Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Aigner für schärfere Kontrollen bei Futtermittelherstellung

Konsequenzen aus Dioxin-Skandal

Eine Chemikerin entnimmt eine Futtermittelprobe eines zur Untersuchung eingesendeten Futtermittels. (Klaus-Dietmar Gabbert/dapd)
Eine Chemikerin entnimmt eine Futtermittelprobe eines zur Untersuchung eingesendeten Futtermittels. (Klaus-Dietmar Gabbert/dapd)

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat nach einem Treffen mit Spitzenvertretern der Futtermittelbranche und Verbraucherschützern Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal gefordert. Die Zulassungspflicht für Futtermittelbetriebe in Deutschland soll verschärft werden.

Außerdem soll die Verarbeitung von Fetten für Futtermittel und von Fetten für die industrielle Verarbeitung europaweit streng voneinander getrennt werden.Verstöße gegen das Futtermittelrecht sollen künftig strenger bestraft werden.

Suche nach Skandal-Ursache

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte zuvor einen Bericht der Organisation Foodwatch zurückgewiesen, demzufolge Rückstände von Pflanzenschutzmitteln für den Dioxin-Skandal verantwortlich sein sollen. Der Bericht wäre reine Spekulation, hieß es aus dem Bundesagrarministerium. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

Die Organisation Foodwatch hatte am Morgen vermeldet, dass Rückstände von Pflanzenschutzmitteln für den Skandal verantwortlich sein. Dies ergebe sich aus dem Muster einer Futterfett-Probe, die von einem Partnerunternehmen von Harles & Jentzsch stamme, teilte Foodwatch mit. Die Analyse weise Rückstände einer Verbindung auf, die beispielsweise als Pilzgift eingesetzt werde. In Deutschland darf diese Verbindung seit 1986 nicht mehr produziert und seit 1989 nicht mehr angewendet werden.

Wegen des Dioxin-Skandals seien immer noch 1700 landwirtschaftliche Betriebe von einer Sperrung betroffen, sagte Landeskorrespondentin Susanne Schrammar im Deutschlandfunk. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium habe aber weitere Handelsfreigaben am Nachmittag angekündigt. In Niedersachsen wurden inzwischen etwa 3000 der etwa 4700 wegen Dioxin-Verdachts gesperrten Höfe wieder freigegeben.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) beimSpitzengespräch mit Vertretern verschiedener Verbände der Futtermittelwirtschaft und der Landwirtschaft sowie Verbraucherschützern (AP)Bundesverbraucher-schutzministerin Ilse Aigner (CSU) (AP)

Aigner will klare Trennung von technischen Fetten und Futterfetten

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Spitzenvertreter der Futtermittelbranche, der Landwirtschaftsverbände und führende Verbraucherschützer treffen in Berlin zu Beratungen über die Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal zusammen.

Aigner appellierte im Vorfeld des Treffens an die Bundesländer, sämtliche Futterfetthersteller auf mögliche Dioxinbelastungen zu überprüfen. Die Bundeslandwirtschaftsministerin setzt auf europaweite Regelungen der Futtermittelkette. Technische Fette und Tierfutter sollen nicht mehr in den gleichen Betrieben verarbeitet werden.

Im Deutschlandfunk forderte Aigner ein hartes Durchgreifen der Justiz gegen kriminelle Futterproduzenten. Die CSU-Politikerin kündigte zudem an, Gesetzesverschärfungen zu prüfen. Aigner sagte, sie erwarte von der Futtermittelindustrie konkrete Vorschläge, um künftige Skandale dieser Art zu verhindern. Sie gehe davon aus, dass die Hersteller ihre Eigenkontrollen verstärken und sich diese auch zertifizieren lassen.

Der Futter- und Industriefettbetrieb Harles & Jentzsch hatte rund 3000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett in mehrere Bundesländer geliefert. Das Unternehmen soll bereits im März vergangenen Jahres gewusst haben, dass man die Grenzwerte überschreite. Nach eigenen Angaben verwendete Harles & Jentzsch eine nicht geeignete Milchfettsäure. Statt einer für die Futtermittelherstellung freigegebene, wurde eine für die technische Industrie nutzbare Fettsäure verwendet. In sogenannten Rückstellproben des Herstellers wurde eine bis zu 77-fache Überschreitung der Dioxin-Grenzwerte festgestellt.

