Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Algerien rechnet mit noch mehr Toten

Zahl der Toten nach der Geiselnahme auf 80 gestiegen

Erdgasraffinerie in Algerien: Hier fand das Geiseldrama statt (picture alliance / dpa)
Erdgasraffinerie in Algerien: Hier fand das Geiseldrama statt (picture alliance / dpa)

Beim Geiseldrama in Algerien sind viel mehr Menschen gestorben als bislang bekannt. Die algerische Armee hat nach der Erstürmung der Industrieanlage von "In Amenas" das Gelände gesichert. Die Regierung rechnet mit weiteren Opfern.

Spezialeinheiten der algerischen Armee haben auf der Gas-Förderanlage in der Sahara 25 weitere Tote gefunden. Das berichtet der algerische Sender Ennahar unter Berufung auf Sicherheitskreise. Ob es sich bei den Opfern um Geiseln oder Terroristen handelt, ist nicht bekannt. Nach der Geiselnahme und der Erstürmung des Areals ist die Zahl der Toten damit auf 80 gestiegen. Kommunikationsminister Mohammed Said hatte sich zuvor besorgt gezeigt, dass die Zahl der Opfer weiter nach oben korrigiert werden müsse.

Das Geiseldrama war am Samstag mit der Erstürmung der Gasanlage "In Amenas" im Osten des Landes blutig zu Ende gegangen. Laut Angaben der algerischen Regierung wurden während der Geiselnahme mindestens 23 der Entführten und 32 Entführer getötet. Über die Nationalitäten wurde zunächst nichts mitgeteilt. 685 algerische Arbeiter und 107 ausländische Kräfte hätten befreit werden können. Fünf der Entführer sind möglicherweise lebendig gefangengenommen worden. Das berichteten Sicherheitskreise.

Sicherheitskräfte suchen Erdgasaffinerie auf Minen ab

Ein Schild mit der Aufschrift "In Amenas", der Erdgas-Anlage , auf der algerische Terroristen mehrere Hundert Geiseln genommen haben. (picture alliance / dpa / Statoil Handout)Ein Schild mit der Aufschrift "In Amenas", der Erdgas-Anlage , auf der algerische Terroristen mehrere Hundert Geiseln genommen haben. (picture alliance / dpa / Statoil Handout)Die Anlage "In Amenas" im Osten Algeriens war am vergangenen Mittwoch von schwer bewaffneten Islamisten besetzt worden. Am Donnerstag griff das Militär erstmals an. Beim Sturm am Samstag wurden nach einem Bericht der algerischen Nachrichtenagentur APS alle verbliebenen elf Terroristen getötet. Zuvor sollen die Islamisten sieben ausländische Geiseln umgebracht haben. Laut algerischem Radio hatten die Terroristen versucht, einen Teil der Anlage in Brand zu setzen. Die Geiselnehmer in Algerien hatten ein Ende des Militäreinsatzes im Nachbarland Mali gefordert.

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas haben Sicherheitskräfte das Gelände der Erdgasraffinerie auf Minen abgesucht. Die Extremisten könnten Explosivstoffe dort zurückgelassen haben, berichtete die algerische Nachrichtenagentur APS.

Die algerische Regierung hat ihr umstrittenes Vorgehen im Geiseldrama in der Wüste verteidigt: "Der Einsatz ist die Antwort auf eine Entscheidung der Terroristen gewesen, alle Geiseln zu töten und ein wahres Massaker anzurichten", zitierte die Tageszeitung «El-Khabar» einen Armeesprecher.

Frankreich verteidigt algerische Befreiungsaktion

Der französische Präsident François Hollande hält seine Neujahrsansprache im Élysée-Palast in Paris (picture alliance / dpa / Pool / Witt / Maxppp)Der französische Präsident François Hollande (picture alliance / dpa / Pool / Witt / Maxppp) Frankreichs Präsident François Hollande sieht sich durch das blutige Geiseldrama im Kampf gegen den Terrorismus bestärkt. Er verurteilte den Tod der Geiseln als feigen Mord. Es seien noch nicht alle Elemente bekannt, doch bei einem Geiseldrama mit so kaltblütigen Terroristen, die zum Töten bereit sind, habe ein Land wie Algerien keine andere Wahl gehabt, sagte Hollande nach dem blutigen Schlussangriff der algerischen Armee am Samstag. In seinen Augen habe Algerien die geeignetste Antwort auf das Geiseldrama gefunden, denn Verhandlungen mit den Geiselnehmern seien nicht möglich gewesen. Bereits am Freitag hatte der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault teils scharfe Kritik der Heimatländer der Geiseln an der algerischen Staatsführung zurückgewiesen.

Die Vereinigten Staaten verurteilten die Aktionen der Angreifer in der schärfsten Form. US-Präsident Barack Obama hat Algerien nach dem Ende des Geiseldramas Unterstützung zugesichert. Die USA seien bereit, jede denkbare Hilfe zu leisten, hieß es in einer Erklärung des Präsidialamtes. Schuld an der Tragödie hätten die Extremisten, die am Mittwoch die Gasförderanlage in dem nordafrikanischen Land gestürmt hatten. Obama erklärte, die Regierung in Washington werde weiter eng mit ihren Partnern zusammenarbeiten, um die "Geißel des Terrorismus" in der Region zu bekämpfen. Der Angriff auf das Gasfeld führe erneut die Bedrohung durch Al Kaida und andere gewalttätige Extremisten vor Augen.

