Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Arabische Liga erwartet Ende des Assad-Regimes

Das Deutsche Rote Kreuz hält Lage der syrischen Flüchtlinge für besorgniserregend

Assad wird nicht mehr lange Widerstand leisten können, sagt der Präsident der Arabischen Liga, al-Arabi (picture alliance / dpa / Mazen Mahdi)
Assad wird nicht mehr lange Widerstand leisten können, sagt der Präsident der Arabischen Liga, al-Arabi (picture alliance / dpa / Mazen Mahdi)

Die Tage Baschar al-Assads sind gezählt. Davon ist die Arabische Liga überzeugt. Kopfzerbrechen bereiten dem Ausland die chemischen Kampfstoffe im syrischen Besitz. Die Kämpfe im Land - vor allem in Aleppo - dauern an. Mehr als 100.000 Syrer sollen bereits außer Landes geflüchtet sein. Auch in der Gegend um Damaskus entstehen immer mehr Notunterkünfte.

Wann der Sturz von Präsident Baschar al-Assad kommt, könne er zwar nicht sagen. Aber er werde dem Aufstand gegen ihn nicht mehr lange standhalten können, meint Nabil al-Arabi, Chef der Arabischen Liga. "Das Regime kann nicht mehr lange weitermachen", sagte er der Zeitung "Al-Hayat". Es gehe in Syrien nicht mehr um politische Reformen, sondern um einen Machtwechsel.

Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan sieht das ähnlich. Eine türkische Nachrichtenagentur zitiert ihn mit den Worten, das syrische Volk sei einem Sieg so nah wie noch nie.

Verlegung der Chemiewaffen

General a. D. Klaus Reinhardt, ehemaliger Oberbefehlshaber der KFOR-Friedenstruppe im Kosovo (Deutschlandradio / Bettina Straub)General a.D. Klaus Reinhardt, ehemaliger Oberbefehlshaber der KFOR-Friedenstruppe im Kosovo (Deutschlandradio / Bettina Straub)Sorge bereiten die Chemiewaffen, über die Assad verfügt. Nach Angaben der Rebellen wurden die Kampfstoffe an grenznahe Flughäfen des Landes verlegt. Die oppositionelle Freie Syrische Armee sagte, bereits vor Monaten seien erste Chemiewaffen verlegt worden.

Ähnliche Informationen hat auch die israelische Regierung. Assad habe einen Teil der Waffen zu Stützpunkten gebracht, die weit entfernt von den Kampfzonen liegen, berichtet die israelische Zeitung "Haaretz" unter Bezug auf Regierungskreise. Damaskus versuche zu verhindern, dass Giftgas in die Hände von Extremisten falle. Assad gehe verantwortungsvoll mit den Chemiewaffen um, so das Fazit. Israel fürchtet, dass die Waffen beispielsweise in die Hände der libanesischen Hisbollah fallen könnten. In dem Fall sei sein Land zum Krieg bereit, sagte Israels Außenminister Avigdor Lieberman in Brüssel.

Der ehemalige KFOR-Oberbefehlshaber Klaus Reinhardt warnt vor solchen Mutmaßungen. Man habe beim Ausbruch des zweiten Golfkrieges gesehen, wie mit Chemiewaffen und mit biologischen Waffen "gespielt" worden sei - sehr schnell würde so etwas in die Öffentlichkeit getragen. Es gebe keinen Hinweis, dass solche Waffen an die Hisbollah bereits weitergegeben worden seien, sagte Reinhard im Deutschlandfunk.

Obama: Die Welt schaut zu

Barack Obama bei der Trauerfeier in Tucson (AP)Barack Obama bei der Trauerfeier in Tucson (AP)Die jüngste Drohung Syriens mit seinem Chemiewaffenarsenal hatte Washington zu einer deutlichen Reaktion veranlasst. Damaskus solle keinen "tragischen Fehler" machen, sagte Präsident Barack Obama. "Angesichts des Arsenals chemischer Waffen in Syrien werden wir Assad und seinen Anhängern deutlich machen, dass die Welt zuschaut und dass sie von der internationalen Gemeinschaft zur Verantwortung gezogen werden", sagte Barack Obama in Nevada.

Ein Sprecher des syrischen Außenministeriums hatte gestern die Verwendung von chemischen Kampfstoffen gegen "ausländische Aggressoren" nicht ausgeschlossen. Gegen die eigenen Bürger werde man sie aber niemals einsetzen. Die Äußerungen bieten Raum für Interpretationen, denn die syrische Führung macht für die Kämpfe im Land stets vom Ausland unterstützte Terroristen verantwortlich. Inzwischen ist das Regime aber wieder zurückgerudert - Syrien würde "niemals chemische und biologische Waffen nutzen", erklärte der Sprecher des Außenministeriums Dschihad Makdissi nach Angaben des staatlichen Fernsehens.

Die Kämpfe in Syrien gingen unterdessen weiter. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur meldete, in Aleppo hätten die Soldaten der Regierung den Rebellen schwere Verluste zugefügt. In der Millionenstadt soll es Kämpfe in mehreren Vierteln geben. Die Hauptstadt Damaskus scheint nach den jüngsten Kämpfen wieder unter der Kontrolle der Regierungstruppen zu sein.

