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Angst vor Gewalt in Ägypten

Tausende Demonstranten versammeln sich in Kairo

Demonstranten in Ägypten (picture alliance / dpa / Sayed Baz / Anadolu Agency)
Demonstranten in Ägypten (picture alliance / dpa / Sayed Baz / Anadolu Agency)

Die Lage in Ägypten spitzt sich zu. Am Jahrestag des Amtsantritts von Präsident Mohammed Mursi wächst die Sorge vor Gewaltausbrüchen. Viele Ausländer haben das Land verlassen, Geschäftsinhaber machten ihre Läden zu.

Ägypten bereitet sich auf neue Massenproteste vor. Wieder haben sich laut Korrespondentenberichten Tausende in Kairo versammelt, um gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi zu demonstrieren. Über dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo kreisten Armee-Hubschrauber, staatliche Einrichtungen wurden von Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen abgesichert. Laut Gesundheitsministerium wurden Krankenhäuser in Alarmbereitschaft versetzt.

Ägypter enttäuscht über ausbleibenden Fortschritt

Die ehemalige Leiterin des ägyptischen Museums in Kairo, Waafa El Saddik, sagte im Deutschlandfunk, dass sie heute mit Gewalt rechnet. Die meisten Ägypter seien deprimiert, enttäuscht und ohne Hoffnung in die Regierung, da sie die Situation in Ägypten nicht verbessert, sondern das Land gespalten habe. El Saddik geht jedoch nicht davon aus, dass Mursi einlenken wird.

Eine Korrespondentin des arabischen Senders Al-Dschasira berichtete, die Angst sei fühlbar. Viele Menschen haben das Land deswegen verlassen – Auslandsflüge am Kairoer Flughafen waren gestern häufig ausgebucht. Viele Geschäftsleute sicherten ihre Läden und Büros aus Sorge vor Gewalt und Zerstörung.

Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Präsidentschaftskandidat Mohammed El Baradei warnte vor einem Auseinanderbrechen des Landes. In einer Videobotschaft verlangte er Neuwahlen und kritisierte Mursi: "Wir haben ihm einen Führerschein gegeben, aber er kann nicht Auto fahren."

Armee kommt wichtige Rolle zu

Eine entscheidende Rolle in dem Konflikt zwischen Anhängern und Gegnern von Präsident Mursi könnte die Armee spielen – denkbar wäre, dass das Militär erneut die Macht übernimmt. Nach dem Sturz von Ex-Präsident Mubarak hatte in Ägypten zunächst das Militär regiert. Als gestern Abend Hubschrauber der Armee über den Tahrir-Platz flogen, schwenkten die Demonstranten die ägyptische Flagge und skandierten: "Das Volk und die Armee gehören zusammen."

Auch vor dem Präsidentenpalast in Kairo hatten sich gestern Mursi-Gegner versammelt. Gleichzeitig strömten seine Anhänger zu einer Demonstration vor einer großen Moschee in der Hauptstadt. Am Freitag waren bei Protesten gegen Mursi mindestens drei Menschen getötet worden, darunter ein 21-jähriger Student aus den USA. Mehr als hundert Menschen wurden verletzt.

US-Präsident Obama ruft zu Gewaltverzicht auf

Obama bei einer Rede in Fort McNair in Washington (picture alliance / dpa / Kristoffer Tripplaar)US-Präsident Obama fordert Gewaltverzicht in Ägypten (picture alliance / dpa / Kristoffer Tripplaar)Das Auswärtige Amt mahnte deutsche Reisende in Ägypten zu Vorsicht im Bereich der Großdemonstrationen – ähnlich wie die USA. Präsident Obama rief zudem die ägyptischen Behörden auf, die Sicherheit der diplomatischen Einrichtungen zu gewährleisten. Demonstranten und Sicherheitskräfte mahnte er zum Gewaltverzicht.

Den Demonstranten geht es nach wie vor darum, Mursi zum Rücktritt zu bewegen - 22 Millionen Unterschriften sind dafür laut der Protestbewegung "Tamarod" (Rebellion) zusammengekommen. Die Demonstranten werfen Mursi vor, das Land schleichend zu islamisieren, Menschenrechte nicht zu achten und einen ähnlich autoritären Staat wie unter seinem Vorgänger Husni Mubarak anzustreben. Mursi hatte die Präsidentenwahl vor einem Jahr als Kandidat der Muslimbruderschaft gewonnen.

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Unversöhnliche Gegensätze am Nil - Mindestens drei Tote bei Massenprotesten in Ägypten
Warten auf den Knall in Ägypten - Oppositionsbewegung ruft zu Demonstrationen gegen Präsident Mursi auf
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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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