Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ägyptischer Präsident entlässt Militärchef

Staatschef Mursi hebt Vorrechte der Militärs auf

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Ägyptens Staatschef Mursi (r.) mit Feldmarschall Tantawi (picture alliance / dpa / Sherief Abdul Monam)
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Ägyptens Staatschef Mursi (r.) mit Feldmarschall Tantawi (picture alliance / dpa / Sherief Abdul Monam)

Der neue ägyptische Staatschef Mohammed Mursi drängt das Militär aus der Führung des Landes: Hussein Tantawi, nach dem Sturz Hosni Mubaraks mächtigster Mann des Landes, wurde aus dem Amt des Verteidigungsministers entlassen. Der Machtkampf am Nil geht in eine neue Runde.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hatte den Armeekommandeur und Verteidigungsminister Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi sowie Generalstabschef Sami Anan ihrer Funktionen enthoben. Beide bleiben offenbar Berater Mursis in Sicherheitsfragen. Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi wurde von Mursi zum Nachfolger Tantawis an der Spitze der Streitkräfte bestellt.

EU erwartet Fortsetzung des Demokratisierungsprozesses

Die Europäische Union hat gefordert, den Demokratisierungsprozess in Ägypten fortzusetzen. Die EU erwarte, dass die Arbeiten an einer neuen Verfassung rasch abgeschlossen werden, erklärte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Zudem sollten schnellstmöglich Parlamentswahlen stattfinden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) rief Ägypten zu weiteren Reformen auf. Es dürften keine Verwerfungen entstehen, die ein Fortschreiten des Reform-Prozesses unmöglich machten, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin.

In Ägypten selbst begrüßten Politiker und Aktivisten mehrheitlich die Entscheidung von Präsident Mursi. Der liberale Politiker und Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei sagte, dies sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Hussein Tantawi, Chef des ägyptischen Militärrats (picture alliance / dpa / Amr Nabil)In den Ruhestand versetzt: Feldmarschall Hussein Tantawi (picture alliance / dpa / Amr Nabil)Anfang August hatte Mursi das Kabinett des neuen Regierungschefs Hischam Kandil vereidigt. Erst bei dieser Gelegenheit wurde der Chef des Obersten Militärrats, Tantawi, der seit dem Sturz Mubaraks faktisch die Macht ausübte, als Verteidigungsminister eingesetzt. Unter der Herrschaft Hosni Mubaraks war Tantawi 20 Jahre lang Verteidigungsminister gewesen.

Mursi betonte jedoch die Bedeutung des Militärs für den Schutz der Nation. Mit diesem Schritt wolle er niemanden persönlich verärgern, sagte Mursi in einer Fernsehansprache. Er habe mit seinen Entscheidungen die Streitkräfte nicht ins Abseits drängen wollen. Mit einer neuen Generation von Generälen wolle er in eine bessere Zukunft aufbrechen.

Angriff auf Vorrechte des Militärs

Außerdem erklärte Mursi die Verfassungszusätze für nichtig, die der damals regierende Militärrat kurz vor der Erklärung Mursis zum Sieger der Präsidentenwahl im Juni erlassen hatte. Diese Zusätze hatten die Macht des Staatsoberhauptes zugunsten des Militärs deutlich eingeschränkt. Der Militärrat war von Tantawi geführt worden. Juristen des Landes kritisierten diesen Schritt Mursis nun und betonten, der Präsident habe dazu nicht die Vollmacht.

Mursi ernannte laut Mena den Richter Mahmud Mekki zu seinem Stellvertreter. Der langjährige Staatschef Mubarak, der im Februar 2011 gestürzt wurde, hatte in der Regel keinen Stellvertreter und erst kurz vor seiner Entmachtung den Geheimdienstchef Omar Suleiman auf diesen Posten berufen.

