BildungsZeit
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8.10.2004
Fundraising an deutschen Hochschulen
Bildungstag des Deutschen Fundraising-Verbandes
Von Anke Petermann

In den USA werden Ehemalige von den Hochschulen umworben. (Bild: AP)
In den USA werden Ehemalige von den Hochschulen umworben. (Bild: AP)
Spenden sammeln, Sponsoren ansprechen, Stiftungen organisieren - für die privaten Hochschulen in Deutschland gehört das zum Alltag. Und auch die staatlichen Hochschulen erkennen im "Fundraising" zunehmend die Chance, die knapp bemessenen öffentlichen Mittel aufzustocken. Die ersten Stellen für Fundraiser werden schon ausgeschrieben. Mit welchen Instrumenten Hochschulen professionell und systematisch Gelder beschaffen können - darum geht es auf dem Bildungstag des Deutschen Fundraising-Verbandes in Mainz.

Als unlängst Klaus Töpfer, Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, auf dem Mainzer Campus mit dem dänische Umweltskeptiker Björn Lomborg über die Klimapolitik stritt, berichteten Medien aus aller Welt und machten damit den Namen der Mainzer Universität international publik. Denn: Klaus Töpfer ist 'Johannes Gutenberg Stiftungsprofessor 2004' der 'Freunde der Universität Mainz',

... ein Förderverein, der Aktivitäten unterstützt und der macht z.B. ein Fundraising-Dinner, wo man gegen einen relativ hohen Beitrag ein gutes Essen bekommt, aber das meiste Geld wird nicht "veressen", sondern eben hier dem Zweck der Stiftungsprofessur zugeführt ...

erzählt Jörg Michaelis, Präsident der Universität Mainz, über einen der ersten Schritte im Fundraising. Peter-Claus Burens, Vorsitzender des Deutschen Fundraising Verbandes, wertet diesen Ansatz so:

Das ist PR, wichtig um Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu transportieren. Es befördert aber nicht die Forschung und Lehre. Insofern: positiv, aber es bleiben peanuts.

Noch wird mit Hilfe von Fundraising an den staatlichen Hochschulen nur "das Sahnehäubchen" finanziert, sagt Burens, bei den privaten Neugründungen der letzten 25 Jahre dagegen bauten Spenden die Substanz mit auf. Cornelia Kliment ist Fundraiserin an der ersten deutschen Privatuniversität in Witten-Herdecke:

Wir haben in Witten-Herdecke ein Budget von 30 Millionen Euro und erwirtschaften ein Drittel davon, zehn Millionen über Fundraising. Das ist ein Muss, das könnten wir gar nicht anders, weil wir vom Staat nicht so weit finanziert werden, dass wir auf Fundraising verzichten können.

... und da die öffentlichen Gelder für die staatlichen Hochschulen ebenfalls immer knapper werden, sehen auch sie sich zunehmend gezwungen, Mittel über Spenden und Sponsoring zu akquirieren. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen sie zunächst an ihrem Selbstverständnis arbeiten, meint Cornelia Kliment:

Wenn sie sich begreifen würden als Heimat ihrer Studenten und sie vom ersten Tag an so behandeln, dass sie in Zukunft als begeisterte Förderer in Frage kommen, würde das ein Klima von Zuneigung , Empathie, Involvement schaffen. Setzt aber voraus, dass sich die Hochschulen ganz anders begreifen, als sie es heute tun.

Vorbild sind die USA, wo jährlich rund 30 Milliarden Euro an Privatspenden in die Universitätskassen fließen, der größte Teil davon kommt von den Alumni, zufriedenen Absolventen, die sich mit ihrer Hochschule - egal ob staatlich oder privat - ein Leben lang identifizieren. Für die Vereinigten Staaten gilt, was sich in Deutschland erst noch durchsetzen muss, so Peter-Claus Burens:

Die so genannten Alumni sind Teil jeder Aktivität. Man muss die Menschen da abholen, wo sie sind und wo sie einen Nutzen erfahren haben.

Spender haben kein Interesse daran, allgemeine Mittelkürzungen abzufangen, sagt der Präsident der Universität Mainz - die meisten wollen konkrete Projekte fördern: einen Lehrstuhl, eine neue Forschungsrichtung, vielleicht auch einen Hörsaal, der dann ihren Namen trägt. Und wo müssen die Fundraiser beim Spendensammeln Grenzen ziehen, um unzulässige Einflussnahme auf Forschung und Lehre zu unterbinden? Professor Michaelis über mögliche Interessenkonflikte...

... wenn beispielsweise in der Industrieforschung konkrete inhaltliche Vorgaben gemacht werden oder Restriktionen bei Publikationen. Auf solche Ansinnen würden wir uns nicht einlassen.

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