BildungsZeit
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12.11.2004
Sprache und Mobilität
Englische Studenten studieren selten im Ausland
Von Susanne Nessler

I learned French to a certain level, but not good enough I mean I did take it for enough you know.

Tim ist 21 Jahre alt und studiert Produktdesign. An der Schule hat er ein bisschen Französisch gelernt. Er verreist gerne, war schon mal in Südamerika. Nur im Ausland zu studieren, dass kann er sich nicht vorstellen.

So your question is, are we planning to spend a year abroad. And the answer is no.

Neben ihm sitzt sein Freund James, beide trinken gerade eine Cola in der Universitäts-Cafeteria. Und auch er will kein Semester im Ausland verbringen.

Pretty much as I mean.

So wie Tim und James denken die meisten englischen Studenten. Und die wenigen, die die Insel doch noch zum Studium verlassen, gehen nach Amerika oder Australien, sagt Professor Russel King. Er ist Leiter des Zentrums für Migration an der Universität Sussex und hat die Mobilität englischer Studenten untersucht.

[…] British students are quite unique in this regard, because in other European countries learning of languages is very important at school level as well as at university level. So it is quite rare to come across to a highly educated student an university student that does not speak or that have no command of at least one other language. In the case of UK Students that's very, very common, quite a lot of our students here at Sussex really have no command of any language at all.

(Übersetzung: Unter britischen Studenten ist diese Beobachtung einheitlich. In anderen europäischen Ländern dagegen hat das Lernen von Fremdsprachen einen sehr viel höheren Stellenwert. Da ist es eher selten, dass man an der Universität auf Studenten trifft, die nicht mindest eine Fremdsprache sprechen. Bei englischen Studenten ist das genau umgekehrt, die meisten Studierenden in Sussex beherrschen nicht eine einzige Fremdsprache.)

Kein Wunder. Überall auf der Welt wird Englisch gesprochen. Fast jedes Buch wird ins Englische übersetzt und Wissenschaftssprache ist immer Englisch. So why shall I lern German, French or Spanish, fragt sich der normale englische Student und bleibt auf der Insel. Doch das ist nicht der einzige Grund, sagt Eric Ruiz-Gelices. Der spanische Wissenschaftler arbeitet an der Universität Sussex und hat für die Mobilitäts-Studie über 2000 englische Studenten in ganz Großbritannien befragt.

Europa tiene mala reputacion a nivel de prensa en Inglaterra. Europa es "The Continent, the Europeans" entonces normalmente aqui en las representaciones mediaticas, en la television y sobre todo periodicos, prensa escrita, Europa tiene muy mal nombre. Uno solo halbla de Europa o de la Comission Europea quando hay que decir pestes. Siempre es para compararlo, que nostortos somos mejores que ellos. Esa especidad imperial. Y eso tambien se refleja en la vida cotidiana de los estudiantes.

(Übersetzung: Europa hat einen schlechten Ruf, wenn man die englische Presse liest. Europa das ist der Kontinent, die Europäer, die werden im Fernsehen und besonders den Zeitungen nicht oft und meist sehr schlecht dargestellt. Wenn von Europa die Rede ist oder über die Europäische Kommission gesprochen wird, dann nur um Schlechtes zu berichten. Es wird immer so dargestellt, wir hier sind die Besseren. Eine typische imperiale Haltung wird da aufrecht gehalten und das spiegelt sich natürlich auch unter den Studenten wieder.)

Im gleichen Atemzug wird dann meist noch erzählt, wie toll Amerika oder Australien ist, sagt Eric Ruiz-Gelices. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass so wenig britische Studenten in deutschen oder französischen Hörsälen sitzen. Hinzu kommt, dass fast ein Drittel der in England Studierenden aus dem Ausland kommt. Wo so viele Ausländer lernen, muss die Bildung extrem gut sein, lautet die simple Schlussfolgerung. Der Campus ist international, das alltägliche Leben aber weiterhin "very british", sagt Kate, 23 Jahre alt und im letzten Studienjahr.

Kate: I'm a foreign languages teachers and yes some of them don´t even know that this countries exist.

(Übersetzung: Ich bin Fremdsprachenlehrerin und ja viele wissen noch nicht einmal wo die Länder, deren Sprache ich unterrichte, überhaupt liegen.)

Kate unterrichtet spanisch und französisch. Sie gehört zu den wenigen englischen Studenten, die sich für ein Sprachstudium entschieden haben und die im Ausland waren.

Si tuvieramos que hacer una minima taxonomia, cual es el estudiante que va al extranjero, independiente del pais del destino, pues es una chica, tiene aproximadamente 20 anos, es blanca, viene de una clase social media alta, ha estudiado idomas, viaja al extranjero, possiblemente haya viajo y haya residido unos 6 meses en el extranjero.

(Übersetzung: Wenn ich eine Kurzbeschreibung der typischen englischen Studentin gebe, die ins Ausland geht. Dann ist sie zunächst einmal eine Frau, weiß und ungefähr 20 Jahre alt. Sie kommt aus guten Verhältnissen, dem oberen Bildungsbürgertum, studiert Sprachen und war schon an die sechs Monate im Ausland.)

Trifft genau auf Kate zu. Sie gehört zu den knapp fünf Prozent englischen Studenten mit Auslandserfahrung. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Schuld am Rückgang ist auch die massive Kürzung von Stipendien und Studienförderung in England, sagt Professor Russel King.

… until a few years ago students would have grants to go to university so they could more less survive, now this grants had been remove except for a small number of students, so students have self funds or they have help from there parent. So may students are working for money at the same time as they are studying, and that's an other factor which makes it difficult to go abroad, because you have to give up your part time job.

(Übersetzung: Vor bei ein paar Jahren haben Studenten in England noch viel häufiger Studienförderung erhalten. Die ist gekürzt worden, jetzt bekommt nur noch eine kleine Gruppe von Studenten diese Unterstützung. D. h. viele müssen sich selber unterhalten oder bekommen Unterstützung von den Eltern. Viele jobben neben dem Studium. Und das macht es schwierig ins Ausland zu gehen, denn dafür müssten sie den Job aufgeben.)

Wenn immer weniger englische Studenten ins Ausland gehen, wird sich das negativ auf die britische Wirtschaft auswirken, fürchten Experten. Englisch ist zwar Handelssprache Nr. 1, doch wer keine Fremdsprache spricht oder die Gewohnheiten und Umgangsformen anderer Länder kaum kennt, wird es schwer haben, gute Geschäfte zu machen. Die Regierung hat deshalb ein spezielles internationales Programm an Englands Schulen ins Leben gerufen. Doch die Tatsache, dass Großbritannien eine Insel ist und fast überall auf der Welt englisch gesprochen wird, macht es schwer, Schüler wirklich für andere Sprachen und Länder zu begeistern, sagt Kate.

This is a citizen chip programme to teach people about different culture, different identities and different languages, but obviously this is new thing and it happened only for a while […] But it should be getting better, hopefully, in the future.

(Übersetzung: In diesem Programm werden die Schüler über verschiedene Kulturen, Lebensformen und Sprachen unterrichtet. Aber das gibt es erst seit kurzem und ich hoffe, dass das in Zukunft etwas besser läuft.)


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