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Anonyme Quelle enttarnt weltweite Geheimgeschäfte in Steueroasen

Medien erhalten Daten über Steueroasen

Die Sammlung enthält Daten von 130 000 Kunden weltweit. (picture alliance / dpa)
Die Sammlung enthält Daten von 130 000 Kunden weltweit. (picture alliance / dpa)

Eine anonyme Quelle hat internationalen Medien einen riesigen Datensatz über geheime Geschäftspraktiken in Steueroasen zugespielt. Auf der Festplatte finden sich auch Hunderte deutsche Namen - unter ihnen der des Millionenerben Gunter Sachs.

Die Datensammlung liegt unter anderem der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") und dem Norddeutschen Rundfunk vor. Die bislang vertraulichen Dateien belegen, auf welchen geheimen Wegen Reiche und Kriminelle diverse Briefkastenfirmen und Treuhandgesellschaften nutzen, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern.

Sie enthüllen außerdem, wer hinter dubiosen Briefkastenfirmen steckt und wie sogenannte "Trusts" aufgebaut sind. Die Datenmenge aus insgesamt zehn Steueroasen umfasst laut "SZ" 260 Gigabyte und enthält rund 2,5 Millionen Dokumente. Ein Insider spricht nach "SZ"-Angaben von dem "bislang größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft".

Die Dokumente wurden den Angaben zufolge im vergangenen Jahr dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington übergeben. Sie stammen von zwei Firmen, die auf die Errichtung sogenannter Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind und zu den größten Anbietern weltweit gehören.

Nach den Worten des "SZ"-Journalisten Hans Leyendeckerstecken hinter den Offshore-Geschäften oft Drogen- und Schmiergelder, aber auch Systeme der Steueroptimierung. So würden zahlreiche Unternehmen ihre Gewinne auf Tochtergesellschaften, beispielsweise auf den Kaimaninseln, verlagern, um keine Steuern zahlen zu müssen, sagte der leitende politische Redakteur der "Süddeutschen" im Deutschlandradio Kultur.

Auch Gunter Sachs legte Geld an

Der 78 Jahre alte Fotograf Gunter Sachs hat sich in seinem Haus in Gstaad in der Schweiz erschossen. (dapd)Ebenfalls auf der Liste: der verstorbene Millionenerbe Gunter Sachs. (dapd)Etwa 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern werden laut "SZ" in den Unterlagen aufgelistet - unter ihnen Oligarchen, Waffenhändler und Finanzjongleure. Auch Hunderte deutsche Namen seien dabei. Unter den prominenten Steuersündern sei beispielsweise der 2011 verstorbene deutsch-schweizerische Millionenerbe Gunter Sachs.

Der Industriellenerbe legte nach Recherchen der "SZ", des NDR und der Schweizer "Sonntagszeitung" Vermögen in Steueroasen an und deklarierte es bei den Finanzämtern nicht vollständig. Seine Nachlassverwalter weisen die Vorwürfe zurück. Sie erklärten, die Vermögensverhältnisse seien den Steuerbehörden "schon zu Lebzeiten von Herrn Sachs" offengelegt worden.

Einflussreiche Namen in aller Welt

Auch Frankreichs Präsident François Hollande könnte durch die Veröffentlichung weiter unter Druck geraten. Die Zeitung "Le Monde" berichtet, dass sein Wahlkampfmanager Jean-Jaques Augier Aktien an zwei Briefkastenfirmen auf den Cayman-Inseln besitze. Augier bestätigte den Bericht zwar teilweise, betonte aber, nichts daran sei illegal.

Laut einem Bericht des Philippinischen Zentrums für Investigativen Journalismus soll auch die Tochter des philippinischen Ex-Diktators Ferdinand Marcos, Imee Marcos, auf der Liste stehen. Die Regierung in Manila will die Vorwürfe prüfen.

Die britische Zeitung "The Guardian" berichtet in ihrer Online-Ausgabe, dass auch der Premierminister von Georgien auf der Liste stehe. Bidsina Iwanishvili sei als Inhaber von Firmen auf den britischen Jungferninseln gelistet. Diese gelten als eine lukrative Steueroase.

Die jetzigen Enthüllungen, schon unter dem Namen "Offshore-Leaks" bekannt, werden nach Ansicht des NDR-Journalisten Peter Hornung dazu führen, dass bei vielen Leuten die Steuerfahndung anklopfen wird, um herauszufinden, ob es sich bei den Geschäftspraktiken um illegale Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder um legale Steuervermeidung handle.

Europäische Fachleute vergleichen nach "SZ"-Angaben das neue Datenleck mit dem Auftauchen der Steuer-CDs, die vor einigen Jahren Liechtenstein und die Schweiz unter Druck brachten und in beiden Ländern für erhebliche Veränderungen sorgten. Derzeit werten beispielsweise Ermittler in Nordrhein-Westfalen mehrere angekaufte Steuer-CDs aus, auf denen Daten von rund 8600 deutschen Bankkunden in der Schweiz gefunden wurden. Die Aufdeckung von Schwarzgeld in der Schweiz hat nach Angaben des Düsseldorfer Finanzministeriums bisher mehr als 640 Millionen Euro erbracht.


Mehr dazu auf dradio.de:
Offshore-Leaks macht sichtbar, "was lange Zeit versteckt worden ist" - "SZ"-Redakteur Leyendecker über die digitale Enttarnung internationaler Geldverschiebung
"Das wird dazu führen, dass bei vielen Leuten die Steuerfahndung klopfen wird" - Journalist Peter Hornung zu den Hintergründen der sogenannten Offshore-Leaks
Legale Geldanlage im Ausland - Interview mit Hermann-Josef Tenhagen (Finanztest)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

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