nicht das Ende, sondern der Beginn des ägyptischen Transformationsprozesses, sagte US-Präsident Barack Obama. Er lobte das besonnene Vorgehen des ägyptischen Militärs. Dieses habe nun jedoch die Aufgabe, den Ausnahmezustand aufzuheben, die Verfassung zu reformieren und einen klaren Weg zu fairen und freien Wahlen zu ebnen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin Freund und Partner Ägyptens sein und jegliche Unterstützung leisten, die für den Übergang zu einer Demokratie notwendig sei, sagte Obama.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich für einen "transparenten und friedlichen Übergang, der die Erwartungen des ägyptischen Volks erfüllt" aus. Dieser Übergang solle freie, faire und glaubwürdige Wahlen einschlagen.

Erleichterung über Mubaraks Rücktritt in Deutschland und EU

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm die Meldung vom Rücktritt Mubaraks mit Erleichterung auf. Es sei ein Tag großer Freude, sagte Merkel und forderte gleichzeitig von momentanen und künftigen Entscheidungsträgern in Ägypten, die Entwicklung unumkehrbar zu machen und friedlich zu gestalten.

Ähnlich äußerte sich Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). "Wir sind Zeuge eines historischen Umbruchs", sagte Westerwelle in New York. Entscheidend sei aber auch, "dass der Wandel zu einer Verbesserung der Lebenssituation der Menschen führt".

Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Ashton, hofft auf schnelle und tiefgreifende Reformen in Ägypten. Die EU sei bereit, dem Land zu helfen, erklärte sie in Brüssel.

Ägypter feiern die Nachricht vom Rücktritt des Präsidenten Hosni Mubarak auf den Tahrir-Platz in Kairo (AP)Grenzenloser Jubel in Kairo (AP)Nach Protesten vor dem Präsidentenpalast hatte der ägyptische Präsident Hosni Mubarak Kairo am Freitagnachmittag verlassen. Gemeinsam mit seiner Familie war Mubarak in seiner Residenz am Badeort Scharm el Scheich am Roten Meer eingetroffen.

Zuvor hatten sich über tausend Demonstranten vor dem Präsidentenpalast in Heliopolis, im Osten Kairos, versammelt. Die Armee hatte den kompletten Stadtteil abgesperrt und schweres Geschütz aufgefahren, um einen Sturm des Palastes zu verhindern. Hunderttausende hatten nach dem Freitagsgebet erneut auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt protestiert.

Überraschendes Ende einer Ära

Noch am Donnerstagabend (10.02.11) hatte Mubarak erklärt, er werde nicht zurücktreten. In einer Live-Fernsehansprache hatte der ägyptische Präsident zwar seinem Vizepräsidenten Suleimann Befugnisse übertragen - unter anderem die Änderung einiger Verfassungsartikel zur innerpolitischen Öffnung des Landes. Doch das ersehnte Wort vom Rücktritt nahm Mubarak nicht in den Mund. Stattdessen zeigte er sich als landestreuer Soldat, der sich Einmischungen von außen verbittet.

Laufend aktualisierte Informationen zu den Ereignissen in Ägypten erhalten Sie in den Deutschlandradio-Nachrichten.

Alle Beiträge auf dradio.de zu den Krisen im Nahen und Mittleren Osten im Überblick: Der arabische Aufstand

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Nachspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Flucht vermeiden"Staaten als Völkerrechtsverletzer brandmarken"

Hände an einem Zaun.  (Bulent Kilic / AFP)

Kann das Völkerrecht souveränen Staaten die Gründe für eine Fluchtbewegung zurechnen? Die Juristin Katja S. Ziegler hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt und Ansätze entwickelt, mit denen Staaten, die Menschen zur Flucht zwingen, nach internationalem Recht bestraft werden können.

Britischer Schriftsteller und NeurologeOliver Sacks ist tot

Der Neurologe und Schriftsteller Oliver Sacks (Imago)

Er war der vielleicht bekannteste Neurologe der Welt: Der britische Bestseller-Autor Oliver Sacks ist im Alter von 82 Jahren in New York gestorben. In seinen Büchern stellte er Krankheiten anschaulich und humorvoll dar. Auch über seine eigene Erkrankung hatte er geschrieben.

Ungesundes JoggenDicke Luft in deutschen Städten

Wer glaubt, etwas für seine Gesundheit zu tun, indem er mitten durch unsere Städte joggt, erweist sich damit einen Bärendienst. Durch das tiefe Einatmen passiert so allerhand im Körper, nur nicht das, was sich vermeintlich gesundheitsbewusste Jogger davon versprechen. 

Deutsche Einheit"Keine Vereinigung auf Augenhöhe"

Ein Passant geht am Freitag (30.03.2012) an einer Schallschutzmauer in Magdeburg an einem aus der Wendezeit stammenden verwitterten Wandbild mit dem Schriftzug "Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost" vorbei. (picture alliance / dpa - Jens Wolf)

Dass die Deutsche Einheit eher als Anschluss des Ostens Deutschlands an den Westen und nicht als wirkliche Vereinigung vollzogen wurde, hält der Historiker Andreas Rödder für eine logische Folge des politischen und wirtschaftlichen Zusammenbruchs der DDR.

Hans-Werner Sinn im Interview"Man kann auch mit Geld reinkommen"

Der Präsident des ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, spricht am Mittwoch (29.06.2011) in München (Oberbayern) auf der Jahresversammlung des Instituts (picture alliance / dpa / Tobias Hase)

Einwanderung nach Punkten regeln, mit besseren Chancen für Qualifizierte - so stellt sich Ifo-Institutschef Hans-Werner Sinn die Europäische Einwanderungspolitik vor. Und er spricht sich gegen einen gesamteuropäischen Finanzminister aus - mit handfesten Argumenten.

Mentale StärkeGeduldig wie Buddha

Der Deutsche an sich sei unglaublich geduldig, findet Jim aus New York: "Egal wo ich euch sehe: Im Urlaub, im Stau oder an roten Fußgängerampeln, ihr regt euch einfach nicht so schnell auf wie wir. Damit wir ruhig bleiben, bezahlen wir New Yorker unserem Psychologen Tausende Dollars."

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ost-Ministerpräsidenten  "Fremdenhass kein primär ostdeutsches Problem" | mehr

Kulturnachrichten

Schriftsteller und Neurologe Oliver Sacks ist tot  | mehr

Wissensnachrichten

Lernen  Vier-Tage-Woche bringt bessere Noten | mehr