Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Amerikaner wieder in Terrorangst

Drei Tote bei Anschlägen während Boston-Marathon

Terrorangst nach Anschlägen während Boston-Marathon (picture alliance / dpa / CJ Gunther)
Terrorangst nach Anschlägen während Boston-Marathon (picture alliance / dpa / CJ Gunther)

Mehr als ein Jahrzehnt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist in den USA wieder eine tödliche Attacke verübt worden. Explosionen während des symbolträchtigen Boston-Marathons töteten drei Menschen. US-Präsident Obama versprach, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

<p>Jahr für Jahr strömen mehr als 20.000 Spitzen- und Hobbyläufer nach Boston, um an einem der traditionsreichsten Marathonläufe der Welt teilzunehmen. Hunderttausende Zuschauer aus dem In- und Ausland säumen dann am "Patriot's Day" die Straßen der Ostküstenmetropole. Mit diesem Feiertag erinnern die Bundesstaaten Massachussetts und Maine am dritten April-Montag regelmäßig an die erste Schlacht während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges vor rund 250 Jahren.<br /><br />An diesem Gedenktag sind nahe der Ziellinie des Boston-Marathons nun binnen 15 Sekunden zwei Bomben explodiert. Die Weltklasse-Läufer hatten den Wettkampf zwar längst beendet, doch die Wucht der Explosionen traf die gerade ins Ziel kommenden Amateurläufer.<br /><br />US-Präsident Barack Obama erklärte, seine Regierung werde die Schuldigen für die drei Toten und mehr als 100 Verletzten zur Rechenschaft ziehen. Der Gesundheitszustand von mindestens 17 Verwundeten sei "kritisch". Bei mehreren Verletzten hätten Beine amputiert werden müssen. Medienberichten zufolge entdeckte die Polizei in Boston auch bis zu fünf nicht detonierte Sprengsätze.<br /><br /></p><p><strong>Obama verspricht zügige Aufklärung</strong></p><p>"Wir werden herausfinden, wer das getan hat und warum sie das getan haben", sagte Obama im Weißen Haus. "Jeder verantwortliche Einzeltäter, jede verantwortliche Gruppe wird das volle Gewicht der Justiz zu spüren bekommen." Der Präsident warnte aber davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. "Wir haben noch nicht alle Antworten", sagte er mit Blick auf "vermeintliche Terror-Ermittlungen". Er ordnete zugleich verschärfte Sicherheitsvorkehrungen an:<br /><br /><iframe width="480" height="360" src="http://www.youtube.com/embed/4x-VKqe4cvA?feature=player_embedded" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe><br /><br />Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, man gehe von einem Terrorakt aus. Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen werde als Terrorakt angesehen. Im Zuge gründlicher Untersuchungen müsse geklärt werden, ob der Angriff von einheimischen oder ausländischen Attentätern verübt worden sei. Es gebe Hinweise dafür, dass die Sprengsätze als Splitterbomben gebaut worden seien.<br /><br /><papaya:media src="58e21c2fb6c37ba1e9c84d62747a01be" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen vor dem Weißen Haus" popup="yes" />Die Bundespolizei FBI und Heimatschutzministerin Janet Napolitano hätten freie Hand, die nötigen Ressourcen zu mobilisieren, um die Bürger der USA zu schützen, die Sicherheit im Land zu erhöhen und die Untersuchung der Vorfälle voranzutreiben, sagte Obama. Die Explosionen in Boston sind der schwerste Bombenanschlag in den USA, seitdem die Sicherheitsvorkehrungen nach den Attentaten vom 11. September 2001 erhöht wurden.<br /><br />Bostons Stadtverwaltung kündigte massive Polizeipräsenz und Sicherheitskontrollen an. "Wer zur Arbeit geht, wird eine deutlich stärkere Polizeipräsenz sehen. Niemand sollte wegen der Nationalgarde und anderer bewaffneter Beamten alarmiert sein", hieß es.<br /><br /></p><p><strong>Läufer berichten von Panik</strong></p><p>Mehrere Läufer wurden offenbar durch die Wucht der Explosion zu Boden gerissen, darunter der 78 Jahre alte Marathonläufer Bill Iffrig. "Es war eine riesige Explosion, es hörte sich wie eine Bombe an, die direkt neben mir explodierte", sagte Iffrig dem Fernsehsender CNN. "Die Schockwellen haben meinen ganzen Körper erfasst. Meine Beine fingen an zu zittern, aber ich habe keinen Schmerz verspürt." Er fiel zu Boden. Sofort sei ein Streckenposten bei ihm gewesen. "Er half mir über die Ziellinie, damit ich das Rennen beenden konnte", sagte Iffrig.<br /><br />6000 waren noch unterwegs, als die beiden Sprengsätze detonierten. Traditionell sind unter den Teilnehmern des Boston Marathons auch viele Deutsche. Die Teilnehmerin Sabrina Mockenhaupt aus Siegen, die bereits im Ziel war, sagte im Deutschlandfunk, sie habe <a class="link_audio_beitrag" href="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/04/15/dlf_20130415_2317_09a5267c.mp3" title="Interview mit Sabrina Mockenhaupt, Marathonläuferin in Boston (MP3-Audio)">durch die Panik in ihrem Hotel von der Explosion erfahren</a>. "Wir sitzen alle hier auf heißen Kohlen und sind alle entsetzt und geschockt (...) über das, was hier passiert ist, und man an der Stelle hergelaufen ist und nachher ist da eine Explosion - das ist schon schlimm und man hofft halt, dass nicht noch mehr passiert.<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p>Ich will nur noch nachhause :-(! Da wurden noch Bomben gefunden, die nicht hoch gegangen sind! Warum müssen unschuldige Menschen bluten!?</p>— Sabrina Mockenhaupt (@RunningMocki) <a href="https:twitter.com/RunningMocki/status/323922743169015808">15. April 2013</a></blockquote><br /><script async src="platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script></p><p><strong>Reaktionen auf Bombenanschlag</strong></p><p>UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich schockiert. In einer Erklärung Bans heißt es, die sinnlose Gewalt sei umso schrecklicher, als sie bei einem Ereignis stattgefunden habe, das Menschen aus aller Welt in Fairness zusammenbringe. Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Anschlag als "barbarisches Verbrechen" verurteilt. Der Kampf gegen den Terrorismus erfordere eine "aktive Koordination der Anstrengungen der ganzen Welt", schrieb Putin nach Kremlangaben in einem Beileidstelegramm an US-Präsident Obama. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich "zutiefst schockiert" und wünsche sich, "dass die schon aufgenommenen Ermittlungen schnell auf die Spur der Verantwortlichen führen".<br /><br />Der für Sonntag angesetzte Marathon in London soll trotz des Bombenanschlags auf den Lauf in Boston wie geplant stattfinden. Allerdings würden zusammen mit den Veranstaltern die Sicherheitsvorkehrungen überprüft, teilte die Polizei in London mit. In der britischen Hauptstadt wollen 36.000 Läufer an den Start gehen.</p>


Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

MogelpackungenGroße Packung, wenig Inhalt

Blick auf ein Supermarktregal. (imago / Waldmüller)

Ob Parfüm, Pralinen oder Cappuccino-Pulver: In vielen Produktverpackungen ist oft weniger drin, als es auf den ersten Blick scheint. Von aufwendig gestalteten Verpackungen sollten sich Käufer also nicht blenden lassen. Aber das ist nur eine Möglichkeit, Mogelpackungen zu erkennen.

Fotoausstellung in Frankfurt am MainPostmoderne Blicke auf die Realität

"Fotografien werden Bilder - Die Becher-Klasse" im Kunstmuseum Städel  (picture alliance/dpa/Foto: Arne Dedert)

Ob Andreas Gursky, Candida Höfer oder Thomas Ruff - sie alle waren Schüler von Bernd und Hilla Becher und eroberten mit ihren zumeist großformatigen Fotografien die Kunstszene. Unter dem Titel "Fotografien werden Bilder" zeigt das Städel-Museum in Frankfurt am Main nun 200 Werke.

GAFFER-PROZESSKein Respekt vor Rettungskräften

Der Feuerwehrmann Jörg Nießen hat Verständnis dafür, dass Menschen neugierig sind. Aber wenn Gewalt ins Spiel kommt, würden definitiv Grenzen überschritten.

Erdogans Referendum"In diesem Lande werden Menschenrechte mit Füßen getreten"

Die HDP-Abgeordnete Feleknas Uca (im Jahr 2015) (imago/ZUMA Press)

Die Türkei sei kein Rechtsstaat, sagte die Abgeordnete der kurdischen HDP, Feleknas Uca, im DLF. Weil sie auf Pressekonferenzen ihre Meinung gesagt habe, sei ihre Immunität aufgehoben worden. Dabei hätten 48 Prozent der Bevölkerung gegen das Referendum gestimmt. Uca hofft auf ein gemeinsames Vorgehen der oppositionellen Kräfte.

Renaissance des "Und was ist mit…?"Perfider Trick aus der Mottenkiste der Rhetorik

US-Präsident Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus.  (picture alliance / Ron Sachs/Consolidated News Photos/Ron Sachs - Pool via CNP)

Donald Trump beherrscht ihn perfekt und auch viele Diskutanten in den sozialen Medien: Mit "Und was ist mit…?" kann man jede Debatte torpedieren und als Sieger hervorgehen. Doch die Strategie lässt sich auch entlarven.

Schlafstörungen"Ein Wunder, dass man überhaupt noch schlafen kann"

Eine Frau liegt in einem Bett und schläft. Sie liegt dabei auf dem Bauch und streckt einen Arm zur Seite aus. (imago stock&people)

80 Prozent der Arbeitnehmer schlafen schlecht, so eine neue Krankenkassen-Studie. Er gehe zwar von einer niedrigeren Zahl aus, sagt Schlafforscher Peter Clarenbach. Dass aber vor allem Arbeiter und Angestellte betroffen seien, liege an Entwicklungen in der Arbeitswelt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nordkorea  Trump hält militärische Eskalation für möglich | mehr

Kulturnachrichten

Neues Museum zieht zehntausende Besucher an  | mehr

 

| mehr