Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ahmadinedschad hält Hassrede auf Israel

Eklat auf UN-Konferenz

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei seiner umstrittenen Rede. (AP)
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei seiner umstrittenen Rede. (AP)

Auf der Anti-Rassismus-Konferenz der Vereinten Nationen in Genf hat der iranische Präsident Ahmadinedschad für einen Eklat gesorgt: Er hatte in einer Rede die israelische Regierung als rassistisch bezeichnet. Mehrere Delegierte verließen daraufhin den Saal.

In seiner Rede, die von lautstarken Protesten begleitet wurde, sprach Ahmadinedschad von einer "völlig rassistischen Regierung" Israels, die die besetzten palästinensischen Gebiete beherrsche. Eine ganze Nation sei heimatlos geworden, meinte er unter Hinweis auf Palästina.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy sprach von einer Hassrede des iranischen Präsidenten. Zugleich rief er die EU zu einer entschlossenen Reaktion auf. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Rede. "Das ist das Gegenteil dessen, was diese Konferenz erreichen will."

Mit einem Appell zum weltweiten Kampf gegen Intoleranz hatte Ban Ki Moon die Anti-Rassismus-Konferenz der Vereinten Nationen in Genf eröffnet. Die Zeit sei reif, den Rassismus einschließlich Antisemitismus und Islamophobie auszumerzen, sagte Ban.

Zugleich drückte der UNO-Generalsekretär sein Bedauern über das Fernbleiben zahlreicher Staaten aus. Dabei gehe es um Länder, die eigentlich dazu verpflichtet seien, den Weg in eine bessere Zukunft mitzugestalten.

Neben Deutschland sagten auch die USA, Israel, Kanada, Australien, Polen, Italien und die Niederlande ihre Teilnahme ab, weil sie eine einseitige Verurteilung des Staates Israel im Nahost-Konflikt befürchteten.

Großbritannien und Frankreich entsandten dagegen Vertreter nach Genf. Der französische Außenminister Bernard Kouchner sagte dazu im Radiosender "France Inter", das geplante Abschlussdokument sei akzeptabel, und Israel werde nicht stigmatisiert. Allerdings werde Frankreich keinerlei Entgleisung in der Rede des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad dulden. In einem solchen Fall werde man die Konferenz sofort verlassen.

Die Bundesregierung schloss unterdessen eine Teilnahme an dem Treffen zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr aus. Bei einem positiven Verlauf der Beratungen sei eine Beteiligung an den Diskussionen über das Abschlussdokument denkbar, sagte Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin.

Leinen: "Wegbleiben nützt gar nichts"

Der SPD-Europa-Abgeordnete Jo Leinen kritisierte das Fernbleiben Deutschlands und anderer Staaten. Es wäre besser gewesen, dort seine Meinung zu vertreten, sagte Leinen im Deutschlandfunk. Die Abwesenheit sei ein falsches Signal und schwäche den Kampf der Vereinten Nationen gegen weltweiten Rassismus. Zudem werde Israel in dem Abschlussdokument gar nicht mehr erwähnt, meinte Leinen, der auch Mitglied im Menschenrechtsausschuss des Europäischen Parlaments ist.

Auch der CDU-Außenexperte Willy Wimmer kritisierte die Absage Deutschlands. Er verstehe Außenminister Steinmeier nicht. Man könne die Teilnahme nicht davon abhängig machen, ob ein Redner einem passe oder nicht, sagte Wimmer im Deutschlandfunk. Vielmehr müsse man unsinnige Äußerungen, die bei dem Treffen möglicherweise vorkämen, direkt an Ort und Stelle zurückweisen. Auch habe Steinmeier bis zuletzt den Eindruck einer einheitlichen europäischen Haltung zu der Konferenz aufrechterhalten, obwohl es diese Haltung schon seit Tagen nicht mehr gegeben habe. Dies sei kein Musterbeispiel einer klugen deutschen Außenpolitik, betonte Wimmer.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Landlust/Landfrust (1/2)Dorfleben im Wandel

