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Apokalypse in der Idylle

US-Atomwaffen in der Eifel

Von Ludger Fittkau

Auf dem Gelände des Fliegerhorsts Büchel in der Eifel werden vermutlich US-Atomwaffen gelagert.  (picture alliance / dpa / Thomas Frey)
Auf dem Gelände des Fliegerhorsts Büchel in der Eifel werden vermutlich US-Atomwaffen gelagert. (picture alliance / dpa / Thomas Frey)

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die letzten US-Atomwaffen in Deutschland auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in der Eifel gelagert sind. Die schwarz-gelbe Bundesregierung wollte ihren Abzug. Doch nun deutet alles darauf hin, dass die Waffen weiterhin in Rheinland-Pfalz bleiben.

Ein Tornado des 33. Jagdbombergeschwaders der Bundeswehr rollt auf die Startbahn des Fliegerhorstes Büchel in der Südeifel. Nach dem Start wird der Pilot die Felder und Wiesen nordwestlich der Mosel überfliegen bevor er die Maare in den Blick bekommt – die Kraterseen der Vulkane der einzigartigen Landschaft der Vulkaneifel, in deren Untergrund es an manchen Stellen immer noch rumort.

Doch das, was der Tornadopilot am Boden auf dem Gelände des Fliegerhorstes Büchel hinter sich lässt, ist ebenfalls apokalyptisch. Denn in Büchel, so vermutet Marlis Kohnle-Gros, die stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag. liegen die letzten US-Atombomben auf deutschem Boden- bewacht von der Bundeswehr:

"Sie wissen ja, alles ist geheim, man weiß nicht wirklich, wo wie viele Waffen tatsächlich liegen, aber jeder weiß, dass die Nato diese Strategie der atomaren Abschreckung weiter fährt."

Ein Werbefilm der Luftwaffe für das Kampfflugzeug Tornado, das auch auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel stationiert ist. Dort eben vermutlich nicht nur im Dienst der Bundeswehr, sondern auch, um US-amerikanische Atomwaffen im Ernstfall in das Zielgebiet zu transportieren.

Offiziell wird weder bestätigt noch dementiert, dass die Nuklearwaffen auf den Eifelhöhen liegen – knapp 17 Kilometer vom beliebten Urlaubsort Cochem an der Mosel entfernt. Ein Anwohner, der seinen Namen nicht nennen will behauptet, er habe die Atombomben bei einem Arbeitseinsatz auf dem Fliegerhorst Büchel gesehen:

"Das ist ja da unten, wo die alle gelagert sind. Und ich habe die gesehen, vor meinen Augen. Die haben die auf jeden Fall. Und wir durften die eigentlich nicht sehen, die haben uns nämlich bedroht mit Waffen."

Offiziell hat das Jagdbombergeschwader 33 mit seinen Tornados auf dem Fliegerhorst Büchel den Auftrag, US-Einrichtungen in der Bundesrepublik zu bewachen. Dass dies in der Eifel auch Lagerplätze für Nuklearwaffen sind, ist aber auch bei den Politikern vor Ort ein offenes Geheimnis. Alfred Steimers, Bürgermeister der Eifel-Verbandsgemeinde Ulmen, zu der der Fliegerhorst Büchel gehört, begrüßt sogar die Atomwaffen in der Region. Sie sichern rund 600 Zivilarbeitsplätze:

"Wir sind keine Atomwaffenfans. Aber wir wissen, solange die A-Waffen dort sind oder das Geschwader eine entsprechende Sonderrolle hat. Sind wir auch relativ sicher, dass das Geschwader auch gesichert bleibt. Diese Zahl der Arbeitsplätze wäre nicht zu ersetzen. Das könnten wir auf Jahrzehnte hin nicht kompensieren."

Dennoch wollte Steimers Partei, die CDU, den Abzug der Atomwaffen aus Büchel – so war es im Koalitionsvertrag der jetzigen Regierungsparteien in Berlin vereinbart. Marlis Kohnle-Gros, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag beschreibt, wie die Bundesregierung den Atomwaffenabzug aus der Eifel durchsetzen wollte:

"Die Bundesregierung hat ja in Person des Außenministers auf einer Konferenz in Tallin versucht, die Nato-Partner auf die Seite des Koalitionsvertrages zu ziehen. Das ist ergebnislos verlaufen, weil viele Länder an dieser atomaren Strategie der NATO festhalten wollen."

Tabea Rößner ist die Spitzenkandidatin der rheinland-pfälzischen Grünen für die Bundestagswahl. Sie verweist auf eine Studie des Berliner Informationszentrums für transatlantische Sicherheit:

"Diese Studie hat uns aufhorchen lassen. Denn dort heißt es ja, das US-Militär plant eine Lebensverlängerung der Atomsprengköpfe. Mit dieser Modernisierung soll eine bessere Lenkung mit mehr Einsatzmöglichkeiten vorhanden sein. Und das bedeutet für die Menschen in Büchel und in der Region, dass sie eben noch länger auf einem atomaren Pulverfass sitzen."

Eine Vorstellung, die in der Eifel Sorgen bereitet:

"Ja schon, weil wir auch Kinder haben, ist schon beunruhigend dann."

"Ich kenne auch genug Leute, die da arbeiten, seit Jahren schon. Ist ein bisschen beunruhigend, aber man kennt es nicht anders."

"Ich gehe davon aus, dass das alles ordentlich abgesichert ist und das man da keine Angst haben muss davor."

Merkel, schaff die Bomben weg – ein Sprechchor während einer früheren Protestaktion von Friedensgruppen in Büchel. Doch wie es aussieht, muss man sich in der Eifel darauf einstellen, dass die Atomwaffen, die es offiziell gar nicht gibt, weiterhin dort stationiert bleiben. Und die Tornado-Piloten des Luftwaffengeschwaders 33 werden weiterhin dafür üben, im Kriegsfall auch Atomwaffen aus Rheinland-Pfalz in ein Einsatzgebiet transportieren zu können. Im Werbefilm der Bundeswehr klingt das dann so:

"Doch nicht nur die Flugkünste der Piloten werden hier auf die Probe gestellt. Auch der scharfe Schuss und der Abwurf von Übungsbomben gehören hier zur Ausbildung."

Dagegen, dass diese Ausbildung jedoch auch dem Einsatz von Atombomben dienen könnte, sind auch 2013 wieder Kundgebungen in der Eifel geplant – in den vergangenen Jahren waren sie allerdings eher klein:

"Auch Soldaten finden das unerträglich, dass derart barbarische Waffen existieren, dass sie an solchen Waffen ausgebildet werden und dass sie solche Waffen auf Befehl einsetzen sollen."

Nichts ist offiziell, das Bundesverteidigungsministerium bestätigt oder dementiert die Existenz von Atomwaffen in Büchel auf Anfrage des Deutschlandfunks nicht. Doch bis auf weiteres muss man in der Südeifel davon ausgehen, dass man auch in Zukunft mit den Atomwaffen zu leben hat.

Die neue rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer muss sich erst noch in das Thema einarbeiten, sagt sie. Ihrem Mainzer Koalitionspartner, den rheinland-pfälzischen Grünen, ist es zurzeit deutlich zu ruhig bei dem Thema. Die grüne Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner will die Bomben jetzt bei der kommenden Bundestagswahl zum Thema machen:

"Ich würde mir auch wünschen, dass es einen größeren Aufschrei in der Region gibt, das ist mir selber ein Rätsel. Meine Vermutung ist, dass nach dem Kalten Krieg die atomare Gefahr nicht mehr so als akut empfunden wird."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

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