Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Arabische Angriffe auf Botschaften verurteilt

Merkel: Religiöser Fanatismus darf nicht die Oberhand gewinnen

Feuer und wütende Proteste auf dem Gelände der Deutschen Botschaft im Sudan (picture alliance / dpa)
Feuer und wütende Proteste auf dem Gelände der Deutschen Botschaft im Sudan (picture alliance / dpa)

Die internationale Staatengemeinschaft hat die zornigen, gewaltsamen Proteste gegen US-amerikanische und europäische Botschaften in islamisch geprägten Ländern verurteit. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Gewalt dürfe nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein.

Radikale Islamisten in arabischen Ländern sind außer sich wegen eines US-Videos, das den islamischen Propheten Mohammed lächerlich macht. Nachdem sie am Freitag auch die Botschaft Deutschlands und Großbritanniens angriffen und in Brand setzten, ist die internationale Staatengemeinschaft - und vor allem der Westen - in "großer Sorge", wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) formulierte. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Angriffe scharf. Er forderte die Regierungen der betroffenen Staaten auf, ihrer Pflicht zum Schutz von Diplomaten nachzukommen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Attacken "absolut inakzeptabel".

Nach den Freitagsgebeten waren die Proteste eskaliert. Kundgebungen fanden unter anderem in Tunesien, Ägypten, im Libanon, im Jemen, im Iran und im Irak statt. Insgesamt kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum stürmten zahlreiche Menschen das Gelände der deutschen Botschaft und zerstörten Teile der Einrichtung. Die Mitarbeiter hätten sich zuvor in Sicherheit gebracht, hieß es in Berlin.

Bundesregierung verurteilt Gewalt

Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU (dpa / Maurizio Gambarini)Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU (dpa / Maurizio Gambarini)"Die anhaltenden gewaltsamen Ausschreitungen in der arabischen Welt erfüllen mich mit großer Sorge", sagte die Bundeskanzlerin. "Ich verurteile die Angriffe auf die deutsche Botschaft in Khartum sowie auf mehrere amerikanische Botschaften in aller Schärfe." Religiöser Fanatismus dürfe nicht die Oberhand gewinnen. "Gewalt darf nie Mittel der politischen Auseinandersetzung sein." Merkel rief alle Beteiligten zu "Ruhe und Besonnenheit".

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte auch den Auslöser der Protestwelle, einen anti-islamischen US-Amateurfilm über den islamischen Religionsstifter Mohammed, in aller Schärfe. Es sei eine "Beleidigung von vielen Millionen Menschen, aber auch dieses törichte und schreckliche Video rechtfertigt keine Gewalt", sagte Westerwelle im ARD-Fernsehen.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz, nannte die Veröffentlichung des Videos auf der Internetseite der Splitterpartei Pro Deutschland im Deutschlandfunk "absolut unverantwortlich", sagte Polenz im Deutschlandfunk. Dadurch werde die Gefährdung für deutsche Einrichtungen im Ausland erhöht. "Auch in Deutschland gilt die Meinungsfreiheit nicht schrankenlos. Wir haben einen Paragraphen 166 Strafgesetzbuch, der die Beleidigung religiösen Bekenntnisses und von Weltanschauungsgemeinschaften unter Strafe stellt. Ich würde gerne sehen, dass die Staatsanwaltschaft und die Polizei prüft, ob der Film nicht diesen Tatbestand erfüllt."

Obama: USA werden standhaft bleiben

US-Präsident Barack Obama (dpa/ picture alliance / Pablo Martinez Monsivais)US-Präsident Barack Obama (dpa/ picture alliance / Pablo Martinez Monsivais)Die USA wappnen sich für eine längerfristige Auseinandersetzung mit dieser antiwestlichen Gewalt. Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, "wir müssen darauf vorbereitet sein, dass diese Demonstrationen außer Kontrolle geraten". In den Jemen und den Sudan seien bereits Sondereinsatzkommandos entsandt worden. "Wir werden standhalten angesichts der Gewalt gegen unsere diplomatischen Missionen", sagte US-Präsident Barack Obama bei einer Trauerfeier für die vier beim Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi getöteten Diplomaten. "Ihr Opfer werdet niemals vergessen werden. Wir werden diejenigen, die sie uns genommen haben, zur Rechenschaft ziehen."

Ermittlungen gegen Regisseur

Die US-Regierung betonte das Recht auf freie Meinungsäußerung und kam der Bitte arabischer Regierungen nach, die Macher des Videos zurechtzuweisen. US-Polizisten verhören den Regisseur. Sie prüfen einen möglichen Verstoß gegen Bewährungsauflagen, das Internet nicht zu nutzen und seinen Namen nicht zu ändern. Das Video wurde unter Pseudonym bei Youtube hochgeladen. Die Produzenten erklärten, ihr Film werde missverstanden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Spielweisen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:30 Uhr Hörspiel

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Ab 21

Aus unseren drei Programmen

Psychiater über InternetWie die Sucht nach Zucker

Ein junger Mann sitzt am 03.03.2017 in Frankfurt am Main (Hessen) in einer S-Bahn und benutzt dabei sein Smartphone. (dpa / picture-alliance / Hauke-Christian Dittrich)

Macht die exzessive Nutzung von Internet und Smartphone uns langfristig süchtig und krank? Komplette Abstinenz hält der Psychiater Jan Kalbitzer für unsinnig. Viel wichtiger sei es, schon früh Impulskontrolle zu üben, um zu einem gesunden Umgang mit digitalen Medien zu finden.

Debatte um "Erklärung 2018"Was verrät der Beruf über die politische Haltung?

Gezeichnete Fäuste recken vor rotem Hintergrund Stethoskop, Stift und Richterhammer in die Höhe (imago stock&people/Eva Bee)

Plötzlich stehen sich zwei bürgerliche Lager gegenüber: Die Unterzeichner der "Erklärung 2018" kritisieren Merkels Flüchtlingspolitik. Die Unterzeichner der "Antwort 2018" wiederum distanzieren sich von der "Erklärung 2018" - zwei Eliten im Vergleich.

KlosterschließungDie Braut Christi muss raus

Claudia Schwarz, die in dem aufgelösten Birgitten-Kloster Altomünster lebt und dort Nonne werden will, im Landgericht München II. Der Prozess um die letzte Bewohnerin im aufgelösten Kloster Altomünster und die Vollstreckung einer Räumungsklage der Erzdiözese München und Freising wird fortgesetzt. (picture alliance /dpa / Lino Mirgeler)

Claudia Schwarz möchte Nonne werden. Sie zog ins Kloster Altomünster bei Dachau. Doch aus dem Kloster soll ein Tagungszentrum werden. Schwarz blieb, kämpfte gegen die Schließung und wurde aus Sicht der katholischen Kirche eine Hausbesetzerin. Jetzt fügt sie sich dem Vatikan - und zieht aus.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Haftstrafen für "Cumhuriyet"-Mitarbeiter | mehr

Kulturnachrichten

Lange Haftstrafen für "Cumhuriyet"-Journalisten | mehr

 

| mehr