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Amazon kündigt umstrittenem Sicherheitsdienst

Versandhändler reagiert auf Schikanevorwürfe

Packerin beim Internet-Versandhändler Amazon in Pforzheim (picture alliance / dpa)
Packerin beim Internet-Versandhändler Amazon in Pforzheim (picture alliance / dpa)

Nach Kritik an unwürdigen Arbeitsbedingungen hat der Versandhändler Amazon dem Sicherheitsdienst H.E.S.S. gekündigt. Dessen Mitarbeiter sollen Leiharbeiter bei Amazon laut einer ARD-Dokumentation schikaniert haben und zudem aus dem rechtsextremen Umfeld stammen.

Amazon hat damit einen Vertrag gekündigt, den es angeblich nie gegeben hat. Denn nach Bekanntwerden der Vorwürfe in der vergangenen Woche hieß es im Unternehmen noch, dass das Sicherheitsunternehmen Hensel European Security Services (H.E.S.S.) aus Kassel nicht von Amazon beauftragt wurde. Man wolle die Vorwürfe aber prüfen und "umgehend geeignete Maßnahmen einleiten".

Die folgten heute: "Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird", sagte eine Amazon-Sprecherin in München und bestätigte damit einen Bericht von sueddeutsche.de. Amazon habe "eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung – und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten".

Firmenschild der Sicherheitsfirma H.E.S.S. in Kassel (dpa / Uwe Zucchi)Firmenschild der Sicherheitsfirma H.E.S.S. in Kassel (dpa / Uwe Zucchi)Die ARD-Dokumentation "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" hatte gezeigt, wie Arbeitssuchende aus Osteuropa und Spanien angeworben wurden und wie ihnen mehr Geld versprochen wurde, als sie dann schließlich bekamen. Sie wurden in überfüllten Feriendörfern untergebracht und dort von dem Sicherheitsdienst überwacht. Es kam auch zu Durchsuchungen der Wohnungen.

Die Mitarbeiter des besagten Sicherheitsdienstes bedrängten nicht nur die Leiharbeiter, sondern auch das Film-Team der ARD. Sie sollen zudem Verbindungen zur Neonazi-Szene haben. Sie seien in der Hooligan-, Rocker- und rechtsextremistischen Szene aktiv, hieß es. H.E.S.S. wies das in einer Erklärung zurück.

SPD-Politiker Heil: "Missbrauch von Leiharbeit"

Die Gewerkschaft Verdi wirft Amazon zudem seit längerem vor, gerade Saisonkräfte schlecht zu bezahlen und etwa mit strengen Kontrollen und Überwachung zu gängeln. Der für Amazon zuständige Verdi-Mitarbeiter Heiner Reimann sagte, das Unternehmen werbe viele Zeitarbeiter mittlerweile im Ausland an, da viele Arbeitskräfte in der Umgebung der Logistikzentren bereits schlechte Erfahrungen gemacht hätten und nicht mehr dort arbeiten wollten. Seinen Angaben zufolge setzt Amazon in der Weihnachtszeit mehrere tausende Zeitarbeiter ein, die oft in der Umgebung in im Winter leerstehenden Ferienparks untergebracht würden - manchmal sechs Menschen in kleinen Bungalows.

Hubertus Heil, SPD-Generalsekretär (Deutschlandradio - Bettina Straub)Hubertus Heil, SPD-Generalsekretär (Deutschlandradio - Bettina Straub)Der SPD-Politiker Hubertus Heil, stellvertretender SPD-Fraktionschef im Bundestag, sprach im Deutschlandfunk von einem handfesten Skandal: "Wenn da Menschen ausgebeutet werden, wenn die Not von Menschen aus anderen Teilen Europas ausgenutzt wird, und zwar schamlos, wenn Menschen bespitzelt werden, wenn Arbeitnehmerrechte mit Füßen getreten werden, dann ist das nicht zu tolerieren." Heil sprach von einem Missbrauch der Leiharbeit. Deswegen hatte sich am Wochenende auch die Bundesregierung eingeschaltet. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) forderte Aufklärung und drohte Leiharbeitsfirmen, die mit Amazon zusammenarbeiteten, mit Lizenzentzug. Die Bundesagentur für Arbeit prüft in von der Leyens Auftrag gerade die betroffene Leiharbeitsfirma. Nach Ministeriumsangaben soll es diese Woche ein Ergebnis geben.

Schlechte Bedingungen für Mensch, Tier und Umwelt

An den schlechten Arbeitsbedingungen haben auch die Verbraucher ihren Anteil, kommentierte Katharina Hamberger im Deutschlandfunk: "Es wird sich nichts ändern, solange der Konsument signalisiert: Ich nehme die schlechten Bedingungen für Menschen, Tier und Umwelt in Kauf. Dabei hätte doch gerade der Verbraucher so viel Macht, wenn er erkennt: Nicht ich bin von den Unternehmen abhängig, die sind es von mir."

Doch was können Konsumenten tun, woran sollen sie sich orientieren? Ehtisch korrekte Händler zu finden sei nicht einfach, erklärte Ulrich Thielemann, Direktor der Berliner Denkfabrik für Wirtschaftsethik, im Deutschlandradio Kultur und schlägt eine Zertifizierung vor. Doch das hätte gravierende Folgen: "Wenn das richtig gut zertifiziert wäre, dann wäre das alles viel teurer", so Thielemann. Denn der Online-Handel basiere auf Tiefstlöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen.


Mehr auf dradio.de:

Online-Händler unter Beschuss: wie Amazon und Zalando auf die Kritik reagieren - Korrespondentenbericht von Michael Braun
Boom des Online-Handels - Folgen für die Einkaufsstraßen in der Zukunft

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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