Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ägyptische Minister zurückgetreten

Massenproteste gegen Präsident Mursi gehen weiter

Oppositionsgegner gehen gegen Präsident Mursi in Kairo auf die Straße (AFP/Mahmud Khaled)
Oppositionsgegner gehen gegen Präsident Mursi in Kairo auf die Straße (AFP/Mahmud Khaled)

Die Demonstrationen gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi in Ägypten zeigen offenbar Wirkung. Fünf Minister haben ihren Rücktritt eingereicht. Gestern hatten Millionen den Rückzug Mursis gefordert.

Es sind keine zentralen Ministerien, die jetzt ohne Leitung sind. Die fünf Minister waren zuständig für Tourismus, Telekommunikation, Umwelt, öffentliche Versorgungsunternehmen und parlamentarische Angelegenheiten. Sie reichten ihren Rücktritt bei Ministerpräsident Hescham Kandil ein. Verkündet wurde er von einem Regierungsvertreter, der aber keinen Grund dafür nannte. Die staatliche Nachrichtenagentur hatte allerdings vorher berichtet, vier der Minister erwögen ihren Rücktritt aus Sympathie mit den Demonstranten.

Die Rücktritte dürften den Regierungsgegnern nicht ausreichen. Sie fordern seit Wochen, dass Präsident Mohammed Mursi sein Amt zurückgibt. Am Wochenende hatten in ganz Ägypten Millionen dafür demonstriert. Bei Unruhen zwischen Regierungsgegnern und Mursis Anhängern am Sonntag wurden mindestens 16 Menschen getötet. Seine Anhänger kommen vor allem aus der islamistischen Muslimbruderschaft, der der Präsident bis zu seiner Wahl angehörte. Gestern war er seit einem Jahr im Amt.

Abdel-Samad: Mursi ist Marionette

Der deutsch-ägyptische Politologe und Publizist Hamed Abdel-Samad findet, dass Mursi nicht im Interesse des Volkes arbeitet, sondern im Interesse der Muslimbruderschaft. Im Deutschlandradio Kultur nannte Abdel-Samad Mursi eine "Marionette": "Die Entscheidungen werden woanders getroffen, und er kann nicht als Vermittler fungieren, wenn er nicht souverän ist." Die Bruderschaft habe die Demokratie nur als trojanisches Pferd genutzt, um sie zu unterwandern und "später die Kontrolle über das Land zu erlangen".

Auch der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes, findet, dass sich Mursi "von der Ideologie und den Führungsstrukturen der Muslimbruderschaft" nicht frei gemacht habe. Im Deutschlandfunkte sagte er, es sei empfehlenswert, "eine breitere Koalitionsregierung unter dem gewählten Präsidenten Mursi" zu bilden. Allerdings würde das sehr viel Kompromissbereitschaft sowohl bei Mursi und seinen Anhängern als auch bei der Opposition verlangen.

Hauptquartier der Muslimbrüder angesteckt

Das Hauptquartier der Muslimbruderschaft in Kairo wurde in Brand gesteckt. (picture alliance / dpa / Str)Das Hauptquartier der Muslimbruderschaft in Kairo wurde in Brand gesteckt. (picture alliance / dpa / Str)Am Morgen stürmten regierungskritische Demonstranten den zentralen Sitz der Muslimbruderschaft in Kairo. Das Gebäude im Viertel Mokattam wurde in Brand gesetzt, laut Augenzeugen wurden auch Räume geplündert. Bei stundenlangen Kämpfen wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen mindestens sieben Menschen getötet.

Mursi zeigt bisher keinerlei Bereitschaft, einzulenken, obwohl das sogar aus den eigenen Reihen gefordert wurde. Morgen will die Opposition wieder demonstrieren. Sie werfen ihm vor, allein die Interessen der Muslimbruderschaft zu vertreten. Mursis Anhänger verweisen dagegen darauf, dass er der erste frei gewählte Präsident Ägyptens ist.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Unruhe vor Parteitag der DemokratenHat die Parteispitze Clinton bevorzugt?

Arbeiter bereiten den Saal im Wells Fargo Center in Philadelphia für den National Convention der US-Demokraten vor. (picture-alliance/ dpa/ epa/ CJ Gunther)

Ex-Außenministerin Hillary Clinton will ins Weiße Haus. Der Nominierungsparteitag der Demokraten in Philadelphia soll deshalb zu einer machtvollen Demonstration der Einheit werden. Doch ausgerechnet jetzt sorgen pikante und geleakte E-Mails aus dem Kreis der Parteispitze für Unruhe.

Autorin Stefanie SargnagelZwischen Depression und Größenwahn

Die Autorin Stefanie Sargnagel (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Ihre literarische Karriere begann auf Facebook, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie dieses Jahr mit einer Einladung zu den Bachmann-Tagen in Klagenfurt. Die Österreicherin Stefanie Sargnagel gilt als Kult-Autorin. Wir reden mit ihr über Depression und Größenwahn.

SchönheitsidealHilfe, mein Kinn ist nicht männlich!

Wenn ihr im Netz nach "Plastischer Chirurgie" sucht, findet ihr neben Nasen und Brüsten immer mehr Diskussionen über das Kinn. Junge Männer fragen sich: Sollte ich über ein Kinnimplantat nachdenken? DRadio Wissen hilft euch.

Wagner-Festspiele"Keine künstlerischen Visionen mehr"

Der Opernregisseur und Schriftsteller Hans Neuenfels (Deutschlandradio / Torben Waleczek)

Heute beginnen die Wagner-Festspiele in Bayreuth. Für den Regisseur Hans Neuenfels ist das Festival inzwischen ein Ärgernis. Im Deutschlandradio Kultur rechnet er mit der Festspielleitung ab und prophezeit eine düstere Zukunft für die Spiele.

IOC-Entscheidung"Bach hat politisch entschieden und nicht für den Sport"

Die Obfrau der SPD im Sportausschuss des Bundestages, Michaela Engelmeier. (imago/ Jens Jeske)

Die IOC-Entscheidung, Russland nicht komplett von den Olympischen Spielen in Rio auszuschließen, stößt auf Kritik. Es wäre an der Zeit gewesen, dass das IOC seine selbst gepriesene Nulltoleranzpolitik unter Beweis stelle, sagte die SPD-Obfrau im Sportausschuss des Bundestages, Michaela Engelmeier, im DLF.

Syrer besuchen Gedenkstätte BuchenwaldFlüchtlinge informieren sich über den Holocaust

Ein Wachtum in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. (imago / Ulli Winkler)

Viele syrische Flüchtlinge wissen wenig über den Holocaust. Bei einer Exkursion ins ehemalige KZ Buchenwald ging es aber auch darum, wie die Gedenkstätte geflüchteten Besuchern die deutsche Geschichte besser vermitteln könnte.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ansbach  Herrmann: Deutliche Hinweise auf islamistische Tat | mehr

Kulturnachrichten

Haftbefehle gegen Dutzende Journalisten in der Türkei  | mehr

Wissensnachrichten

Anti-Ransomware-Programm  Europol gegen Netz-Erpressungen | mehr