Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

Anonyme Samenspende: Mediziner muss Namen preisgeben

Urteil des Oberlandesgerichts Hamm

Wer ist der Vater? Am Anfang von Sarah P.s Leben stand ein anonymer Samenspender
Wer ist der Vater? Am Anfang von Sarah P.s Leben stand ein anonymer Samenspender (Universität Bonn)

Die Tochter eines anonymen Samenspenders hat beim Oberlandesgericht Hamm das Recht auf die Herausgabe des Namens ihres biologischen Vaters erstritten. Das Gericht begründete das Urteil mit dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Die 22jährige Sarah P. erfuhr erst vor vier Jahren, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist. Ihre Mutter hatte sich mit einer anonymen Samenspende befruchten lassen. Sarah P. hatte zunächst erfolglos gegen den verantwortlichen Reproduktionsmediziner vor dem Landgericht Essen geklagt: Sie wollte den Namen ihres leiblichen Vaters erfahren. Der Arzt wehrte ab. Er berief sich auch darauf, dass die Daten zu dem Fall nicht mehr vorliegen. Doch nun hat das Oberlandesgericht Hamm in zweiter und letzter Instanz entschieden, dass die Tochter ein Recht darauf hat zu wissen, wer ihr Vater ist. Die Richter werteten das im Grundgesetz festgelegte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit höher als das Recht eines Spenders auf Anonymität.

Sarah P. wird wohl dennoch nicht herausfinden können, wer der Mann ist, mit dessen Samen sie gezeugt wurde. Denn die Unterlagen zu ihrem Fall existieren nicht mehr. Unterlagen zur Samenspende sind medizinische Akten und konnten bis 2007 nach zehn Jahren vernichtet werden. Erst seit 2007 müssen sie 30 Jahre lang aufbewahrt werden.

Die Spenderkinder werden erwachsen

Die Frage der Bevormundung von Kindern, die durch Samenspenden erzeugt sind, beschäftigt Gerichte in Deutschland schon seit Längerem. Viele anonym gezeugte Kinder haben das Erwachsenenalter erreicht und können sich nun auch juristisch mit der Frage ihrer Herkunft beschäftigen.

Oft erfahren sie von ihrem Schicksal, wenn zum Beispiel bei einer Schwangerschaft beim Blick in den Mutterpass ihre Blutgruppen nicht mit der ihrer Eltern übereinstimmt. Reproduktionsmediziner wie der jetzt beklagte Essener Arzt gehen von rund 100.000 Kindern in Deutschland aus. Der Verein "Spenderkinder" schätzt, dass fünf bis zehn Prozent davon wissen, dass sie durch Samenspende gezeugt wurden.

Andreas Hammel, Leiter der Erlanger Samenbank, spricht sich für den Schutz der Spender aus. Im Deutschlandradio Kultur sagte er, Spender müssten "hundertprozentig geschützt" sein vor finanziellen Forderungen. Außerdem kritisiert Hammel, es gebe keinerlei Rechtsverordnung, die regele, wie ein Zusammentreffen zwischen Spender und Kind stattfinden könne und ob es überhaupt zulässig sei.

Bereits 1989 hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass es zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen gehört, seine genetische Herkunft zu kennen. Aus diesem Urteil wurde jedoch bis heute keine gesetzliche Regelung zur Dokumentation der Spenderdaten abgeleitet.


Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:

Vater gesucht - Spenderkinder fragen nach ihrer Herkunft
"Wenn so ein Verzicht erklärt wird, ist das null und nichtig"- Anwältin Wagner: Auch Samenspender sind unterhaltspflichtig

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Eine Welt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Kakadu

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

TibetDer stille Kampf um Identität

Mehrere tibetische Frauen in traditioneller tibetischer Kleidung

In Tibet bekennen sich immer mehr junge Musiker und Bands mit ihrer Kunst zum buddhistischen Glauben und zur tibetischen Kultur und Sprache. Die Popmusik wird zu einem Ausdruck bedrohter Identität.

TSV Friedland 1814200 Jahre Turnsport

Das historische Gebäude der ehemaligen Wassermühle in Friedland in Mecklenburg-Vorpommern

Er hat ein Kaiserreich, zwei Weltkriege, eine deutsche Teilung und den Mauerfall überdauert: Der TSV Friedland 1814 ist der älteste Sportverein hierzulande. Wenn das kein Grund zu feiern ist.

Ukraine-KonfliktBundesregierung verhalten optimistisch

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vor einer Deutschland-Flagge während einer Pressekonferenz in Berlin.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich nach der Einigung auf das weitere Vorgehen in der Ukraine überrascht: In Genf sei mehr erreicht worden, als viele erwartet hätten. 

Urbane LändlichkeitVon wegen hinterwäldlerisch

Ein Fuchs sitzt unter einem Baum im Park, daneben spazieren Menschen. (dpa)

Das Neonlicht beleuchtet Facetten von Provinz, entdeckt Sehnsucht nach Ländlichkeit im urbanen Raum, beobachtet dörfliches Leben in Istanbul und findet heraus, warum sich Wildtiere im Großstadtdschungel pudelwohl fühlen.

Eltern-AlarmMit Mama und Papa in die Uni

Studenten sitzen in einem Hörsaal der Universität Koblenz-Landau

Helikopter-Eltern, die noch während des Studiums ihrer Kinder die Fäden fest in der Hand halten, sind keine Seltenheit mehr. Doch überengagierte Eltern können ihren Kindern auch schaden.

Kalifornien Melange aus Hippies und Hipstern

Der Erdschatten und der Gürtel der Venus über San Francisco

Wolfgang Stuflesser, ARD-Korrespondent in Los Angeles, berichtet über die Filmwirtschaft in Hollywood genau so wie über die großen Internetfirmen im Silicon Valley. Sein Berichtsgebiet reicht bis Hawai - wäre schön, wenn er beruflich endlich mal dorthin müsse.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Putin: "Bessere Beziehungen  zum Westen möglich" | mehr

Kulturnachrichten

Weltweite Anteilnahme  am Tod Gabriel Garcia Marquez´ | mehr

Wissensnachrichten

Abitur  Abitur: G8 oder G9 macht keinen Unterschied | mehr