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Andre Zantow

Herzblut an der Kreativfront

Zu sehen ist ein Porträtfoto von Andre Zantow
Zu sehen ist ein Porträtfoto von Andre Zantow

Neulich in der Samenbank: der Warteraum halbvoll, ein paar Ledersessel – rubinrot. Ich nehme Platz. Gemütlich. Das Oberlandesgericht Hamm hat in einem Urteil die rechtliche Stellung der Spenderkinder gestärkt. Mein Reporter-Auftrag heute: Was verändert sich in der Praxis?

Andre Zantow ist freier Mitarbeiter im Bereich "Reportage und Hintergrund " beim Deutschlandradio Kultur

Vor Kurzem am Telefon: Lloyd Kaufman sagt, er habe noch nie einen Spiderman-Film gesehen. Wow! Das können nicht viele Erdenbewohner von sich behaupten. Mainstream war immer der erklärte Feind des New Yorkers. Kaufman erzählt mir von seinem Studium in Yale mit Oliver Stone und George W. Bush, wie er später die legendäre Trash-Movie-Schmiede "Troma' gründet und den seltsamsten Helden der Filmgeschichte kreiert: The Toxic Avenger.

Das Porträt über "Toxi' für DRadio Wissen war eine der schönsten Aufgaben als Reporter im vergangenen Jahr. Menschen wie Kaufman, die unablässig mit soviel Herzblut an der Kreativfront tätig sind, beeindrucken mich. Das gilt auch für die Kollegen bei Radio Jade in Wilhelmshaven während meines Studiums, später bei Fritz, der Jugendwelle des rbb, und anschließend, nach einem Volontariat, beim Deutschlandradio.

Ein Haus, das einzigartig ist in seiner Bandbreite und Qualität. Es gibt soviel, aber leider nur zwei Ohren. Ein generelles Problem des Menschen. Ich bin mir sicher, hätte es vor 200.000 Jahren schon entsprechende Radioprogramme gegeben, die Evolution hätte sich anders entschieden. Der Homo auditus würde heute die Welt bevölkern.

Mit immerhin zwei Ohren lausche und arbeite ich mittlerweile als Redakteur in der Abteilung Hintergrund und Reportage von Deutschlandradio Kultur. Das ist der Maschinenraum des Hauses für viele Sendungen, die über das politische Tagesgeschäft hinausgehen. Wir zeigen in der "Weltzeit', wie in China die "roten Kapitalisten' Politik und Wirtschaft beherrschen, diskutieren im "Wortwechsel' mit prominenten Gesprächspartnern über den Rechtspopulismus in Europa und kommentieren in den "Schlaglichtern' die wichtigsten Themen der Woche.

Ein Schreibtischjob, der viel Hingabe und anschließende Rückengymnastik erfordert. Immer mit dem Ziel, den interessierten Hörern ein Angebot zu liefern, das sie nicht ausschalten möchten. Für mich persönlich gilt der Leitsatz des großartigen Dieter Hildebrandt: "Ich hoffe, ich habe im Wesentlichen herumgestochert."

Andre Zantow

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