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Alternative zur Babyklappe

Bundestag beschließt vertrauliche Geburt

Vertrauliche Geburt soll Leben von Kindern retten (AP)
Vertrauliche Geburt soll Leben von Kindern retten (AP)

Schwangere in Notlagen sollen eine Alternative zur Babyklappe bekommen: die vertrauliche Geburt. Das hat heute der Bundestag beschlossen. Das Gesetz will einen Interessenausgleich zwischen dem Wunsch der Mutter auf Anonymität und dem Recht des Kindes auf Auskunft über seine Herkunft schaffen.

Schätzungsweise werden jedes Jahr in Deutschland etwa 100 Kinder in Babyklappen abgelegt oder anonym an eine Vertrauensperson übergeben. Hinzu kommen 20 bis 35 Fälle, in denen Babys direkt nach der Geburt ausgesetzt oder getötet werden. Damit diese Fälle in Zukunft weniger werden, hat der Bundestag nun die sogenannte vertrauliche Geburt beschlossen. Das bedeutet, Schwangere sollen ein Recht darauf bekommen, ihr Kind in einem Krankenhaus gebären zu können, ohne dass ihre Daten weitergegeben werden. Die Personendaten der Mutter werden zwar aufgenommen, sollen aber mindestens bis zum 16. Geburtstag des Kindes beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben unter Verschluss bleiben.

Eine Krankenschwester vom St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam vor einer Babyklappe (Archivbild von 2003) (picture alliance / dpa - Nestor Bachmann)Bleiben umstritten: Babyklappen (picture alliance / dpa - Nestor Bachmann)

Recht auf eigene Identität

Nach dem 16. Geburtstag hat das Kind ein Recht darauf, die Identität seiner Mutter zu erfahren. Allerdings kann die Mutter dem widersprechen. In diesem Fall muss dann ein Familiengericht entscheiden, ob das Kind Einsicht in die Akten bekommt, oder ob die Mutter weiter anonym bleiben darf. Wird ein Kind in einer Babyklappe abgelegt, besteht dagegen in der Regel keine Chance, die Identität der Mutter herauszubekommen.

Das Recht des Kindes auf Gewissheit über seine Herkunft war vor allem Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wichtig. Sie wertete den Bundestagsbeschluss jetzt als "Zeichen der Geschlossenheit für die Schutzbedürftigen in unserem Land". Die Grünen kritisierten dagegen die Entscheidung. Die familienpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Katja Dörner, sagte: "Dass letztlich die Entscheidung über die Aufgabe der Anonymität beim Familiengericht und nicht bei der Mutter liegt, ist ein entscheidender Webfehler im Gesetzentwurf." Damit schwebe weiterhin das "Damoklesschwert" einer gerichtlichen Entscheidung über der Mutter. Die Grünen bezweifeln daher, dass viele Frauen in einer Notlage auf das Angebot zurückkommen werden. Trotz der Bedenken der Grünen hat der Bundesrat bereits signalisiert, dem Gesetzentwurf zuzustimmen.

Gesetzeslage bisher unklar

Die Babyklappen sollen durch das neue Gesetz nicht abgeschafft werden, auch wenn sich der Deutsche Ethikrat bereits im Jahr 2009 dafür ausgesprochen hatte. Die Koalition hofft jedoch, dass künftig mehr Frauen die vertrauliche Geburt anstelle der Babyklappen nutzen werden. Das Angebot einer vertraulichen Geburt gibt es in einigen Kliniken auch heute schon. Allerdings gab es dafür bisher keine eindeutige Rechtsgrundlage.

Mehr Informationen auf dradio.de:
Einsilbigkeit bei Babyklappe und anonymer Geburt
Kommentar von Christiane Wirtz

"Das Retten von Leben ist unser oberstes Gebot"
Familienausschussvorsitzende Sibylle Laurischk kritisiert Babyklappen

"Mit der Babyklappe für das Kind einen sicheren Raum schaffen"
Berliner Kinderklinik-Chefarzt Rainer Rossi über Babyklappen und anonyme Geburten

Fenster ins Leben oder Identitätsraub - Polen lehnt geplantes Babyklappen-Verbot der UNO ab

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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