Weitere Informationen:

Das niedersächsische Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz informiert über den aktuellen Sachstand zum Dioxin im Futterfett von Harles und Jentzsch

Aktuelle Hintergrundinformationen zu Dioxin und zur Lebens- und Futtermittelkontrolle in Deutschland auf der Website des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Regionale Lebensmittelproduktion als Ausweg aus dem Dioxinskandal

Was ist Dioxin?

Bauern leiden unter Dioxinskandal

Link bei dradio.de:
Grenzwerte, Betroffenheit und Eiertänze <br> Der Dioxin-Skandal und seine Ursachen (DLF)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:40 Uhr Hintergrund

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Weltzeit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 18:15 Uhr Redaktionskonferenz

Aus unseren drei Programmen

Trump vor der UNO"Eine Absage an eine geordnete Welt"

Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Der grüne Außenpolitiker Jürgen Trittin hat die Rede von US-Präsident Donald Trump vor den Vereinten Nationen kritisiert. Trump habe das System der UNO, welches auf Kooperation beruhe, nicht verstanden, sagte Trittin im Dlf. Trump scheine Konflikte eher militärisch als diplomatisch austragen zu wollen.

Fiktive Wahlkampfreden von LiteratenCem Özdemir, die Hells Angels und das E-Bike

Collage: Cem Özdemir auf dem Fahrrad. Im Hintergrund: Die Hells Angels Berlin während einer Demo-Ausfahrt. (dpa/picture-allaince/imago/snapshot)

"In unseren Herzen sind wir immer noch wild!" Für uns hält der Schriftsteller Ulrich Woelk eine fiktive Wahlkampfrede: Er lässt den grünen Vorsitzenden Cem Özdemir zu echten Motorrad-Rockern sprechen.

Von Riad nach GenfDie Schweiz als islamistische Drehscheibe

Eine Luftaufnahme der Genfer Moschee von Petit-Saconnex (dpa / KEYSTONE / Salvatore Di Nolfi)

Islamistische Terroristen gehen grenzüberschreitend vor. Aber auch Salafisten verbreiten ihr Gedankengut global. Wie das funktioniert, hat Saïda Keller-Messahli am Beispiel der Schweiz analysiert. Geboren in Tunesien, lebt sie in Zürich. Nun erschien ihr Buch: "Islamistische Drehscheibe Schweiz".

Rede vor der Generalversammlung"Trump hat gegen die Charta der UNO verstoßen"

Der Präsident der Europa-Universität Viadrina, Gunter Pleuger (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

Der ehemalige UNO-Diplomat Gunter Pleuger hat die Rede von US-Präsident Donald Trump vor den Vereinten Nationen kritisiert. Mit dessen Drohung, Nordkorea möglicherweise anzugreifen, verstoße er gegen die Charta der UNO, sagte er im Dlf. Präventive Selbstverteidigung sei nicht zulässig.

BBC-Vorwürfe gegen Behindertensportler"Achillesferse im paralympischen Sport"

Athletinnen mit Beinprothesen sind bereit für einen Sprintwettkampf. Sie stehen im Start.  (picture alliance / dpa / MAXPPP)

Die BBC-Radiosendung “File on 4“ macht Behindertensportlern schwerwiegende Vorwürfe: Sie sollen ihre Einschränkungen absichtlich verschlimmern, um ihre Medaillenchancen zu erhöhen. Für den Präsidenten des Deutschen Behindertensportverbands sind die Vorwürfe nicht neu.

Was brauchen die Menschen wirklich?Das sagt der Polizist

Polizist Kevin Komolka (Hagen Immel)

Mehr Respekt gegenüber seinem Beruf: Das wünscht sich der Polizist Kevin Komolka. In seinem Alltag erlebt er öfter körperliche Gewalt. Von der Politik fordert er, dass nicht nur mehr Polizisten eingestellt werden, sondern diese auch bundesweit gleichgestellt werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Razzia in Katalonien  Fast zehn Millionen Stimmzettel für Referendum beschlagnahmt | mehr

Kulturnachrichten

Gerritsen wird Leiterin des Filmfestivals "goEast" | mehr

 

| mehr