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Afghanen gehen mit Angst zur Wahl

Taliban drohen mit Gewalt

Die Angst vor dem Terror der Taliban sitzt bei den Wähler tief. (AP)
Die Angst vor dem Terror der Taliban sitzt bei den Wähler tief. (AP)

Die Wahllokale sind noch gar nicht eröffnet, da sind schon die ersten Wahlhelfer entführt worden. Ein weiterer Beleg, dass die Sicherheitslage bei den Parlamentswahlen am Samstag in Afghanistan prekär ist. Beobachter im Land hoffen auf eine faire, freie und friedliche Wahl, aber genau danach sieht es nicht aus.

Mehr als 2500 Bewerber stellen sich der Wahl um die 249 Sitze im Parlament. Der Wahlkampf zur zweiten freie Wahl seit dem Sturz des radikal-islamischen Taliban-Regimes läuft seit Juni, aber nicht alle Kandidaten werben aktiv um ihre Wähler - aus Angst vor den radikal-islamischen Taliban. Diese haben die 1,4 Millionen Wahlberechtigten zu einem Boykott der Wahlen aufgefordert und mit Gewalt während der Abstimmung gedroht. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung der Islamisten hieß es: "Wir rufen unsere muslimische Nation auf, diesen Vorgang zu boykottieren und damit alle ausländischen Machenschaften zu durchkreuzen".

Der pakistanische Journalist Ahmed Rashid rief die Internationale Gemeinschaft im Deutschlandfunk dazu auf, Verhandlungen mit den Taliban aufzunehmen. Es habe sich gezeigt, dass die gemäßigten Taliban-Führer zu Gesprächen bereit seien, so Rashid weiter. Dennoch erwartet er Störungen durch die Taliban bei der Wahl am Samstag.

Bundeswehrsoldaten bei der Teilnahme an der Trauerfeier für ihre gefallenen Kameraden im Feldlager des deutschen ISAF-Wiederaufbauteams Kundus in Afghanistan. (AP)Gut 1300 Soldaten sind in Kundus, Afghanistan stationiert (AP)

Westerwelle für politische Lösung

Trotz der gegenwärtigen Sicherheitslage unterstrich Bundesaußenminister Guido Westerwelle im Deutschlandfunk, dass die Bundesregierung ihre Truppen 2014 abziehen werde, um die Sicherheitsverantwortung an Afghanistan zu übergeben. Ein glaubwürdiges Ergebnis der Wahl könne dazu einen Beitrag leisten, so der Minister weiter. Denn bei der afghanischen Präsidentschaftswahl im August diesen Jahres, zu deren Sieger Hamid Karzai ernannt wurde, kam es zu Unregelmäßigkeiten, die bis heute nicht gänzlich aufgeklärt wurden.

Gegenwärtig ist die Bundeswehr ist Afghanistan mit gut 4500 deutsche Soldaten stationiert und beteiligt sich an der internationalen Friedensmission ISAF. Der Abzug ist schrittweise geplant. Im Rahmen des Reformvorschlags von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist künftig ebenfalls eine Reduzierung der ausländischen Truppen vorgesehen.

Die nordafghanische Stadt Kundus, in der rund 1300 deutsche Soldaten stationiert sind, galt noch bei den letzten Parlamentswahlen vor fast fünf Jahren als einer der sichersten Orte in Afghanistan. Inzwischen werden bereits Wahllokale in den Außenbezirken von Taliban-Kämpfern kontrolliert, wie internationale Beobachter feststellen. Es wird im ganzen Land eine magere Wahlbeteiligung von 25 Prozent erwartet.

Die Bundesregierung werde den Wahlprozess unterstützen, soWesterwelle im Deutschlandfunk. Für einen dauerhaften Frieden am Hindukusch müsse es jedoch eine politische Lösung geben, sagte er weiter. Insbesondere müsse auch Pakistan als Nachbarstaat eingebunden werden.

Anhänger der Taliban in Mingora im Swat-Tal, Pakistan. (AP)Anhänger der Taliban halen sich vorrangig in Mingora im Swat-Tal, Pakistan. (AP)

Wichtige Rolle Pakistans im Friedensprozess

Pakistans Verhältnis zu Afghanistan hat sich in jüngster Vergangenheit stabilisiert. Das Land nahm an beiden Friedenskonferenzen zu Afghanistan in London und Kabul teil. Und erst kürzlich schlossen beide Länder das erste Handelsabkommen. Dennoch sorgen die zahlreichen Taliban-Kämpfer im Grenzgebiet zwischen beiden Ländern für Spannung in den Beziehungen der muslimischen Nachbarländer.


Programmhinweis:
Im Interview der Woche, Deutschlandfunk: General Egon Ramms, Kommandeur des NATO-Hauptquartiers für Auslandseinsätze zu den Parlamentswahlen in Afghanistan, Sonntag, 19.09.2010, 11:05 Uhr.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

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