Mehr zum Thema bei deutschlandradio.de:
"Eine Bestätigung der Dominanz der Muslimbrüder" - Ronald Meinardus über den Machtkampf in Ägypten
Westerwelle sichert Ägypten Unterstützung zu - Außenminister ruft zu mehr Demokratie auf, (Dradio, Aktuell)
Machtkampf in Ägypten - Parlament tritt trotz Auflösung zusammen, (Dradio, Aktuell)
Ägyptens neuer Präsident auf Militär angewiesen - EU fordert von Mursi Einsatz für mehr Demokratie, (Dradio, Aktuell)
Muslimbruder Mursi wird Mubaraks Nachfolger - Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in Ägypten, (Dradio, Aktuell)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

Jesidin in Deutschland"Es ist Angst, Angst, Angst"

Teilnehmer des Kulturtages der Jesiden sitzen am 20.08.2016 in einem traditionellen Zelt in Celle (Niedersachsen). Die gr (dpa)

Die Jesidin Irina Badavi erlebte ihre Ehe als Leidensweg. Ihr Mann vergewaltigte und verprügelte sie, Solidarität von anderen Familienmitgliedern blieb aus. Badavi macht die Religion mitverantwortlich für die Gewalt. Seit sie ihre Erfahrungen öffentlich gemacht hat, gilt sie als Verräterin.

Die Rhetorik des Joachim GauckBetroffenheit durch Kunstpause

Gauck mit ernstem Blick vor einem Weihnachtsbaum und einer Bundesfahne. (Markus Schreiber / dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck geht - und mit ihm ein ganz spezieller Redestil: pastoral, menschelnd, bedeutungsschwanger. Wie macht er das? Wir haben den Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram nach den rhetorischen Kniffen des Präsidenten gefragt.

"Der Geschmack von Laub und Erde"Das Leben aus der Perspektive eines Tieres

Ein Dachs im Tierpark Eeckholt in der Nähe des schleswig-holsteinischen Großenaspe. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Skurrile Zivilisationsflucht: Tierarzt Charles Foster lebt versuchsweise wie ein Tier im Wald. Das gestattet ihm einen neuen Blick aufs eigene Menschsein. Seinen augenzwinkernden Bericht lesen auch Zivilisationsfreunde mit Gewinn.

WikileaksObama begnadigt Whistleblowerin Manning

ARCHIV - HANDOUT - Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke. Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Manning verkürzt. Die ehemalige Wikileaks-Informantin solle das Gefängnis am 17. Mai 2017 verlassen dürfen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. (U.S. Army / dpa - Bildfunk+++)

Nur wenige Tage vor seinem Ausscheiden als US-Präsident hat Barack Obama die Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning deutlich verkürzt. Sie soll schon im Mai freikommen. Manning hatte vertrauliche Dokumente des US-Militärs an Wikileaks weitergeleitet.

Politische MoralIst Solidarität aus der Mode gekommen?

Königsallee in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Foto: Martin Gerten)

Mehr Solidarität wagen! Dafür plädiert die Soziologin Sabine Hark. Sie sagt: Wir brauchen eine Sprache der universellen, politischen Moral - in Zeiten globaler Ungleichheiten mehr denn je.

125. Geburtstag Oliver HardyEin Schwergewicht der Komik

18. Januar 1951: Die legendären Komiker Stan Laurel (l) und Oliver Hardy (r) mit einer Geburtstagstorte im Billancourt Studio in Paris. (picture alliance / dpa / keystone)

Oliver Hardy, das war der Dick im legendären Duo "Stan und Ollie", in Deutschland vor allem bekannt als "Dick und Doof". Seine Lebensrolle als großspuriger Möchtegern-Mann-von-Welt, dem bei besten Absichten immer alles misslingt, spielt er fast 30 Jahre.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Höcke-Rede  Oppermann bezeichnet AfD-Politiker als "Nazi" | mehr

Kulturnachrichten

Hollywood verfilmt das Leben von Sammy Davis Jr.  | mehr

Wissensnachrichten

Hamster  Mütter fressen auf Mais-Diät ihre Kinder | mehr