EU-Innenminister befürchten Flüchtlingswelle

Syrische Flüchtlinge im Lager Reyhanli an der türkische Grenze zu Syrien (picture alliance / dpa - Jean Rene Auge/wostok Press)Syrische Flüchtlinge im Lager Reyhanli an der türkische Grenze zu Syrien (picture alliance / dpa - Jean Rene Auge/wostok Press)Die Europäische Union könnte sich schon bald einem Flüchtlingsstrom aus Syrien gegenüber sehen. Das erklärte die EU-Ratsvorsitzende, die zyprische Innenministerin Eleni Mavrou, bei einem Treffen mit ihren europäischen Amtskollegen in Nikosia. Noch seien vor allem die Nachbarländer Syriens von dem Flüchtlingsproblem betroffen. Das könne sich aber rasch ändern, wenn die Versorgung dort nicht mehr gelinge. Nach UN-Schätzungen haben mehr als 100.000 Syrer das Land bereits verlassen. Zypern ist nur rund 100 Kilometer von der syrischen Küste entfernt.

Auch für die Flüchtlinge in Syrien selbst ist nach Ansicht des Deutschen Roten Kreuzes die Lage besorgniserregend. Inzwischen seien allein in der Gegend um Damaskus rund 60 Schulen in Notunterkünfte umgewandelt worden, sagte der Präsident der Organisation, Rudolf Seiters, im Deutschlandfunk. Die Situation für die mehr als 10.000 Flüchtlinge dort sei katastrophal. Die einzige Hilfsorganisation vor Ort sei der syrische Rote Halbmond, so Seiters.

Beim Aufbau eines Lagers für syrische Flüchtlinge erhält Jordanien jetzt Hilfe aus Deutschland. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, übernimmt das Technische Hilfswerk die Wasserversorgung im Flüchtlingslager Sa'atari nahe der Grenze zu Syrien. Die Bundesregierung finanziert das Projekt mit 400.000 Euro. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, die steigende Zahl der Flüchtlinge bereite allen große Sorge. Er forderte die Führung in Damaskus auf, den humanitären Helfern freien Zugang zu gewähren.


Mehr auf dradio.de:

"Assad wird sich nicht halten können" - Nahost-Fachmann Jürgen Chrobog über die Zukunft Syriens
Der Anfang vom Ende des Assad-Regimes - ARD-Korrespondent: Anschlag markiert Wendepunkt im Syrienkonflikt
Nahostexperte warnt vor Gefahren eines Zerfalls Syriens - Leiter des Berliner Aspen-Instituts: Eingreifen in Syrien muss genau abgewogen werden
Zweierlei Maß - Libyen, Syrien und das UNO-Konzept der Schutzverantwortung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Kriegsreporter Kurt Pelda"Ein Tag in Syrien kostet mich fast 1.000 Euro"

Zerstörte Straße im Norden von Aleppo. (pa/dpa/Alaeddin)

Der Schweizer Kriegsreporter Kurt Pelda hat die Medien zu einer besseren Berichterstattung über den Krieg in Syrien aufgerufen. Die Medien hätten die Pflicht, über die größte humanitäre Katastrophe der letzten Jahrzehnte zu berichten, sagte er im DLF. Freie Journalisten könnten sich den Aufenthalt in Syrien angesichts der Kosten kaum noch leisten.

Daniel Fuhrhop: "Willkommensstadt"Flüchtlinge in unsere Häuser

Zimmer für Flüchtlinge in Hamburg-Harvestehude (Foto: Axel Schröder)

Für Flüchtlinge müssen keine neuen Wohnungen gebaut werden, schreibt der Architektur-Verleger und Blogger Daniel Fuhrhop. Neubauten würden die Integration sogar erschweren. In "Willkommensstadt" beschreibt er, wie es besser geht.

Psychologie & ErnährungDie Chemie des Glücks

Schokolade soll uns glücklich machen. Stimmt das tatsächlich? Und wenn ja: Warum? Ein Teil der Moleküle, die dafür verantwortlich sind, dass wir Glück empfinden und dass Nahrungsmittel unsere Stimmung beeinflussen, gibt es schon seit Milliarden Jahren.

1 Jahr "Wir schaffen das"Die Jahrhundertaufgabe Integration

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußert sich bei einer Pressekonferenz in Berlin zum Putschversuch in der Türkei. (AFP / John Macdougall)

Vor einem Jahr sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre berühmt gewordenen Worte "Wir schaffen das". Angesichts der Lage der Flüchtlinge sei die Grenzöffnung gerade noch rechtzeitig gekommen, meint DLF-Chefredakteurin Birgit Wentzien.

Burkini-VerbotEs ist nur ein Stück Stoff

Eine Frau schwimmt im Burkini in einem Schwimmbecken. (dpa/ picture-alliance/ Subel Bhandari)

Kleidungsstücke wie Kopftuch, Burka oder Burkini geben Frauen die Möglichkeit, sich in einer für sie fremden Gesellschaft frei zu bewegen und sich zu entwickeln, meint Deutschlandradio Kultur-Wortchefin Marie Sagenschneider. Deshalb sollten wir sie dulden.

Jugoslawien-TribunalDer Schmerz bleibt trotzdem

Als Richter am internationalen Strafgerichtshof sollte Albin Eser für Gerechtigkeit sorgen. Seine Aufgabe: Die Kriegsverbrechen aus den Bosnienkriegen ahnden. Um Frieden und Versöhnung zu schaffen,braucht es aber mehr. Eine Geschichte über das Jugoslawien-Tribunal in Den Haag.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Flüchtlinge  SPD-Chef: "Union hat Herausforderungen der Integration unterschätzt" | mehr

Kulturnachrichten

Großbrand zerstört Kulissen der Prager Filmstudios  | mehr

Wissensnachrichten

Urheberrecht  Streit um Affen-Selfie geht in zweite Runde | mehr