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Albträume, Zittern, Herzrasen

Hunderte Soldaten-Rückkehrer sind traumatisiert

ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren  in der Nähe von Feisabad, in Nordafghanistan. (AP)
ISAF-Soldaten der Bundeswehr patrouillieren in der Nähe von Feisabad, in Nordafghanistan. (AP)

Traumatisierte Soldaten können künftig mit besserer Betreuung rechnen. Der Bundestag beschloss einstimmig einen fraktionsübergreifenden Antrag von Union, SPD, FDP und Grünen, wonach insbesondere die Behandlung von Armeeangehörigen mit einer sogenannten Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) verstärkt werden soll.

Allein in den Jahren 2006 bis 2008 wurden 477 Einsatzrückkehrer in den Bundeswehrkrankenhäusern aufgrund von Posttraumatische Belastungsstörungen behandelt, meldet der Sanitätsdienst der Bundeswehr auf seiner Internetseite.

Über 260 Soldaten mussten sich nach Angaben des Bundeswehr-Psychotherapeuten Karl-Heinz Biesold allein im vergangenen Jahr wegen posttraumatischer Störungen in Kliniken behandeln lassen. Die Zahl der Betroffenen steige, sagte Biesoldanlässlich der heutigen Bundestagsdebatte.

Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Reinhold Robbe (SPD) begrüßt den Antrag über weitere Hilfen für traumatisierte Rückkehrer, der heute der Regierung im Plenum vorgelegt wird, sagt aber kritisch: "Das Thema ist im Grunde nicht neu".

Im fraktionsübergreifenden Antrag werden als Ziele ausgegeben:

Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. eine zentrale Ansprechstelle innerhalb der Gesundheitsdienste der Bundes wehr zu Hilfsangeboten und Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene und deren Angehörige zu schaffen;
2. psychosoziale Beratungsangebote innerhalb der Bundeswehr einzurichten, die von PTBS-Betroffenen und ihren Angehörigen auch anonym und telefo nisch in Anspruch genommen werden können;
3. die vorhandenen und gegebenenfalls neuen Einrichtungen der Bundeswehr zu einem Kompetenz- und Forschungszentrum zur Behandlung von PTBS in der Bundeswehr zusammenzufassen;
4. die Zusammenarbeit und den Wissenstransfer von Bundeswehrkranken- häusern und zivilen Spezialkliniken und alliierten Sanitätsdiensten zu inten- sivieren;
5. den militärärztlichen Befragungs- und Beratungsbogen der Rückkehrer- begutachtung um ein Kapitel "Psychische Belastungen" zu erweitern;
6. in die Curricula der Lehrgänge für militärisches Führungspersonal das Thema "Psychotraumata" aufzunehmen;
7. die im Einsatz gewesenen Soldatinnen und Soldaten, auch nach deren Entlas- sung aus der Bundeswehr, bei Auftreten von Symptomen einer PTBS zu unterstützen;
8. eine Studie in Auftrag zu geben, mit der Erkenntnisse zur Dunkelziffer der von PTBS betroffenen Soldaten, die sich nicht zur medizinischen Betreuung melden, gewonnen werden können;
9. zu prüfen, ob angesichts vergangener und zukünftiger Einsätze der Bundes- wehr – auch unter Berücksichtigung steigender Fallzahlen – Versorgungs- defizite für Betroffene von PTBS und ihre Angehörigen bestehen und dem Deutschen Bundestag zeitnah ein dementsprechendes Maßnahmenkonzept für die Betreuung und Behandlung der Betroffenen vorzulegen.


Zu den Symptomen einer PTBS gehören laut Bundeswehr.de:

"Alpträume, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Zittern – die äußeren Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) sind vielfältig, ebenso seine Ursachen.

Posttraumatisch heißt in diesem Fall, dass die Krankheit erst Wochen, Monate oder sogar Jahre nach dem nicht verarbeiteten Schockerlebnis ausbrechen kann. Dadurch werden Behandlung und Heilung oft zu einem langen und schwierigen Prozess.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert das Syndrom "als eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde". Seit 1994 ist sie offiziell als Krankheit in die ICD (International Classification of Diseases) der WHO aufgenommen."


Britische Soldaten sichern die Anschlagstelle auf ein deutsches Militärfahrzeug in Kabul (AP)Britische Soldaten sichern die Anschlagstelle auf ein deutsches Militärfahrzeug in Kabul (AP)

Seelische Wunden, die nicht heilen wollen

Frank Dornself kommt aus Frankenberg in Nordhessen. Bei seinem dritten Auslandseinsatz überlebt der Oberfeldwebel nur knapp den Anschlag auf einen Bus der Bundeswehr in Kabul. An jenem 7. Juli 2003 sterben vier seiner Kameraden. Dornselfs physische Wunden sind seither verheilt, die der Seele bis heute nicht.





Im Internetportal "Angriff auf die Seele", das ebenfalls auf der entsprechenden Themenseite auf Bundeswehr.dezur weiteren Lektüre empfohlen wird, heißt es zu den Gesamtzahlen seit Beginn der Auslandseinsätze der Bundeswehr:

"Laut dem Bundesministerium der Verteidigung sind demnach im Jahr 2008 insgesamt 245 Soldaten wegen PTBS behandelt worden. Zu Beginn der Auslandseinsätze von 1996 bis 2000 waren es bei den Einsätzen KFOR/SFOR in den ersten 4 Jahren insgesamt 173 Soldaten. Demnach wurden in dem Zeitraum von 1996 bis 2008 insgesamt 892 Soldaten wegen PTBS in den Bundeswehrkrankenhäusern behandelt."

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Oberstleutnant Ulrich Kirsch, hatte anlässlich der Ausstrahlung des ARD-Films "Willkommen zu Hause" über einen traumatisierten Rückkehrer eine flächendeckende Betreuung von Soldaten, die aus dem Kriegseinsatz wieder nach Deutschland zurückkehren, gefordert.Etwa 1700 Soldatinnen und Soldaten hätten bislang ein traumatisches Erlebnis im Einsatz gehabt. Dieses unbequeme Thema sei bislang zu wenig in die Gesellschaft hineingetragen worden, kritisierte Kirsch.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:32 Uhr

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