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Angst vor neuer Angriffswelle auf westliche Botschaften

Erneute Massenproteste wegen des umstrittenen Mohammed-Films und neuer Karikaturen erwartet

Auch in Islamabad lieferten sich in den vergangenen Tagen Demonstranten und Polizisten Straßenschlachten (picture alliance / dpa / T. Mughal)
Auch in Islamabad lieferten sich in den vergangenen Tagen Demonstranten und Polizisten Straßenschlachten (picture alliance / dpa / T. Mughal)

In Pakistan lieferten sich aufgebrachte Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Die Sorge über eine neue Gewalteskalation in islamischen Ländern wächst. Tausende Muslime wollen am Wochenende auch hierzulande gegen den Mohammed-Film auf die Straße gehen.

In der westpakistanischen Stadt Peshawar lieferten sich Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei, ein Kino brannte nieder. Beim Angriff auf ein Fernsehteam starb ein Fahrer. Mindestens fünf Demonstranten wurden verletzt. Aus Sorge vor einer weiteren Eskalation will die Polizei die pakistanische Hauptstadt Islamabad abriegeln.

Botschaften in Alarmbereitschaft

Aus Furcht vor Racheakten wegen des antiislamischen Videos und neuer Mohammed-Karikaturen nach den Freitagsgebeten haben Deutschland und andere Länder ihre Botschaften in Alarmbereitschaft versetzt. In islamischen Ländern seien die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin. Es sei nicht auszuschließen, dass zusätzlich zu den am islamischen Feiertag ohnehin geschlossenen Botschaften weitere deutsche Vertretungen geschlossen blieben.

Frankreich kündigte bereits am Donnerstag an, rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen in Nordafrika nicht zu öffnen. Paris befürchtet, dass die in der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" veröffentlichten Mohammed-Karikaturen Vergeltungsschläge provozieren könnten. Die USA schlossen nach Protesten ihre Vertretungen in Indonesien.

Tunesische Regierung verbietet Demonstrationen

Das tunesische Innenministerium hat für heute alle Demonstrationen verboten, die sich gegen den islamfeindlichen Schmähfilm oder Mohammed-Karikaturen richten. Zur Begründung hieß es in Tunis, dem Ministerium lägen Informationen über drohende Gewalt und Plünderungen vor.

Proteste in vielen deutschen Städten

Auch in Deutschland wollen Tausende Muslime gegen den umstrittenen Film demonstrieren. In Freiburg werden am Abend rund 800 Menschen erwartet. In Münster will ein Verein unter dem Motto "Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet" in der Innenstadt demonstrieren. Zudem sind in Hannover, Cuxhaven, Dortmund und Karlsruhe Kundgebungen geplant. Sprecher von Polizei und Städten erklärten, sie gingen von einem friedlichen Verlauf der Demonstrationen aus.

"Titanic" mit Islam-Cover

Leo Fischer, Chefredakteur des Satiremagazins Titanic (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)Leo Fischer, Chefredakteur des Satiremagazins Titanic (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)Das Satire-Magazin "Titanic" wird seine morgen erscheinende Oktober-Ausgabe mit einem Islam-Cover auf den Markt bringen. Unter dem Titel "Der Westen in Aufruhr: Bettina Wulff dreht Mohammed-Film" soll es die Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Bettina Wulff in den Armen eines islamischen Kriegers mit Turban und Schwert zeigen. "Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer fürchtet jedoch keine Proteste von Muslimen vor den Redaktionsräumen. Sollte es dazu kommen, "dann werde ich in aller Ruhe erklären, wie dieser Titel gemeint ist", sagte der "Titanic"-Chefredakteur im Deutschlandfunk. Er kenne viele Muslime als liberale und tolerante Menschen, die auch einmal einen Witz verstünden.

Gewalttätige Proteste in Islamabad

Proteste in IslamabadIn Pakistan war es wegen des islamfeindlichen Videos bereits gestern zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Mehr als 2.000 Demonstranten versuchten, sich in der Hauptstadt Islamabad Zugang zur US-Botschaft zu verschaffen. Bereitschaftspolizisten setzten Tränengas und Schlagstöcke ein, um die Menschenmenge fernzuhalten. Auch in den Städten Lahore, Chaman, Karachi und Peshawar kam es zu Demonstrationen, die jedoch weitgehend friedlich verliefen. Im Iran protestierten Studenten vor der französischen Botschaft und skandierten "Tod für Frankreich" und "Nieder mit den USA". Auch in Afghanistan, dem Irak und Indonesien gab es kleinere Demonstrationen.

Der umstrittene Film "Unschuld der Muslime" stellt den islamischen Propheten Mohammed unter anderem als schwul und als Kinderschänder dar. Allein die Darstellung des Propheten als Mensch ist für strenggläubige Muslime anstößig. Seit dem Beginn der Proteste gegen den Film am 11. September in mehr als 20 Ländern wurden mindestens 30 Menschen getötet, darunter der US-Botschafter in Libyen.

Über antichristliche und antijüdische Gegenpropaganda durch radikale Islamisten auch in Deutschland berichtete Holger Schmidt im Deutschlandfunk.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

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