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Amano: Reaktorkrise kann noch Monate dauern

Meerwasser-Verstrahlung erreicht neuen Höchststand

Beschädigter Reaktor in Fukushima (picture alliance / dpa)
Beschädigter Reaktor in Fukushima (picture alliance / dpa)

Der Chef der Internationalen Atomenergie-Behörde Yukija Amano sieht Japan noch weit von einem Ende der Krise um die havarierten Nuklearreaktoren entfernt. Unterdessen übersteigt die radioaktive Belastung des angrenzenden Meerwassers den zulässigen Grenzwert um das 1850-fache.

Gestern war noch eine um das 1250-fache erhöhte Konzentration von radioaktivem Jod 131 im Meer vor Fukushima gemessen worden. Nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde Yukija Amano ist die Gefahr noch lange nicht gebannt. Der "New York Times" sagte er, die Krise könne noch Wochen oder Monate dauern. Er fügte hinzu, es sei immer noch unklar, ob die Reaktorkerne und die abgearbeiteten Brennstäbe mit Wasser bedeckt seien und ausreichend gekühlt werden könnten.

Verstrahltes Wasser soll abgepumpt werden

Unterdessen versuchen Einsatzkräfte, radioaktiv verseuchtes Wasser aus der Atomanlage in Fukushima abzupumpen. Erst dann kann weiter an der Verkabelung der regulären Kühlsysteme gearbeitet werden. Der Kraftwerksbetreiber Tepco wolle damit zunächst in den Reaktoren 1 und 2 fortfahren, berichtet der japanische Fernsehsenders NHK. Die Flüssigkeit hatte zuletzt die Reparaturarbeiten behindert und bei mehreren Arbeitern zu Verstrahlungen geführt. Das kontaminierte Wasser hatte sich in den Turbinengebäuden gesammelt und steht nach Informationen der Nachrichtenagentur Kyodo zwischen vierzig Zentimeter und einem Meter fünfzig hoch. Unklar ist bislang, wie die verstrahlte Flüssigkeit entsorgt werden soll.

In Fukushima wird ein Arbeiter auf dem Weg zu einem speziellen Dekontaminationswagen abgeschirmt. (picture alliance / dpa)Ein Arbeiter auf dem Weg zur Dekontamination. (picture alliance / dpa)

17 Arbeiter seit Katastrophenbeginn verstrahlt

Laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo, sind bei dem Reaktorunglück inzwischen 17 Arbeiter verstrahlt worden (MP3-Audio). Die Zahl bezieht sich auf diejenigen Unfälle, bei denen eine Radioaktivität von mehr als 100 Millisievert gemessen wurde. Dies entspricht der maximalen Belastung für AKW-Arbeiter über ein ganzes Jahr hinweg. Das japanische Arbeitsministerium hat den Grenzwert für Arbeiter in Fukushima inzwischen auf 250 Millisievert heraufgesetzt.

Kühlung mit Süß- statt mit Meerwasser

Die Unglücksreaktoren 1 und 3 sollen fortan mit Süßwasser gekühlt werden (MP3-Audio), um Salzablagerungen an den Reaktorkernen zu vermeiden. Allerdings müssten die Meiler wegen der hohen Strahlenbelastung aus größerer Entfernung als bisher mit Wasser besprüht werden, berichtete der Fernsehsender NHK. Mehrere Experten hatten sich zuvor besorgt über eine durch Meerwasser verursachte Verkrustung der Brennstäbe mit Salz geäußert.

Kernhülle von Reaktor 3 möglicherweise beschädigt

Besonders kritisch war die Lage bis zuletzt am dritten Reaktorblock. Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco ist der Druckbehälter, der die Brennelemente umschließt, möglicherweise beschädigt. In Block 3 befinden sich besonders gefährliche Mischbrennstäbe mit hochgiftigem Plutonium.

UNO-Generalsekretär fordert Überprüfung von Sicherheitsstandards

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte, den Störfall in die höchste internationale Alarm-Kategorie 7 einzustufen. Die japanischen Behörden bewerten ihn derzeit mit Stufe 5. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach sich indes für eine Überarbeitung der international geltenden Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke aus. Alle Staaten seien aufgerufen, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um die Gesundheit ihrer Bevölkerung zu schützen.

Der Kühlturm von Isar 1 und 2 (picture alliance / dpa)EU will Kernkraftwerke auf den Prüfstand stellen (picture alliance / dpa)

EU beschließt Stresstest für Kernkraftwerke

Als Reaktion auf die Atom-Katastrophe in Japan will die EU alle 143 Atomkraftwerke auf ihrem Gebiet einem einheitlichen Stresstest unterziehen. Das beschlossen die Staats- und Regierungschefs auf ihrem letzten Gipfel in Brüssel. Laut Abschlusserklärung sind die Tests für die zweite Hälfte dieses Jahres vorgesehen.




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Was ist eigentlich - ein Sievert? - <br> Radioaktivität und die Wirkung auf den Organismus

Wie funktionieren Notstromaggregate im Kernkraftwerk? - <br> Fakten zur Stromquelle für Atomkraftwerkkühlung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

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