Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

And the winner is: Mitt Romney

Beobachter sehen Republikaner als Sieger des ersten TV-Duells mit Obama

Von Marcus Pindur

Schlagabtausch: Präsident Obama (re) und Herausforderer Romney beim ersten TV-Duell (picture alliance / dpa / Shawn Thew)
Schlagabtausch: Präsident Obama (re) und Herausforderer Romney beim ersten TV-Duell (picture alliance / dpa / Shawn Thew)

Natürlich ging es um Obama-Care, die umstrittene Gesundheitsreform, und um den Einfluss des Staates überhaupt: Barack Obama hatte alle Hände voll zu tun, um sich seines republikanischen Herausforderers um die US-Präsidentschaft zu erwehren - und verlor das erste von drei Rededuellen.

Barack Obama konnte da punkten, wo er persönliche Beispiele brachte und die mit seiner Politik verknüpfte. Seine Großmutter habe nur in Würde altern können, weil sie die Sicherheit der staatlichen Rente und der staatlichen Krankenversicherung im Alter, Medicare, hatte. Sein Konkurrent wolle das Gesundheitsreformgesetz, von seinen Gegnern "Obamacare" genannt, jedoch komplett abschaffen:

"Wenn Obamacare abgeschafft wird, und ich fange an, diesen Begriff zu mögen, dann werden die Kosten für die Senioren sofort hochgehen, und die Einzigen die profitieren, werden die Versicherungskonzerne sein, und das wird Medicare nicht zukunftsfester machen."

Die Versicherungen könnten die Versicherten nicht mehr nach Belieben aufnehmen oder nicht, Vorerkrankungen dürften kein Ausschlussgrund mehr sein, es gebe keine Versicherungsobergrenzen mehr, die Versicherungen müssten transparenter arbeiten. Dann einer der seltenen Angriffe Obamas auf Romney:

"Ironischerweise sehen wir, dass dieses Modell sehr gut funktioniert. In Massachussetts. Gouverneur Romney hat dort etwas sehr gutes gemacht, indem er mit den Demokraten zusammen ein Modell erarbeitet hat, das identisch ist mit meiner Gesundheitsreform. Es hat Leuten den Versicherungsschutz gegeben und es hat keine Arbeitsplätze gekostet."

Damit hat er einen der großen Widersprüche in Romneys Kampagne angesprochen. Das konnte dieser nicht so stehen lassen.

"Es gibt eine Untersuchung über kleine Unternehmen, und die sagen zu drei Vierteln: Obamacare ist uns zu teuer, wir würden weniger Leute einstellen. Ich verstehe nicht, wie der Präsident ins Amt kommen konnte, mit 23 Millionen Arbeitslosen, einer großen Wirtschaftskrise, und zwei Jahre auf Obamacare verwenden konnte. Es kostet uns Jobs, es ist ein Jobkiller."

Die Gesundheitsreform Obamas wird jetzt erst schrittweise wirksam, aber es stellte die Brücke her zum Thema Beschäftigung, bei dem Obama verwundbar ist.

Obama sei zu staatsfixiert, so Romney, und kehrte den oft gemachten Vorwurf der Demokraten, er sei ein Anhänger der "trickle-down"-Theorie aus den 80er-Jahren, um:

"Die Ansichten des Präsidenten sind ziemlich die gleichen wie vor vier Jahren. Nämlich dass mehr Ausgaben, mehr Steuern, mehr Vorschriften, sozusagen ein trickle-down-Staat, funktionieren würde."

Inhaltliche Überraschungen gab es nicht, die Argumente der Kandidaten waren bekannt. Die Überraschung war, dass Mitt Romney als klarer Sieger nach Punkten aus dieser ersten von drei Präsidentschaftsdebatten hervorging. Er wirkte aufgeräumter, er brachte seine Argumente klarer vor, er war angriffslustig, vermied aber scharfe Polemik. Obama wirkte oft in sich gekehrt und brachte seine Argumente verschachtelt und kompliziert vor.

Eine erste CNN-Umfrage sah Romney mit 67 zu 25 Prozent als Gewinner der Debatte. Auch der Demokrat und ehemalige Clinton-Berater James Carville kam zu diesem Schluss.

"Ich habe mich lange dagegen gewehrt, aber irgendwann musste ich es mir eingestehen: Es sah so aus, als wolle Mitt Romney dort sein und als wolle Barack Obama nicht dort sein."

Es wird in den kommenden drei Wochen noch zwei weitere Fernsehdebatten der beiden Präsidentschaftskandidaten geben. Eine wird ein Forum mit Zuschauerbeteiligung sein, die andere soll Außenpolitik zum Thema haben.

Mehr zum Thema:
Höflich, aber heftig - US-Präsidentschaftskandidaten Romney und Obama im ersten Fernsehduell

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Wirtschaft und Gesellschaft

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

CDU nach der Niedersachsen-Wahl"Wir haben einen Gestaltungsauftrag für Niedersachsen"

Ulf Thiele, Generalsekretär der niedersächsischen CDU, spricht am 16.10.2017 während einer Pressekonferenz vor der Sitzung des Landesvorstandes der CDU in Hannover (dpa / Hauke-Christian Dittrich)

Die niedersächsische CDU sieht trotz der Wahlniederlage den Auftrag der Wähler, einen Beitrag zur Bildung einer stabilen Landesregierung zu leisten. Der Generalsekretär der Landes-CDU, Ulf Thiele, sagte im Dlf, neben einer möglichen Großen Koalition halte seine Partei sich auch die Option einer Koalition mit FDP und Grünen offen.

Nach der Wahl in NiedersachsenLindner: FDP hat nicht die Verantwortung für Regierungsbildung

FDP-Chef Lindner sprach auf der Abschlusskundgebung in Düsseldorf (Ina Fassbender / dpa)

FDP-Parteichef Christian Lindner hat die Entscheidung seiner niedersächsischen Parteikollegen, einer Landesregierung mit SPD und Grünen nicht beizutreten, verteidigt. Man wolle kein Mehrheitsbeschaffer für Rot-Grün sein, sagte er im Dlf. Zudem könne man als kleinster Partner in einer Koalition keinen Politikwechsel herbeiführen.

In der politischen Landschaft fehlt Gerechtigkeit Es gibt Bedarf für die Sozialdemokratie!

Bei einer Veranstaltung hält ein Zuschauer ein Transparent hoch: "SPD-Mitglied sucht soziale Gerechtigkeit" (imago / Michael Täger)

Die Sozialdemokratie ist in der Krise, meint der Journalist Stephan Hebel. Dabei gibt es eine klaffende Lücke in der politischen Landschaft, die sie wie keine andere Kraft besetzen könnte und sollte.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Unionsfraktion  Schäuble als Bundestagspräsident nominiert | mehr

Kulturnachrichten

Joachim Gauck und Siemens-Chef werden geehrt  | mehr

 

| mehr