Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Altmaier tritt Röttgens Nachfolge an

Neuer Umweltminister soll Energiewende umsetzen

Baum als Fahrradständer: Peter Altmaier ist neuer Bundesumweltminister (dpa / Maurizio Gambarini)
Baum als Fahrradständer: Peter Altmaier ist neuer Bundesumweltminister (dpa / Maurizio Gambarini)

Peter Altmaier steigt um aufs Rad. Er ist neuer Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und löst damit Norbert Röttgen ab. Ihn hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel entlassen. Merkels Vertraute warnen Röttgen nun vor einer "Abrechnung" deswegen.

Peter Altmaier (CDU) ist neuer Bundesumweltminister. Er erhielt von Bundespräsident Joachim Gauck die offizielle Ernennungsurkunde im Schloss Bellevue. Gauck dankte Vorgänger Norbert Röttgen, der die Energiewende "leidenschaftlich vorangetrieben" habe. An diese Vorarbeiten könne Altmaier anknüpfen. Bei dem drängenden Thema Energiewende rief Gauck zum gemeinsamen Handeln auf. "Das Wort vom Bohren dicker Bretter traf selten so deutlich zu wie in diesem Zusammenhang", sagte Gauck.

Umweltpolitisches Neuland

Einst Merkels engster Vertrauter: Norbert Röttgen gibt sein Amt als Bundesumweltminister an Peter Altmaier ab (dpa / Michael Kappeler)Einst Merkels engster Vertrauter: Norbert Röttgen gibt sein Amt als Bundesumweltminister an Peter Altmaier ab (dpa / Michael Kappeler)Photovoltaik, Geothermie, Off-Shore-Wind: Mit diesen Begriffen muss sich Altmaier künftig in der Tiefe auskennen, soll der neue Bundesumweltminister doch Schwung in die bislang holprige Energiewende bringen. In der Biografie des 53 Jahre alten Juristen findet sich mit Mühe lediglich ein Hinweis auf Affinität für das Ressort: Sein Vater war Bergmann. Doch Steinkohle gehört der Vergangenheit an. Die Zukunft heißt saubere Energie, so will es die Kanzlerin. Für Grünen-Chefin Claudia Roth ist Altmaier der falsche Mann. Er sei weder ein "leidenschaftlicher Kämpfer für umweltpolitische Fragen" noch Experte für die Energiewende. "Da muss jemand ran, der wirklich Ahnung hat vom Geschäft."

Viel Zeit für die Einarbeitung bleibt Altmaier angesichts der vielen Baustellen kaum. Als erstes muss er den Streit mit den Ländern um die im Bundesrat abgelehnte Kürzung der Solarförderung klären. Morgen bereits kommen die 16 Ministerpräsidenten ins Kanzleramt. Auch der geplante Neustart für eine bundesweite Suche nach einem Atommüll-Endlager steht auf der Agenda ganz oben. Auch Niedersachsen fordert einen Plan des neuen Chefs für das marode Atomlager Asse mit 126.000 radioaktiven Atommüll-Fässern.

Saarländer folgt Rheinländer

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Atomlager Gorleben (picture alliance / dpa / Fabian Bimmer)Der entlassene Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) im Atomlager Gorleben (picture alliance / dpa / Fabian Bimmer)Altmaier kommt unter widrigen Umständen in das Amt. Der Saarländer tritt in die Fußstapfen des geschassten Rheinländers Röttgen, und zwar nicht das erste Mal: Erst das Amt des parlamentarischen Geschäftsführers der Unionsbundestagsfraktion, nun das Ministeramt. In beiden Aufgaben sind momentan herausragende Fähigkeiten eines Netzwerkers gefragt. Hier traut Merkel offenbar Altmaier mehr zu als Röttgen.

"Es ist offensichtlich, dass die Umsetzung der Energiewende noch große Anstrengungen erfordert", sagte Merkel, als sie Röttgen entgegen ihrer Beteuerungen vergangene Woche entließ - nicht explizit wegen des Wahldebakels des CDU-Spitzenkandidaten in Nordrhein-Westfalen, sondern wegen der Energiewende. Hier will Merkel einen "personellen Neuanfang". Altmaier ist langjähriger Vertrauter Merkels und galt bislang als ihr Sprachrohr. Er sitzt seit 1994 im Bundestag und galt neben Röttgen einst als einer der "jungen Wilden" in der CDU.

Röttgens Reibereien

Der für die Energiewende ebenso zuständige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, FDP-Chef und Vizekanzler, ist nach Reibereien mit Röttgen zuversichtlich, dass der Neustart mit Altmaier gelinge. In der Diskussion um die Energiewende seien viele Dinge "in der Diskussion zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium hängengeblieben", sagte Rösler im ARD-Morgenmagazin. "Jetzt können wir gemeinsam nach vorne blicken und mit der Bundesregierung die große Energiewende gemeinsam umsetzen."

