Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

"Amerikas Möglichkeiten sind unbegrenzt"

In seiner Inaugurationsrede warb Barack Obama für den Sozialstaat, den er nun stutzen muss

Von Marcus Pindur

Die National Mall in Washington: Tausende Besucher schwenken US-Flaggen zu Barack Obamas zweiter Amtseinführung.
Die National Mall in Washington: Tausende Besucher schwenken US-Flaggen zu Barack Obamas zweiter Amtseinführung. (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)

Reden zur Amtseinführung eines US-Präsidenten sind politische Predigten an die kollektive Psyche der Nation. Bei seiner zweiten Inauguration bewies Barack Obama, dass er dieses Genre beherrscht wie kaum ein anderer. Aber auch Sängerin Beyoncé traf den Ton.

Sie waren aus allen Teilen des Landes gekommen, um bei der Inaugurationsfeier dabei zu sein, viele von ihnen schon zum zweiten Mal – so die Rentnerin Alicia aus New York.

"Das ist sogar noch aufregender, weil Amerika ihn zum zweiten Mal akzeptiert hat, und damit gezeigt hat, dass er die richtige Wahl für uns ist. Und das müssen wir feiern."

Die meisten sind Obama-Wähler und Fans, so wie Austen aus Virginia.

"Ich freue mich über Obama und habe große Hoffnungen für seine zweite Amtszeit. Ich bin froh, hier zu sein. Ich hoffe, er wird einige Themen angehen, wie Waffenkontrolle, Immigration, und ich hoffe, er wird die Gesundheitsreform vorantreiben und dafür sorgen, dass sie dauerhaft bleibt."

Freude und Hoffnung also immer noch bei Obamas Anhängern. Das Verhältnis der Amerikaner zu ihrem politischen System wird oft als eine Art Zivilreligion beschrieben. Die Inaugurationsfeiern sind politische Veranstaltungen mit einer gottesdienstähnlichen Formensprache.

Amtseinführungsreden sind politische Predigten an die kollektive Psyche der Nation. Sie dienen gleichermaßen der Selbstvergewisserung und Selbstreflektion. Obama beherrscht dieses Genre wie kaum ein anderer. Ein Jahrzehnt der Kriege gehe zu Ende, so der Präsident. Die heutige Generation sei geprüft worden durch eine große Wirtschaftskrise. Aber Amerika könne wieder optimistisch sein.

"Amerikas Möglichkeiten sind unbegrenzt, weil wir alle die Eigenschaften besitzen, die unsere grenzenlose Welt erfordert. Jugend und Antriebsstärke. Vielfalt und Offenheit. Eine endlose Fähigkeit, Risiken einzugehen. Meine Mitbürger, wir sind wie geschaffen für diesen Augenblick, wir werden diesen Augenblick nutzen und ihn bewältigen, solange wie wir es gemeinsam tun."

Die Amerikaner seien immer skeptisch gegenüber zentraler Macht gewesen, sie seien nie der Schimäre nachgelaufen, dass eine Regierung alle Probleme einer Gesellschaft lösen könne. Die Wertschätzung der Amerikaner für unternehmerische Initiative, für Selbstverantwortung und harte Arbeit seien Konstanten im amerikanischen nationalen Charakter. Doch die Erhaltung individueller Freiheit erfordere kollektives Handeln, und der Erhalt der Freiheit erfordere in neuen Zeiten neue Methoden.

"Wir erkennen an, dass, egal, wie verantwortungsbewusst wir unser Leben führen, jeder von uns einmal seinen Job verlieren, oder von einer Krankheit ereilt werden, oder sein Haus in einem großen Sturm verlieren kann. Die Verpflichtungen, die wir gegenseitig eingehen in der Krankenversicherung oder in der Rente, machen uns nicht schwächer, sie stärken uns. Sie machen aus uns keine Nation von Leistungsempfängern, sie befreien und, um die Risiken eingehen zu können, um dieses Land so großartig zu machen."

Ein Plädoyer für den Sozialstaat, den er selber wieder wird zurückschneiden müssen, wie er auch in seiner Rede anerkannte. Die Krankenfürsorge in Amerika sei zu teuer und das Staatsdefizit müsse eingedämmt werden. Doch diese Mühen und die politischen Kämpfe der nächsten Monate und Jahre liegen noch vor ihm. Der gestrige Tag war ein Feiertag, mit Inaugurationsparade, an deren Spitze Barack und Michelle Obama die Pennsylvania Avenue hoch schritten, vom Kapitol zum Weißen Haus. Den Abschluss der Inaugurationsfeier vor dem Kapitol bildete wie immer die Nationalhymne, vorgetragen von der Sängerin Beyoncé.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Ortszeit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Petersburger Dialog"Treffen gegen die Sprachlosigkeit"

Eine Fahne vor der Stadthalle in Kassel (Hessen) weist am 04.12.2013 auf den Petersburger Dialog hin.

In Leipzig kommt heute der deutsch-russische "Petersburger Dialog" zusammen. Auch im Schatten der Ukraine-Krise habe dieser die Aufgabe, "sich gegenseitig Positionen deutlich zu machen", sagte Ernst-Jörg von Studnitz, Botschafter a.D. in Moskau.

TheaterZum Klingen gebrachte Sprache

William Shakespeare - eine zeitgenössische Darstellung

Am 23. April 1564 soll er geboren sein - darauf hat sich die Forschung verständigt. Dokumente über das Leben Shakespeares sind rar. Der Sohn eines Handschuhmachers gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker.

Autofahrer-AbgabeAlbigs Vorstoß "etwas pharisäerhaft"

Ein Lastkraftwagen fährt an einem großen Schlagloch auf der Autobahn A4 in Richtung Görlitz bei Bautzen vorbei, Aufnahme vom Dezember 2010

Die Kritik an der Forderung von Ministerpräsident Albig nach einer Autoabgabe zur Straßensanierung reißt nicht ab. "Natürlich brauchen wir mehr Geld", sagte der verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, Hans-Jörn Arp.

UkraineDie "Macht-Kontrolleure" vom Maidan

Der Majdan in Kiew.

Anders als im Osten der Ukraine herrscht auf dem Maidan in Kiew mittlerweile Ruhe und fast so etwas wie Normalität - wenn dort nicht nach wie vor Zelte und Barrikaden stünden.

Vorratsdatenspeicherung"Offene Flanke schließen"

Netzwerkstecker sind vor einem Computer-Bildschirm mit Symbolen für "gespeicherte Verbindungen" zu sehen

Die SPD ist sich uneins über die Vorratsdatenspeicherung. Anders als Parteivize Stegner will Baden-Württembergs Innenminister Gall sie nicht völlig aufgeben. Es brauche klare, enge Vorgaben, sagte er.

GleichstellungDie Frauenquote für Vorstände ist fällig

Frauen bei einem Kongress

Die schwarz-rote Koalition will börsennotierte Unternehmen gesetzlich zwingen, mehr Frauen in Führungspositionen zu berufen. Eine solche Vorgabe hält die Journalistin Deborah Steinborn für überfällig - allen Protesten zum Trotz.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ukraine-Krise:  Kiew und USA fordern mehr Einsatz von Russland | mehr

Kulturnachrichten

Jurist Kettemann:  Für das Internet muss das Recht nicht neu erfunden werden | mehr

Wissensnachrichten

China  China: 60 Prozent des Grundwassers laut Studie untrinkbar | mehr