Zwei ältere Dame tragen nach einem Einkauf ihre Lebensmittel nach Hause. (picture alliance/ dpa/ David Ebener)

Die Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Dorfidylle ist in der Gesellschaft groß. Mit der Realität hat diese Vorstellung des Landlebens oft wenig zu tun. Kerstin Faber hat sich intensiv mit ländlichen Regionen auseinandergesetzt. Ein Problem seien Dörfer mit großer Überalterung, sagte sie im DLF. "Da haben wir es mit einem Abbau der Daseinsvorsorge zu tun."

Berlinale 2017"Vollmundiger Jahrgang mit kratzigem Abgang"

Die Filmkritiker Peter Körte ("FAS") und Katja Nicodemus ("Zeit") nach ihrem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur auf der Berlinale 2017. (Deutschlandradio / Cornelia Sachse)

Das Gleichnis eines guten Weines fällt der Filmkritikerin Katja Nicodemus zum Wettbewerb des diesjährigen Berliner Filmfestivals ein. "Ich habe wenig gesehen, was mich umgehauen hätte", hält ihr Kollege Peter Körte dagegen.

Hanya Yanagihara: "Ein wenig Leben"Ein umwerfender und suspekter Roman

"Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara. Im Hintergrund: die Skyline von New York. (Hanser / picture-alliance / dpa)

Dieser Roman geht an Grenzen: Die amerikanische Schriftstellerin Hanya Yanagihara erzählt in "Ein wenig Leben" von exzessivem menschlichen Leid. Im Zentrum stehen vier Männer aus New York. Einer von ihnen, Jude, ist von einem düsteren Geheimnis umgeben, das seine Freunde, aber auch den Leser in Bann hält.

Deutscher KolonialismusUnheilvolle Kontinuitäten

A performance shows the treatment of Hereros in 1904 at a ceremony commemorating the killing of thousands of Hereros by German troops, at Okakarara, 250 km northwest of Windhoek, Namibia, Saturday, 14 August 2004. Germany on Saturday asked the Herero people of Namibia to forgive it for the massacres committed by its troops during a three year uprising 100 years ago. (picture alliance / dpa / WIEBKE GEBERT)

Prügel mit dem Tauende oder doch mit der Nilpferdpeitsche? Die Frage, wie die zwangsverpflichteten schwarzen Arbeiter in den deutschen Kolonien "zur Arbeit erzogen", "zivilisiert" werden sollen, diskutierten Politiker und Mediziner vor etwas mehr als hundert Jahren in aller Öffentlichkeit.

GewaltenteilungFinanz als vierte Gewalt?

Legislative, Exekutive, Judikative und Finanzwesen: So zählt der Kulturwissenschaftler und Philosoph Joseph Vogl die Gewaltenteilung auf. Das mit dem Finanzwesen kennen wir aber so nicht aus der Schule. Er sagt: Wer das Finanzwesen als vierte Macht im Staate nicht (an)erkennt, sitzt einer Legende auf.

Petras inszeniert O'NeillSippe mit unheilvoller Vergangenheit

Armin Petras, der Intendant des Schauspiels Stuttgart, steht am 02.06.2016 im Opernhaus in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Foyer an einer Treppe. (picture alliance / dpa / Bernd Weißbrod)

Eine Familie steuert in den Untergang: Überraschend fein und intim inszeniert Armin Petras "Eines langen Tages Reise in die Nacht" von Eugene O'Neill am Schauspiel Stuttgart. In der Rolle der schuldbeladenen Mutter glänzt - der Schauspieler Peter Kurth.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Diplomatie  US-Vizepräsident trifft in Brüssel EU- und Nato-Vertreter | mehr

Kulturnachrichten

Solidaritätsaktion: Berliner Autokorso für Deniz Yücel  | mehr

Wissensnachrichten

Trump-Rede  Schweden scherzen über angeblichen Anschlag | mehr