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Antonio Tabucchi gestorben

Grenzgänger zwischen italienischer und portugiesischer Kultur

Der italienische Schriftsteller Antonio Tabucchi  am 15.03.2010 (picture alliance / dpa /Toni Albir)
Der italienische Schriftsteller Antonio Tabucchi am 15.03.2010 (picture alliance / dpa /Toni Albir)

Mit seinem Roman "Erklärte Pereira" wurde er weltberühmt. Mehrfach galt er als Kandidat für den Literaturnobelpreis. Heute starb der italienische Schriftsteller Antonio Tabucchi nach langer Krankheit in seiner Wahlheimat Portugal.

Politische Missstände und die Verteidigung der Demokratie - bei diesen Themen nahm Antonio Tabucchi kein Blatt vor den Mund. Ähnlich wie der Held in seinem bekanntesten Romans, "Erklärt Pereira", wurde der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler mit den Jahren immer mehr zum kritischen Zeitzeugen. Die Amtsgeschäfte von Silvio Berlusconis kritisierte er stets scharf. Er habe keine Lust, in einem Land zu leben, das Bürgerwehren autorisiert, Immigration als Verbrechen bezeichnet und ihn einmal zur künstlichen Ernährung zwingen könnte, kommentiert Tabucchi einmal die politische Situation in seinem Heimatland in einem Interview. Seine Wahlheimat wurde Portugal.

Ein antifaschistischer Denker

Tabucchi war bis zu dem Erscheinen von "Erklärt Pereira" ein Autor für sehr wenige Leser, sagt der Verleger Michael Krüger im Deutschlandfunk. "Dieser Pereira erklärt dem Publikum die Welt", so Krüger. Der Roman thematisiert die Zeit der portugisischen Militärdiktatur. Das Buch dokumentiere, dass Tabucchi ein antifaschistischer Denker war, so Krüger.

Tabucchi war ein herausragender Kenner und Übersetzer des Werkes des portugiesischen Autors Fernando Pessoa. Vielen Literaturexperten galt er als "Grenzgänger zwischen italienischer und lusitanischer Kultur". Eines seiner schönsten Bücher, "Lissabonner Requiem" (1998), ist sogar auf Portugiesisch verfasst. Der gebürtige Toskaner erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter der "Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur" und der italienische "Premio Campiello".

Tabucchis Erzählungen und Romane liegen meist irgendwo zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit. Er zeigte als eine Art moderner E.T.A. Hoffmann in der alltäglichen Wirklichkeit das Fantastische, Mysteriöse und Bedrohliche auf. Für viele Kritiker war das seine eigentliche Stärke. Auch die Irrwege des Schicksals und die Unumkehrbarkeit der Zeit waren immer wieder Thema seiner Werke. Auf Deutsch erschien 2005 die Erzählung "Tristano stirbt". Hier beschreibt Tabucchi die Lebenserinnerungen eines Sterbenskranken. Schreiben war für Tabucchi ein kostbares Gut: "Die Stimme ist Leben, das Schweigen ist gar nichts, das Schreiben hingegen ist wie ein Kristall, der am Ende übrig bleibt." Am Sonntag erlag der 68-jährige Schriftsteller in Lissabon einem Krebsleiden.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

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