Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Amnesty: Mehr Todesstrafen vollstreckt

China richtet mehr Menschen hin als Rest der Welt

Amnesty: Nirgendwo offiziell mehr Hinrichtungen als im Iran (picture alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)
Amnesty: Nirgendwo offiziell mehr Hinrichtungen als im Iran (picture alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)

Weltweit sind im vergangenen Jahr 682 Menschen offiziell hingerichtet worden. Nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International liegt die Dunkelziffer aber weitaus höher. Vor allem in China gebe es Tausende Opfer. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

<p>Weltweit haben inzwischen 140 Staaten die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Jüngstes Mitglied in diesem Kreis ist die Dominikanische Republik, die laut einem Amnesty-Bericht über Hinrichtungen und Todesurteile im vergangenen Jahr die Abschaffung der Todesstrafe ratifiziert hatte. So auch Lettland. In den USA sind es mit Connecticut nun 17 von 50 Bundesstaaten, die keine Todesstrafe mehr verhängen. Viele Länder unterzeichneten zudem entsprechende Absichtserklärungen. "Der Trend zur Abschaffung der Todesstrafe ist ungebrochen", sagte Amnesty-Experte Oliver Hendrich.<br /><br /></p><p><strong>China bleibt dunkler Fleck</strong></p><p>Doch die Menschenrechtsorganisation führt in ihrem Bericht nur jene Länder auf, in denen Hinrichtungen und Todesstrafen auch bekannt wurden. So rechnen Menschenrechtler damit, dass allen internationalen Appellen zum Trotz "in China auch 2012 Tausende Menschen - und somit mehr als im Rest der Welt zusammen - hingerichtet wurden". Zahlen zu China veröffentlicht Amnesty seit 2009 nicht mehr, da Peking solche Angaben geheim hält.<br /><br />Schlechte Nachrichten kommen vor allem aus Afrika und Asien: "Die Wiederaufnahme von Hinrichtungen in Botsuana, Gambia, Indien, Japan und Pakistan sind sehr bedauerliche Rückschläge", sagte Hendrich, aber "die Zahl der Henkerstaaten ist nicht gestiegen" und liege bei 21 Ländern. Gambia hatte nach mehr als einem Vierteljahrhundert gleich neun Menschen an einem Tag zum Tode verurteilt. <papaya:link href="http://amnesty.de/urgent-action/ua-085-2013/unmittelbar-drohende-hinrichtungen?destination=node%2F664" text="In Indien müssen sieben Verurteilte in nächster Zeit damit rechnen, hingerichtet zu werden." title="Unmittelbar drohende Hinrichtungen (Amnesty)" target="_blank" /> Und so sieht Amnesty die Welt:<br /><br /><img src="http://www.dradio.de/images/93215/landscape"><br /><br /></p><p><strong>Iran weiter auf Platz zwei</strong></p><p>Im vergangenen Jahr wurden mindestens 682 Menschen offiziell hingerichtet, die meisten im Iran (314), im Irak (129) und in Saudi-Arabien (79), gefolgt von <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="215008" text="den USA" alternative_text="den USA" /> (43) und dem Jemen (28). Weltweit seien 1722 Todesurteile verhängt worden, rund Strafen weniger als im Vorjahr. In dieser Liste finden sich Pakistan, Ägypten und die USA auf den vorderen zehn Plätzen.<br /><br /></p><p><strong>Todesurteile nach Geständnissen unter Folter</strong></p><p>Amnesty kritisierte, dass es in Staaten wie Afghanistan und Weißrussland zu Todesurteilen aufgrund von Geständnissen kam, die unter Folter erzwungen wurden. In Irak und Iran wurden solche Geständnisse vor dem Prozess im Fernsehen ausgestrahlt.<br /><br />Die Gründe für eine Verurteilung zur Todesstrafe sind von Land zu Land verschieden: In Gambia, Nordkorea und den Palästinensischen Gebieten werden Staatsverbrechen mit dem Tod bestraft. Im Iran wird für Ehebruch und Homosexualität die Todesstrafe gefordert. In Pakistan werden Gotteslästerung, in Kenia schwerer Raub, in China beispielsweise Wirtschafts- und Drogendelikte mit dem Tode bestraft.<br /><br /></p><p><strong>Kein Platz für Todesstrafe</strong></p><p>In Deutschland liegt die letzte vollstreckte Todesstrafe schon mehr als 30 Jahre zurück: Im Juni 1981 wurde in der DDR Stasi-Hauptmann Werner Teske wegen Hochverrats hingerichtet. In der Bundesrepublik war die Todesstrafe 1949 aus der Verfassung gestrichen worden. Heute gehört Deutschland zu den Staaten, die sich für einen Totalverzicht engagieren. Laut Bundesregierung ist für die Todesstrafe im 21. Jahrhundert kein Platz mehr. Sie sei unmenschlich und grausam.<br /><br /><strong>Mehr bei dradio.de:</strong><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="65304" text="&quot;Es wird dann sicherlich eine andere Hinrichtungsart geben&quot;" alternative_text="&quot;Es wird dann sicherlich eine andere Hinrichtungsart geben&quot;" /> - "Human Rights Watch": Abschaffung der Todesstrafe in den USA unwahrscheinlich<br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="96505" text="Prinzip der Abschreckung" alternative_text="Prinzip der Abschreckung" /> - Zur Todesstrafe in den USA<br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="240329" text="Abschaffung der Todesstrafe aus Kostengründen" alternative_text="Abschaffung der Todesstrafe aus Kostengründen" /> - USA-Experte Thunert: Entscheidung in Maryland ist "Kurskorrektur"</p>


Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Las Vegas nach dem MassakerStadt des Vergessens

Eine Konzertbesucherin sitzt am 02.10.2017 in Las Vega (Nevada, USA) nahe des Mandalay Bay Resort und Casinos am Las Vegas Strip. In der US-Metropole Las Vegas sind nach Polizeiangaben mehr als 50 Menschen von Schüssen getötet worden.  (AP / John Locher)

Nach Las Vegas kommen US-Amerikaner und Touristen, um sich zu amüsieren. Wie lange braucht ein Ort wie dieser, um sich von einem Blutbad zu erholen? Und: Wie lange währt die Waffenliebe in den USA noch angesichts solcher Massaker?

Leben ohne TerrorDie Basken und das Ende der ETA

"ETA nein" auf Spanisch und auf Baskisch steht auf einem Aufkleber, der auf Kieselsteinen liegt (AFP)

Die Waffen sollen abgegeben werden - und nun will die ETA auch über ihre Auflösung abstimmen lassen. Bis zum Sommer soll das Ende der Separatistenorganisation besiegelt sein. Aber damit sind längst noch nicht alle Fragen geklärt.

Mächtige Molche Politische Dummheit – und was dagegen hilft

Donald Trump mit der Erklärung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran. (Evan Vucci/AP/dpa)

Nach Trumps Aufkündigung versucht Europa, das Atomprogramm mit dem Iran im Alleingang zu retten. Und wie soll der Westen jetzt mit Kim Jong-un umgehen? Unberechenbar ist Trump, aber ist er auch dumm? Fragt sich Andrea Roedig in ihrem philosophischen Wochenkommentar.

Internationale Konferenz in BerlinWas genau ist Emanzipation?

Frau mit erhobener Faust (imago )

Eine hochkarätig besetze Konferenz setzt sich mit dem Erbe vorangegangener Befreiungsbewegungen und deren ambivalenten Wirken auseinander und fragt: Was heißt Emanzipation heute? Schon gleich zu Beginn wurde deutlich, der Begriff hält einige Paradoxien bereit.

Fremdenfeindlichkeit in Deutschland"Offener und ungeschminkter Rassismus"

Flüchtlinge laufen am 27.08.2015 mit Koffern bepackt auf einem Weg einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Ingelheim (Rheinland-Pfalz) entlang, während ein Kind im Vordergrund vorbeiläuft.  (picture alliance/dpa - Christoph Schmidt)

Die Sozialpsychologin Beate Küpper sieht einen Anstieg von Rassismus in Deutschland. Lange habe es ein Bewusstsein gegeben, dass Fremdenfeindlichkeit nicht mit unseren ethischen und demokratischen Grundsätzen vereinbar sei, so Küpper im Dlf. Heute werde Rassismus offen als politische Strategie benutzt.

Reporterin unterwegs in Südafrika Auf der Suche nach Mandelas Erbe

Nelson Mandela im Jahr 2005 (dpa)

Zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela ist die Journalistin Leonie March auf seinen Spuren durch Südafrika gereist. Bis heute ist das Erbe des verstorbenen Staatspräsidenten und Freiheitskämpfers bei der Mehrheit der Menschen lebendig.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Italien  Conte verzichtet auf Amt | mehr

Kulturnachrichten

Rechte stürmen Theateraufführung in Tschechien | mehr

 

| mehr