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Arcandor beantragt Insolvenz

Konzern will aber weiterhin über eine Fusion von Kaufhof und Karstadt verhandeln

Regen vor der Zentrale des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor in Essen. (AP)
Regen vor der Zentrale des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor in Essen. (AP)

Der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern Arcandor hat den Kampf gegen die Zahlungsunfähigkeit aufgegeben und beim Amtsgericht Essen einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt. Betroffen sind der Mutterkonzern sowie die Tochtergesellschaften Karstadt, Primondo und Quelle.

Verhandlungen zwischen dem Metro-Konzern und Arcandor über eine Zusammenführung der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof könnten dessen ungeachtet weitergeführt werden.

Notwendiger Schritt

Über das Insolvenzverfahren soll die begonnene Sanierung des Unternehmens fortgesetzt werden. Der Geschäftsbetrieb in den Filialen werde fortgesetzt, die Gehälter der Angestellten seien bis August diesen Jahres gesichert, hieß es in Essen, dem Hauptsitz der Arcandor-Zentrale. Die Großaktionäre würden sich aber weiterhin zu dem Konzern und den Standorten bekennen, hieß es weiter.

Nötig geworden war der Schritt in die Insolvenz, nachdem eine Staatsbürgschaft durch die Bundesregierung abgelehnt worden war und sich die Eigentümer nicht zu einem höheren Beitrag ihrerseits hatten durchringen können.

Regierung blieb sich treu

Die Bundesregierung blieb sich in den gesamten Verhandlungen mit ihrer Ablehnung treu: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte immer betont, dass sie ein stärkeres Engagement der Arcandor-Eigentümer erwarte. Die Vorschläge - kolportiert werden eine Kapitalerhöhung der Haupteignern Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz um 150 Millionen Euro sowie eine Verlängerung der Kredite um sechs Monate - reichen der Bundesregierung nicht.

Auch Experten lehnten weitere Hilfe ab

Unterstützung erhielt die Bundesregierung bei diesem Weg von Experten: So wandte sich der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, gegen staatliche Unterstützung für Arcandor - und verwies auf die Vorzüge des Insolvenzrechts: "Ich kann eigentlich der Bundesregierung nur dringend abraten, sich finanziell bei Arcandor zu engagieren, sondern wirklich auf das Insolvenzplanverfahren zu gehen, denn es ist ja nicht so, dass bei einem Insolvenzplanverfahren die Beschäftigten am nächsten Tag auf der Straße stehen, sondern ganz im Gegenteil", erklärte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklungim Deutschlandfunk. Bis heute seien viele Unternehmen durch solche Verfahren gerettet worden, so Franz weiter.

Trotz des nun angelaufenen Insolvenzverfahrens steht weiterhin ein Zusammenschluss mit der Warenhauskette Kaufhof im Raum. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, hält dies für einen denkbaren Weg, um den angeschlagenen Arcandor-Konzern zu retten: "Ich glaube, die Idee könnte gar nicht so schlecht sein", sagte Haucap im Deutschlandradio Kultur. Allerdings müsse das Kartellamt beziehungsweise die Europäische Kommission sorgfältig prüfen, ob es durch eine Fusion "zu einer Vermachtung von Märkten kommen kann".

Der Sozialphilosoph Oskar Negt hat das Verhalten von Unternehmen und Regierung in der Wirtschaftskrise kritisiert. Wenn selbst Milliardäre Sicherheiten verlangten, enthülle dies zugleich die "Unfähigkeit dieses Kapitalismus, die Gesellschaft vernünftig zu organisieren, wie sich kein radikaler Linker das vorher hat vorstellen können", sagte Negt im Deutschlandradio Kultur.

Arbeitgeber für 86.000 Menschen

Arcandor betreibt drei Geschäftsfelder: Einzelhandel mit dem Warenhaus-Kette Karstadt, Tourismus in Form des Reiseanbieters Thomas Cook und Versandhandel mit den Marken Primondo, Quelle und Hess Natur. Einzig Thomas Cook soll von dem Insolvenzverfahren ausgenommen sein. Für den Konzern arbeiten etwa 86.000 Menschen, davon 53.000 in Deutschland. Eigentümer sind die Familie Schickedanz und des Bankhauses Sal. Oppenheim.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr

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