Cameron: Mehrere Briten bei Geiselnahme in Algerien getötet

David Cameron (dpa / picture alliance / Julien Warnand)Der britische Premierminister David Cameron (dpa / picture alliance / Julien Warnand)Die Verantwortung für die Taten liege allein bei den Terroristen, sagte der britische Premierminister David Cameron. Mit Blick auf Kritik an dem Eingreifen des algerischen Militärs in dem Fall erklärte er: "Es ist sehr schwierig, auf solche Situationen zu reagieren und alles richtig zu machen." Bei dem Geiseldrama in Algerien sind mindestens drei Briten ums Leben gekommen.

Die Vorfälle seien eine «schreckliche Erinnerung» an die Bedrohung, die weltweit von Terroristen ausgehe, so Cameron weiter. Diese sei global, aber vor allem in Nordafrika gewachsen. Es müsse eine weltweit koordinierte Reaktion darauf geben.

In Mali setzte die dortige Armee mit französischer Unterstützung derweil den Kampf gegen islamistische Rebellen fort. Zwei deutsche Transall-Maschinen landeten am Samstagabend in der malischen Hauptstadt Bamako.

Mehr dazu auf dradio.de:

Bericht von Alexander Göbel im Deutschlandradio Kultur: Algerien beendet Geiselnahme blutig
Deutsch-Algerische Handelskammer: Firmen reagieren besonnen auf Geiselnahme - Interview mit Geschäftsführer Christoph Partsch
Algeriens Geschichte ist geprägt von Gewalt - Kommentar von Rudolph Chimelli
"Wir sind jetzt schon in einem Teufelskreis" - Interview mit der algerischen Journalistin Nacéra Rech
"Es ist kein Zufall, dass das in Algerien passiert" - Politikwissenschaftler Werner Ruf über die Hintergründe des Geiseldramas

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Kalenderblatt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Jens Spahn (CDU)"Rechtliche Hürden für Abschiebungen abbauen"

Jens Spahn, CDU-Präsidiumsmitglied (picture alliance / Rolf Vennenbernd / dpa)

Jeder, der nicht vor Krieg und Verfolgung flüchte, müsse wieder aus Deutschland ausreisen, sagte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn im Deutschlandfunk. Dafür müssten auch rechtliche Hürden für Abschiebungen abgebaut werden, wie sie etwa durch ärztliche Atteste entstünden.

Big Data und PsychometrieInternetdaten als Wahlkampfhelfer?

Donald Trump während seiner Rede in New York nach seinem Wahlsieg bei der US-Präsidentschaftswahl (AFP/ Mandel Ngan)

Hat Donald Trump den US-Wahlkampf aufgrund der gezielten Auswertung von Internet-Profilen gewonnen? Ein Artikel aus dem Magazin des Schweizer Tagesanzeigers legt genau das nahe. Für den Netzaktivisten Markus Beckedahl greift die Erklärung allerdings zu kurz.

SCHNELLER AN DER KASSESpeed-Shopping

Immer erwischt ihr die langsamste Schlange im Supermarkt? Wir haben uns schlau gemacht, wie es wirklich schneller an der Kasse geht.

Entschädigungs-Urteil für AtomkonzerneTrittin: "Krachende Niederlage" für Ausstiegsgegner

Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Entschädigungen für Energiekonzerne grundsätzlich begrüßt. Die Entscheidung sei eine "krachende Niederlage" für diejenigen, die versucht hätten, den Atomausstieg für verfassungswidrig zu erklären, sagte Trittin im DLF.

FrauenrechteEine freie Frau treibt nicht ab

Frauen demonstrieren für das Recht auf Abtreibung in Warschau. (imago/Pacific Press Agency)

Tausende von Frauen gehen für ihre Selbstbestimmung, etwa in Polen, auf die Straße. Radikale Konservative fürchteten, dass sie ohne staatliche oder kirchliche Kontrolle ihre Babys töten würden, sagt Gesine Palmer. Dabei würden wirklich freie Frauen anders entscheiden.

Mordfall Freiburg"Man darf nicht den Umkehrschluss ziehen, dass alle so drauf sind"

Freiburgs Oberbürgermeister Salomon (Bündnis 90/Die Grünen) (Imago / Winfried Rothermel)

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon hat nach dem Mord an einer Studentin in seiner Stadt vor Pauschalurteilen gewarnt. Tatverdächtig ist ein junger Mann aus Afghanistan. Man dürfe Probleme nicht verschweigen, etwa beim Frauenbild von Flüchtlingen. Aber die Reaktionen in sozialen Netzwerken seien "ekelerregend", sagte Salomon im DLF.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

OSZE-Ministerrat  Steinmeier fordert Lawrow zu konstruktiver Mitwirkung auf | mehr

Kulturnachrichten

Jürgen Todenhöfer wird Herausgeber beim "Freitag"  | mehr

Wissensnachrichten

Ernährung  Männer essen in Gesellschaft mehr | mehr