Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Alice Munro bekommt den Literaturnobelpreis

Jury zeichnet Autorin aus Kanada aus

Bücher von Alice Munro stehen am Stand des Fischer-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Bücher von Alice Munro stehen am Stand des Fischer-Verlages auf der Frankfurter Buchmesse. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die kanadische Autorin Alice Munro. Das gab die Schwedische Akademie in Stockholm bekannt. Sie würdigte Munro als "Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte".

<p>Die 1931 geborene Munro gilt als bedeutendste Kurzgeschichtenautorin Kanadas. In ihren Short Stories beschreibt sie das Kleinstadtmilieu von Südwest-Ontario. Im Mittelpunkt stehen innerfamiliäre und zwischengeschlechtliche Konflikte - zwischen Eltern und Kindern, Eheleuten, Liebespaaren, Geschwistern und Freundinnen. <br /><br />1968 veröffentliche Munro ihre erste Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel "Dance of the Happy Shades" ("Tanz der seligen Geister"). Bis heute folgten viele weitere Bände mit Short Stories, darunter "Himmel und Hölle", <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="215675" text="&quot;Was ich dir schon immer sagen wollte&quot;" alternative_text="&quot;Was ich dir schon immer sagen wollte&quot;" />, "Runaway" und "Zu viel Glück". 2009 erhielt Munro den renommierten Man Booker International Prize. Darüber hinaus wurde sie mit dem Giller Prize ausgezeichnet, dem wichtigsten Literaturpreis Kanadas.<br /><br /></p><p><strong>"Existenzielle Fragen wie in einem Blitzlicht"</strong></p><p>Die Nobelpreis-Jury würdigte sie nun als "Meisterin der zeitgenössischen Kurzgeschichte". "Ihre Geschichten enthalten alltägliche, aber entscheidende Ereignisse, (...) die existenzielle Fragen wie in einem Blitzlicht aufscheinen lassen", heißt es auf der Webseite des Nobelpreis-Komitees.<br /><br />Der Literaturnobelpreis ist mit acht Millionen Kronen dotiert, umgerechnet 920.000 Euro. Im vergangenen Jahr <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="224082" text="erhielt der chinesische Autor Mo Yan die Auszeichnung" alternative_text="erhielt der chinesische Autor Mo Yan die Auszeichnung" />. Die letzten deutschsprachigen Preisträger waren Herta Müller (2009), Elfriede Jelinek (2004) und Günter Grass (1999).<br /><br /><div><img src="http://www.dradio.de/images/100547/landscape/" width="480" alt="Alice Munro" border="0" /><span style="font-size: 0.8em" class="Alice Munro"> Alice Munro (Bild: dpa)</span></div><br /><br />Munro sei die "Grand Old Lady der kanadischen Literatur und wird auch in England und den USA kultisch verehrt", <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/10/drk_20131010_1325_80b3f972.mp3" title="Gespräch mit als MP3-Audio">sagte die Literaturkritikerin Sigrid Löffler</a> im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Sie hob hervor, dass diesmal nicht ein Romanschriftsteller, sondern eine Autorin von Kurzgeschichten mit dem Nobelpreis geehrt werde. <br /><br /></p><p><strong>Beherzt, nüchtern, niemals gefühlig</strong></p><p>Alice Munros Meisterschaft bestehe darin, dass sie auf knappstem Raum ihre scheinbar alltäglichen Themen wie etwa eheliche Konflikte zu glasklaren Analysen verdichte und dabei "niemals gefühlig" werde. Die Sprache ihrer Texte sei von "beherzter Nüchternheit" geprägt.<br /><br />Kanadas Premierminister Stephen Harper gratulierte Munro in einer Twitter-Botschaft:<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" data-partner="tweetdeck"><p>On behalf of all Canadians, congratulations to Alice Munro, "master of the contemporary story,” for her Nobel Prize in Literature. <a href="https:twitter.com/search?q=%23canlit&src=hash">#canlit</a></p>— Stephen Harper (@pmharper) <a href="https:twitter.com/pmharper/statuses/388277503963701248">October 10, 2013</a></blockquote><br /><script async src="platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br /><br />Munros deutscher Verlag S. Fischer reagierte mit großer Freude auf die Nachricht aus Stockholm. "Man bereitet sich immer wieder ein bisschen darauf vor und denkt, dieses Jahr wird es klappen. Dann hört man irgendwann auf zu hoffen, und dann klappt's", sagte der Programmchef für Internationale Literatur, Hans-Jürgen Balmes, auf der Frankfurter Buchmesse.<br /><br />Ihre Erzählungen bezeichnete er als "Kammerspiele des Gefühls". "Geschichten, die immer in kleinen Räumen spielen, bekommen eine unheimliche Dimension." Damit habe Munro Millionen Menschen in der Welt beglückt.<br /><br />Der <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264644" text="Chemienobelpreis" alternative_text="Chemienobelpreis" /> geht in diesem Jahr an Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel für ihren Beitrag zu Computersimulationen in der Chemie. Mit dem <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264525" text="Nobelpreis für Physik" alternative_text="Nobelpreis für Physik" /> werden die Forscher Peter Higgs und François Englert für ihre Theorie über das heute sogenannte Higgs-Teilchen ausgezeichnet. Den <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="264381" text="Medizinnobelpreis" alternative_text="Medizinnobelpreis" /> bekommen James Rothman, Randy Schekman und der aus Deutschland stammende Thomas Südhof für ihre Arbeiten über die Transportsysteme innerhalb von Zellen. <br /><br />Am Freitag wird bekannt gegeben, wer 2013 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird.<br /><br /><strong>Mehr zum Thema auf dradio.de:</strong><br /><br /><a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/10/dlf_20131010_1838_f61731dc.mp3" title="Titel der Audiodatei (MP3-Audio)">Nobelpreis Literatur 2013 für Alice Munro</a> <br>Ein Beitrag von Tim Krohn</p>


Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 21.10.2013 11:35 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Zum Tod von Philip Roth"Ein wirklich großer amerikanischer Autor"

Philip Roth, hier eine Aufnahme von 2006, starb im Alter von 85 Jahren.  (imago/ZUMA Press)

Unlaublich viel Wut, Sex und komische Familienszenen: Die Romane des verstorbenen US-Autors Philip Roth seien hohe Literatur mit großem Unterhaltungswert gewesen, sagt unser Literaturkritiker Kolja Mensing.

Facebook-Chef vor EU-Parlament"Zuckerberg hat im Grunde genommen keine Frage beantwortet"

Der Grünen-Europapolitiker Jan Philipp Albrecht auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster (imago / Sven Simon)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe es bei der Befragung durchs EU-Parlament verpasst, Vertrauen der europäischen Bürger zurückzugewinnen, meint der grüne EU-Abgeordnete Jan-Philipp Albrecht - ein wichtiger Beleg dafür, dass die EU stärker auf Regulierung setzen sollte, sagte er im Dlf.

Zum Tag des GrundgesetzesWir brauchen eine neue Aufklärung!

Optische Täuschung: Zwei Hände halten jeweils einen Engel und einen Teufel, die mit Kreide auf eine Tafel gezeichnet sind. (imago/Photocase)

Der 23. Mai ist der Tag des Grundgesetzes. Ein guter Anlass, über demokratische Errungenschaften nachzudenken. Der Philosoph und Publizist Christian Schüle nimmt die politische Großwetterlage in Augenschein.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA vs. Nordkorea  Trump sagt Gipfel ab | mehr

Kulturnachrichten

Sprachassistent: Briten können mit Alexa beten | mehr

 

| mehr