Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Antibiotika bei Masttieren: Gesetzentwurf umstritten

Das Bundeskabinett hat eine Änderung des Arzneimittelgesetzes beschlossen

Legehennen an einem Futterband (AP)
Legehennen an einem Futterband (AP)

Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant, eine Datenbank für den Antibiotika-Einsatz bei Masttieren einzuführen. Erklärtes Ziel ist es, den Einsatz der Medikamente deutlich zu reduzieren - doch Kritiker wie der nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister Johannes Remmel sehen in dem Entwurf "eine Mogelpackung".

Dem Landwirtschaftsministerium zufolge soll das überarbeitete Gesetz dafür sorgen, dass der Einsatz von Antibiotika bei der Haltung von Masttieren auf ein "therapeutisches Mindestmaß" reduziert wird. Mit einer bundesweiten Datenbank sollen ihn die Überwachungsbehörden der Bundesländer besser erfassen und kontrollieren können. Tierhalter müssen den Einsatz von Antibiotika umfassender als bisher dokumentieren, bestimmte Wirkstoffe sollen außerdem schwerer als bisher eingesetzt werden können. Der Hintergrund: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland gut 1700 Tonnen Antibiotika in der Tierhaltung eingesetzt – das sind mehr als doppelt so viel wie noch 2005.

Die Grünen kritisieren die Pläne Aigners als völlig unzureichend. "Mit den vorgestellten Maßnahmen wird sich an den horrenden Antibiotikamengen, die in der Tiermedizin eingesetzt werden, in den nächsten Jahren gar nichts ändern", sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn.

Scharfe Kritik kam auch aus Düsseldorf: Das Gesetz komme zu spät, werde den Antibiotikamissbrauch nicht zeitnah aufdecken und führe auch zu mehr Bürokratie, sagte Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) in Düsseldorf. "Stattdessen stellt Ministerin Aigner einen Freibrief für den massiven Antibiotikaeinsatz aus", so Remmel, der Nachbesserungen forderte. Dazu gehörten ein klares Reduzierungsziel für den Einsatz von Antibiotika und eine umfassendere Kontrolle. "Es bringt den Kontrolleuren nichts, wenn sie nur ein Mal oder zwei Mal im Jahr erfahren, wo vor vier oder fünf Monaten übermäßige Mengen von Antibiotika eingesetzt worden sind", sagte Remmel. Ein Eingreifen wäre dann bereits zu spät.

Aigner: "Reform wird die Lage verbessern"

Ilse Aigner, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (CSU) (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Ilse Aigner, Landwirtschaftsministerin(CSU) (Deutschlandradio - Bettina Fürst-Fastré)Auf die Forderung, die Einsatzmenge von Antibiotika per Gesetz zu begrenzen, entgegnete Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CDU): "Das Maßnahmenpaket auf ein Mengenziel zu verkürzen, wäre verfehlt, denn es würde Industrie und Veterinäre dazu einladen, künftig auf noch höher dosierte Arzneimittel umzusteigen."

Aigner bezeichnete das Vorhaben insgesamt als eine der tiefgreifendsten und ehrgeizigsten Reformen der Tierarzneimittel-Gesetzgebung. "Wir können den Einsatz von Antibiotika in Deutschland innerhalb weniger Jahre deutlich senken, wenn die Länder und der Bund an einem Strang ziehen", sagte sie.

Zunahme resistenter Erreger, Zweifel bei den Tierärzten

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung steht massiv in der Kritik, weil er die Entwicklung resistenter Erreger begünstigt: Immer mehr Menschen sprechen daher auf eine Behandlung mit Antibiotika nicht mehr an. Das Landwirtschaftsministerium will deshalb zusätzlich ein Verbot für die Mittel prüfen, die bei der Heilung von Menschen eine besondere Rolle spielen.

Tierärzte haben große Zweifel an der Strategie des Landwirtschaftsministeriums. Die Behörden würden mit der Umsetzung des neuen Arzneimittelgesetzes überfordert sein, warnte der Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte. Der Verband befürchtet, dass den Behörden die fachliche Kompetenz fehlt.

Das Gesetz kann vorbehaltlich der Zustimmung im Bundestag voraussichtlich im Frühjahr 2013 in Kraft treten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Eine Welt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Breitband

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

IndonesienErste internationale Konferenz farbiger Völker

Blick in den Tagungsraum der Konferenz von Bandung, aufgenommen im April 1955 (dpa - Bildarchiv)

Vor 60 Jahren - im April 1955 - trafen sich im indonesischen Bandung Vertreter von 1,4 Milliarden Menschen. Mehr als 1.000 Repräsentanten von 29 souveränen Staaten und 30 Befreiungsbewegungen kamen zusammen, um über ein Ende der Ausbeutung zu diskutieren.

BUGA 2015Eine "große Chance" für das Havelland

Gelbe Blumen auf einer Wiese (deutschlandradio.de / Daniela Kurz)

Am Samstag eröffnet die diesjährige Bundesgartenschau, bei der mit dem Havelland erstmals eine ganze Region Gastgeber ist. "Eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance", meint Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD).

"#regrettingmotherhood"-DebatteFrauen müssen auch bereit sein, Verantwortung abzugeben

Ein Zusatzschild eines Verkehrsschildes zeigt in Berlin eine Familie mit Kinderwagen. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

In der Debatte um die neuen Rollen von Müttern und Vätern sieht der Vorsitzende des Bundesforums Männer, Martin Rosowski, auch die Frauen in der Verantwortung: Viele pflegten auch den Muttermythos, Frauen könnten Kindererziehung besser als Männer.

Hans-Wilhelm Müller-WohlfahrtEin Guru geht

Franck Ribery (l.) und Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt machen Späße (picture alliance / dpa /  Alexander Hassenstein)

Himmel-Herrgott-Sakrament, was ist nur beim FC Bayern los? Da entpuppt sich der Trainer als ein Wolf im Schurwoll-Sakko und Rolex-Rummenigge, der Vorstandschef, bekommt nichts mit. Das macht Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Mediziner-Guru mit dem kernigen Indianergesicht, nicht mehr mit.

VW-MachtkampfDer Sieger heißt Piëch

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volkswagen AG, Ferdinand Piech. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht anders aussieht - Ferdinand Karl Piëch hat sich im Machtkampf mit Vorstandschef Martin Winterkorn bei VW wieder mal durchgesetzt, kommentiert Andreas Kolbe. Die Ära Winterkorn wird zu Ende gehen. Piëch hat längst damit begonnen, den Generationswechsel in die Wege zu leiten.

Völkermord vor 100 JahrenArmenien in der türkischen Literatur

Eine Gruppe armenischer Flüchtlinge aus dem osmanischen Reich 1915 in Syrien (picture alliance / dpa / Library of Congress)

Der Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren war bis vor Kurzem in der türkischen Gesellschaft tabu. Die Literatur aber hat geholfen, das Schweigen zu brechen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

TTIP:  Gegner halten Schiedsgerichte für überflüssig | mehr

Kulturnachrichten

Bundesgartenschau an der Havel startet  | mehr

Wissensnachrichten

Weltraum  Espresso-Maschine auf ISS angekommen | mehr