BildungsZeit
BildungsZeit
Montag bis Freitag • 10:25
9.11.2004
Studiengebühren: Fluch oder Segen?
Im Gespräch mit Peter Gaethgens, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz

HRK-Präsident Professor Dr. Peter Gaethgens (Bild: www.hrk.de)
HRK-Präsident Professor Dr. Peter Gaethgens (Bild: www.hrk.de)
Hunderttausende von Abiturienten und Studenten sind von einem Rechtsstreit betroffen, über den das Bundesverfassungsgericht (BVG) zurzeit verhandelt. Die Verfassungshüter prüfen die Klage von sechs unionsgeführten Ländern, ob der Bund das Recht hat, die Einführung von Studiengebühren zu verbieten. Für die Studierenden geht es um geplante Kosten von 500 Euro je Semester und mehr.

Während Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn davor warnt, das Studium dürfe nicht vom Geldbeutel abhängen und nicht zum Luxusgut werden, führen die Befürworter von Studiengebühren ökonomische Gründe ins Feld und verweisen darauf, dass auch in anderen Ländern gute Lehre gutes Geld kostet.

Die Hochschulen indessen basteln an Modellen, die es möglich machen sollen, dass die Gebühren tatsächlich in die Kassen der Hochschulen fließen. Wenn sich die Lehre durch Studiengebühren tatsächlich verbessern ließe, dann wären auch viele Studenten bereit, für ihr Studium zu bezahlen. Wie aber lässt sich verhindern, dass die Studiengebühren im Geldbeutel des Finanzministers verschwinden? Welche Ideen gibt es, die Gebühren effektiv zu verwalten und zum Wohle der Studenten zu verwenden?

Neue Pläne für neue StudentenDie BildungsZeit sprach mit dem Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Dr. Peter Gaehtgens gesprochen, der ein Befürworter von Studiengebühren ist. Das Argument, die finanzielle Situation des Studierenden dürfe nicht entscheidend sein, lässt er nicht gelten. Der Staat habe die Aufgabe, hier für einen Ausgleich zu sorgen. Dieses könne sowohl durch Darlehen oder auch durch Stipendienprogramme erreicht werden. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass bereits heute selektiert werde: 80 Prozent der Studierenden kämen aus Akademikerhaushalten. Die Weichenstellungen bei der Bildung würden viel früher gestellt, so Gaethgens.

Von Studiengebühren verspricht er sich einen dringend erforderlichen Wettbewerb zwischen den Hochschulen des Landes. Nur so könne die Qualität der Ausbildung verbessert werden. Dies könne allerdings nur dann erreicht werden, wenn die Politik garantiere, dass die Gelder auch bei den Hochschulen landen und der Lehre zu Gute kommen.

"Die Qualität der Ausbildung kann nur dann verbessert werden, wenn Wettbewerb zwischen den Hochschulen ermöglicht wird. Wenn die Hochschulen Gelder aus Gebühren einnehmen, dann müssen sie sie für die Lehre selbst verwenden", so der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz.
Studenten protestieren  in Erfurt gegen die Einführung von Studiengebühren (Bild: AP)
Studenten protestieren in Erfurt gegen die Einführung von Studiengebühren (Bild: AP)
-> BildungsZeit
-> weitere Beiträge