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Aktivisten: Syrische Armee startet Offensive in Aleppo

Heftige Kämpfe in Millionenstadt - Frankreich fordert Initiative des UN-Sicherheitsrates

Syrische Regierungstruppen haben eine Offensive gegen Teile der Handelsmetropole Aleppo gestartet (picture alliance / dpa / Str)
Syrische Regierungstruppen haben eine Offensive gegen Teile der Handelsmetropole Aleppo gestartet (picture alliance / dpa / Str)

In der syrischen Millionenstadt Aleppo liefern sich Rebellen und Truppen des Assad-Regimes offenbar heftige Straßenschlachten. Regierungstruppen haben eine Offensive gegen Teile der Handelsmetropole begonnen. Die Armee hat Tausende Soldaten und Panzer nach Aleppo gezogen.

In Syrien hat die Armee heute früh nach Angaben von Aktivisten mit der angekündigten Offensive in der Wirtschaftsmetropole Aleppo begonnen. Die in den vergangenen Tagen zusammengezogenen Truppen bewegten sich vor allem zum Viertel Salaheddin, in dem sich die meisten Aufständischen verschanzt hätten. Dort gebe es die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime im März 2011, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte ein London mit. Regierungssoldaten umzingelten das von Aufständischen gehaltene Viertel Salaheddin und attackierten es mit schwerer Artillerie, berichtete ein AFP-Reporter aus der Stadt. Zuvor war es der Armee nach schweren Gefechten gelungen, die Kontrolle über die Hauptstadt Damaskus zurückzugewinnen.

Frankreichs Präsident Hollande forderte ein rasches Eingreifen des UNO-Sicherheitsrats. Er rief Russland und China dazu auf, Sanktionen gegen das Assad-Regime zu ermöglichen. Ansonsten werde es neue Repressionen und Massaker geben. Hollande sagte, die einzige Lösung sei ein Rücktritt Assads und die Bildung einer Übergangsregierung.

Russland verteidigt Offensive

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat die Offensive syrischer Regierungstruppen gegen Aleppo verteidigt. "Wie kann man erwarten, dass in einer solchen Lage die Regierung einfach aufgibt und sagt: Das war's, ich hatte unrecht, los stürzt mich, Regimewechsel! Da ist doch unrealistisch", sagte Lawrow der Agentur Interfax zufolge. Bei einem Treffen mit seinem japanischen Amtskollegen Koichiro Gemba warf Lawrow dem Westen vor, den bewaffneten Widerstand gegen Syriens Präsidenten Baschar al-Assad anzuheizen. "Der Preis all dessen ist immer mehr Blut", sagte Lawrow.

Kurden wollen Autonomie in Nordsyrien

Der syrische Präsident Assad zieht derweil Truppen aus dem Kurdengebiet in die Kampfzonen ab. Mehrere Kurdengruppen wollen dies nach Informationen des Magazins "Focus" nutzen, um einen autonomen Staat im Grenzgebiet zur Türkei zu erreichen. Dabei gewinnt auch die kurdische PKK Einfluss, die im türkischen Kurdengebiet Autonomie anstrebt und von der Türkei als Terrororganisation bekämpft wird.

In Teilen Nordsyriens hat die PKK nach Angaben der syrischen Partei Kurdische Zukunftsbewegung bereits die Kontrolle übernommen. Der Politologe Siamend Hajo befürchtet daher Spannungen im syrisch-türkischen Grenzgebiet. Im Deutschlandradio Kultur sagte der Europasprecher der Kurdischen Zukunftsbewegung, die Türkei befürchte nun, dass die PKK in Nordsyrien Ausbildungslager schaffen und Leute für den Kampf in der Türkei rekrutieren könnte.

Warnung der Vereinten Nationen

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / EPA / Adi Weda)Bei den UN wächst die Sorge um eine Eskalation in Aleppo. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die syrische Führung dazu aufgerufen, die geplante Offensive gegen die Rebellen in der Wirtschaftsmetropole zu stoppen. Die Gewalt in der Stadt bereite ihm große Sorge, sagte Ban bei einem Treffen mit dem britischen Außenminister William Hague in London. Die Führung in Damaskus dürfe unter keinen Umständen Chemiewaffen einsetzen. Ban appellierte an beide Seiten, die Gewalt zu beenden.

"Mutter aller Schlachten"

Rauchwolken über der syrischen Hauptstadt Damaskus (picture alliance / dpa)Beobachter fürchten ein neues Massaker (picture alliance / dpa)Wie Aktivisten berichteten, hatten Truppen des Regimes bereits gestern mehrere Bezirke Aleppos mit Kampfhubschraubern unter Beschuss genommen. In einem Zeitungsbericht war die Rede von der "Mutter aller Schlachten". Angesichts des erwarteten Großangriffs der Armee fliehen Tausende Menschen aus der Stadt. Rund 4000 Rebellen sollen sich in Aleppo verschanzt haben.

Die Regierungsgegner hatten gestern nach eigenen Angaben rund 100 regimetreue Soldaten und Milizionäre in Aleppo gefangen genommen. In einem Video auf der Internet-Plattform Youtube sind in Zivil gekleidete Männer zu sehen, die sich offenbar in der Gewalt von Kämpfern der Freien Syrischen Armee befinden. Unabhängig überprüfen lässt sich das Video nicht.

Bischofskonferenz ruft zu Spenden auf

Die katholische Kirche hat zu Spenden für syrische Flüchtlinge aufgerufen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte in Bonn, immer mehr Menschen seien vor den Gefechten auf der Flucht und brauchten dringend Hilfe und Solidarität. Kirchliche Hilfswerke wie etwa Caritas und Misereor arbeiteten mit Partnerorganisationen in Syrien und den Nachbarländern zusammen. Die Anstrengungen müssten aber noch verstärkt werden, betonte Zollitsch.

Nach UN-Angaben sind bereits mehr als 120.000 Menschen vor den Kämpfen in Syrien in Nachbarstaaten geflohen.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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