BildungsZeit
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3.11.2004
Mathematik für Kinder
Eröffnung der Ausstellung "Mathe Kings" in Berlin
Von Georg Gruber

Mathematik ist für die meisten Schulkinder ein ungeliebtes Fach (Bild: AP)
Mathematik ist für die meisten Schulkinder ein ungeliebtes Fach (Bild: AP)
Mathematik - viele werden sich nur ungern an ihre Erfahrungen mit diesem Schulfach zurück erinnern. In Berlin ist die Kinder-Ausstellung "Mathe-Kings, Junge Kinder fassen Mathematik an" eröffnet worden. Eine Ausstellung zum Mitmachen, denn Mathematik kann viel mehr sein, als nur mit trockenen Zahlen operieren. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung konzipiert und kann bundesweit gebucht werden.

Bausteine, Autos, Kuscheltiere fliegen durcheinander, ein wilder Haufen liegt auf dem Boden. Sortieren und Klassifizieren, das ist ein erster spielerischer Zugang zur Mathematik: Formen vergleichen und ordnen, Baustein zu Baustein, Auto zu Auto. Oder Farbe zu Farbe, groß zu groß, klein zu klein.

jetzt, hier sind wir beim Muster, und wisst ihr eigentlich was ein Muster ist?
Ja.
Was denn erzähl, hat denn jemand von euch vielleicht ein Muster an?


Elisabeth Niggemeyer führt die erste Kindergruppe durch die Ausstellung Mathe-Kings, die bis Ende November in einer Kindertagesstätte in Berlin Kreuzberg zu sehen ist. Der Untertitel ist Programm: "Junge Kinder fassen Mathematik an". Es geht um den sinnlichen Zugang zu Zahlen, Formen und Größen. Elisabeth Niggemeyer hat sie zusammen mit Nancy Hoenisch konzipiert.

Mathe ist immer und überall, von Anfang des Tages bis zum Schluss.

Seit über 40 Jahren arbeitet Nancy Hoehnisch mit Vorschulkindern in den USA, vor allem mit Kindern, die in ihrer Entwicklung zurückgeblieben sind. Elisabeth Niggemeyer fotografierte sie dabei - daraus entstand die Idee, ihren spielerischen Ansatz als Wanderausstellung aufzubereiten. Das Ziel: Eine Brücke schlagen zwischen der abstrakten Welt der Erwachsenen und der Welt der Kinder.

Nancy Hoenisch: Das Kind denkt in Bildern, und wir denken abstrahierend, und wir wissen gar nicht, dass wir damals so gedacht haben, wir haben das alles vergessen, diese Welten sind weit auseinander, mit einem Riesenfluss getrennt und das Kind muss seine Brücke über diesen Fluss selber bauen, wir können dem Kind nicht Zahlen zu werfen, wie gutmeinende Eltern und Lehrer das gerne tun, sogar meine Enkelin kann sagen, eins plus eins ist gleich zwei, aber das ist kein fundiertes Konzept von Mathe, eine Kind muss diese Brücke selber bauen über diesen Fluss, mit Erfahrungen, die es selber tut.

Die Brücke in die Erwachsenenwelt ruht auf fünf Pfeilern: Sortieren, Muster, Zahlen, Geometrie und "Wiegen und Messen".

Kinder im Alter von vier bis acht Jahren sollen sich, zusammen mit ihren Erzieherinnen aus den Kitas, auf Entdeckungsreise machen. Alles leicht begreifen und ausprobieren, mit einfachen Mitteln.

Also alle diese Materialien sind vom Pfennigladen geholt und nicht teuer und man kann damit Mathe machen.

Beim Schwerpunkt "Zahlen" ist das zu finden, was noch am ehesten an Schule erinnert: Würfel und Karten mit Zahlen, Zahlenteppiche. Mathematik kann man aber auch mit farbigen Steinen und Bechern lernen:

Tu mal etwas unter deinen Becher und dann wieder drauf und dann zähl mal, wie Du das aufgeteilt hast.

Zwei Steine sind unter dem Becher, drei Steine auf dem Becher - so lassen sich Zahlen visualisieren.

Beim Schwerpunkt "Wiegen und Messen" stehen Küchenwagen, dazu Bohnen, Sand und ein Wasserbecken. An der Wand Uhren, an denen sich leicht erkennen lässt, wie die Zeit vergeht.

Frisches Gemüse: Die Kinder messen den Umfang der Kürbisse mit einer Schnur, messen den Umfange ihres eigenen Kopfes, vergleichen.

Wer in dieser Ausstellung Formeln oder komplizierte Experimente sucht, wird enttäuscht sein. Es geht nicht um die frühe Vermittlung von Geheimwissen, um Verschulung, nein, es geht um ganz einfache Erfahrungen. Mathematik als spielerischer Weg, um sich die Umwelt zu erschließen. Größe, Gewicht, Zeit, Formen, Muster, die sich wiederholen und die sich überall finden, wenn man nur aufmerksam genug ist.

Ich glaube, es geht darum den Kindern die Augen zu öffnen, für den Reichtum, für die Schönheit der Welt und da gehört auch die Mathematik dazu, dadurch dass ich diese klare Formensprache habe, kann ich die Welt besser entdecken, ich kann plötzlich nach 6 Ecken suchen, merke, nicht nur die Bienenwaben, sondern gibt es an ganz anderen Stellen auch noch, oder ich kann mal abzählen, ein Fünfeck von einem Sechseck. Diese Dinge, das ist das eigentliche mathematische Verständnis.

Albrecht Beutelspacher, Mathematikprofessor. Initiator des Mathematikums in Gießen, des ersten Mathematik-Mitmach-Museums. Er hat auch an dem Begleitbuch zur Ausstellung mitgearbeitet.

Albrecht Beutelspacher: Es gibt ein berühmtes Wort von Galilei, die Sprache der Natur ist die Mathematik, und die Buchstaben dieser Sprache sind Quadrate, Kreise und andere geometrische Figuren. Also er sagt, die Formen sind das erste, und das zweite: die Mathematik begegnet uns überall, die Welt ist voller Mathematik, wir brauchen nur hinzuschauen.

Hinschauen, die Sinne schärfen - die Wander-Ausstellung "Mathe Kings - Junge Kinder fassen Mathematik an" kann nicht nur für Kinder ein Erlebnis sein, sondern auch für die erwachsenen Begleiter, für Erzieherinnen: Anregungen für die Pädagogik im Alltag.

Service

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. November in Berlin, im INA.KINDER.GARTEN zu sehen. Danach ist die Wanderausstellung deutschlandweit buchbar. Termine sind beim Verlag "das netz" (unter der Rubrik "Erfindergarten") zu erfahren. Dort ist auch das informative Begleitbuch erschienen.
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