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat nach der Entlassung Röttgens von einer öffentlichen Abrechnung abgeraten. Es gehöre auch zum fairen Umfang miteinander, dass unter vier Augen Besprochenes "nicht öffentlich nachbereitet wird, sondern man gemeinsam nach vorne schaut", sagte Gröhe im Deutschlandfunk. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe zu den Gründen für die Entlassung "das Entscheidende gesagt".

Mit Energie in die Bundestagswahl

Strommast bei Dortmund, die Eckdaten des Geschäftsberichts von RWE Essen (AP)Eneuerbare Energien für den Bundestagswahlkampf (AP)Das Projekt Energiewende gilt in Berlin als eines der Schlüsselthemen für die Bundestagswahl im Herbst 2013. Das weiß auch Altmaier. Die Energiewende sei eine "gesamtgesellschaftliche Herausforderung", von der viel abhänge, sagte er. Die Energiewende sei "das herausragende innenpolitische Projekt dieser Legislaturperiode", sagte Gröhe.

Die Energiewirtschaft fordert von der Bundesregierung ein klareres Konzept zur Umsetzung der Energiewende. "Die Summe der Einzelteile ergibt kein Ganzes", schrieb die Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Wir brauchen einheitliche Planungsleitlinien für Bund und Länder und gemeinsame verbindliche Zielvorstellungen, die sich auch realisieren lassen."

Programmhinweis: In den "Informationen am Morgen" des Deutschlandfunks können Sie am Mittwoch um 7:15 Uhr ein Interview mit dem neuen Umweltminister hören.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 01:10 Uhr Hintergrund

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Jesidin in Deutschland"Es ist Angst, Angst, Angst"

Teilnehmer des Kulturtages der Jesiden sitzen am 20.08.2016 in einem traditionellen Zelt in Celle (Niedersachsen). Die gr (dpa)

Die Jesidin Irina Badavi erlebte ihre Ehe als Leidensweg. Ihr Mann vergewaltigte und verprügelte sie, Solidarität von anderen Familienmitgliedern blieb aus. Badavi macht die Religion mitverantwortlich für die Gewalt. Seit sie ihre Erfahrungen öffentlich gemacht hat, gilt sie als Verräterin.

Die Rhetorik des Joachim GauckBetroffenheit durch Kunstpause

Gauck mit ernstem Blick vor einem Weihnachtsbaum und einer Bundesfahne. (Markus Schreiber / dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck geht - und mit ihm ein ganz spezieller Redestil: pastoral, menschelnd, bedeutungsschwanger. Wie macht er das? Wir haben den Kulturwissenschaftler Gernot Wolfram nach den rhetorischen Kniffen des Präsidenten gefragt.

"Der Geschmack von Laub und Erde"Das Leben aus der Perspektive eines Tieres

Ein Dachs im Tierpark Eeckholt in der Nähe des schleswig-holsteinischen Großenaspe. (picture alliance / dpa / Carsten Rehder)

Skurrile Zivilisationsflucht: Tierarzt Charles Foster lebt versuchsweise wie ein Tier im Wald. Das gestattet ihm einen neuen Blick aufs eigene Menschsein. Seinen augenzwinkernden Bericht lesen auch Zivilisationsfreunde mit Gewinn.

WikileaksObama begnadigt Whistleblowerin Manning

ARCHIV - HANDOUT - Die ehemalige Wikileaks-Informantin Chelsea Manning (undatierte Aufnahme) mit Perücke. Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat die 35-jährige Haftstrafe für die Whistleblowerin Manning verkürzt. Die ehemalige Wikileaks-Informantin solle das Gefängnis am 17. Mai 2017 verlassen dürfen, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. (U.S. Army / dpa - Bildfunk+++)

Nur wenige Tage vor seinem Ausscheiden als US-Präsident hat Barack Obama die Haftstrafe für die Whistleblowerin Chelsea Manning deutlich verkürzt. Sie soll schon im Mai freikommen. Manning hatte vertrauliche Dokumente des US-Militärs an Wikileaks weitergeleitet.

Politische MoralIst Solidarität aus der Mode gekommen?

Königsallee in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Foto: Martin Gerten)

Mehr Solidarität wagen! Dafür plädiert die Soziologin Sabine Hark. Sie sagt: Wir brauchen eine Sprache der universellen, politischen Moral - in Zeiten globaler Ungleichheiten mehr denn je.

125. Geburtstag Oliver HardyEin Schwergewicht der Komik

18. Januar 1951: Die legendären Komiker Stan Laurel (l) und Oliver Hardy (r) mit einer Geburtstagstorte im Billancourt Studio in Paris. (picture alliance / dpa / keystone)

Oliver Hardy, das war der Dick im legendären Duo "Stan und Ollie", in Deutschland vor allem bekannt als "Dick und Doof". Seine Lebensrolle als großspuriger Möchtegern-Mann-von-Welt, dem bei besten Absichten immer alles misslingt, spielt er fast 30 Jahre.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Obama will sich bei Angriff auf demokratische Werte einschalten | mehr

Kulturnachrichten

Krim-Museen legen im Streit um Goldschatz Berufung ein  | mehr

Wissensnachrichten

Hamster  Mütter fressen auf Mais-Diät ihre Kinder | mehr