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Aigner: Futtermittel bewusst mit ungeeigneten Fetten vermischt

Firma soll technische Milchfettsäuren verwendet haben

Die Agrarminister der Länder wollen sich auf einer Sondersitzung mit dem Dioxin-Skandal befassen.  (picture alliance / ZB)
Die Agrarminister der Länder wollen sich auf einer Sondersitzung mit dem Dioxin-Skandal befassen. (picture alliance / ZB)

Nach den Durchsuchungen beim Hersteller Harles und Jentzsch im schleswig-holsteinischen Uetersen geht Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner davon aus, dass im Dioxin-Skandal bewusst ungeeignete Fette zu Futtermitteln gemischt wurden.

Das sei kein Kavaliersdelikt, erklärte die Ministerin. Es liege jetzt an der Staatsanwaltschaft aufzuklären, wie es zu der Kontaminierung gekommen sei. Die Äußerungen der Firma Harles und Jentzsch, wonach die technischen Fette durch ein Versehen zu den Fetten für Tierfutter gemischt worden sind, halte sie für nicht glaubwürdig.

Das Unternehmen soll technische Milchfettsäuren, die für die Papierherstellung bestimmt waren, für Futtermittel verwendet haben. Parallel wird gegen eine Firma im niedersächsischen Bösel ermittelt.

Das Landwirtschaftsministerium in Kiel verhängte unterdessen ein Schlachtverbot für Schweinemastbetriebe. Das Verbot gelte bis zum Abschluss der Laboruntersuchungen, teilte eine Sprecherin mit. An mehr als 50 Agrarbetriebe im Norden war dioxinbelastetes Futter geliefert worden.

Nach Informationen der Bundesregierung wurden bis zu 3000 Tonnen Tierfutterfett produziert, die mit Dioxin belastet sind (MP3-Audio). Es seien mindestens 25 Futtermittelhersteller in Deutschland beliefert worden.

Stempelnummern veröffentlicht

Eier liegen in Köln auf einem Wochenmarkt. (picture alliance / dpa)Die Stempelnummern sind auf die Eier aufgedruckt. (picture alliance / dpa)Nach Nordrhein-Westfalen veröffentlichte nun auch Niedersachsen die Stempelnummern von möglicherweise belasteten Eiern. In NRW handelt es sich um XL-Eier mit den Stempelnummern 2-DE-0513912 und 3-DE-0514411. Die Eier aus dem betroffenen Bestand in Niedersachsen sind mit dem Erzeugercode 2-DE-0355461 versehen.



Weitere Informationen zu den Stempelnummern:

Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Grüne: Höfe im Verdachtsfall schließen

Die Grünen verlangen, dass sich die Bundesländer in Zukunft besser abstimmen. Notwendig sei ein einheitliches Vorgehen mit dem Fokus auf dem Verbraucherschutz, sagte die Grünenpolitikerin Bärbel Höhn der "dpa". Sie kritisierte die Landesregierung in Niedersachsen, die Betriebe erst geschlossen habe, nachdem die Dioxinbelastung festgestellt worden sei. Laut Höhn sollten Höfe bereits im Verdachtsfall einer Vergiftung gesperrt werden.

Beratungen am Rande der "Grünen Woche"

Die Agrarminister der Länder wollen noch in diesem Monat über Konsequenzen aus dem Skandal um Dioxin in Tierfutter beraten. Das Treffen soll am Rande der weltgrößten Lebensmittelmesse, der "Grünen Woche" in Berlin stattfinden. Thüringens Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) mahnte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" härtere Strafen bei Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelrecht an.

Bisher drohen bis zu drei Jahre Freiheitsentzug oder eine Geldstrafe, wenn Lebens- oder Futtermittel mit gesundheitsschädlichen oder verbotenen Zusätzen versehen werden. Der Verbraucherausschuss des Bundestages wird sich am 12. Januar mit dem Skandal befassen.

Grünenpolitikerin Höfken kritisiert Agrarpolitik der Bundesregierung

Die stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), wirft der Bundesregierung vor, mit ihrer Agrarpolitik genau die Produktionsformen zu befördern, die zu dem neuen Dioxinskandal bei Futtermitteln geführt hätten.

Das Problem liege in der Struktur der "agroindustriellen Erzeugung", erklärte die Grünen-Politikerin. Die schwarz-gelbe Koalition setze auf eine weitere Entwicklung dieser Produktionsketten: "Da liegt schon ein politischer Wille dahinter."

Mehr in unserem Programm:

Bundesweit Bauernhöfe wegen Dioxin-Funden gesperrt - Regierung prüft, ob Regeln für Futtermittelerzeugung verschärft werden können

Mehr bei der ARD:

Dioxin in Eiern - Wie vertrauenswürdig ist das Frühstücksei?

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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