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16.11.2004
Selbst ist der Unternehmer!
Mäzen betreibt Eliteuniversität
Von Claudia van Laak

Eliteförderung - Ist das die Zukunft für Studierende? (Bild: AP)
Eliteförderung - Ist das die Zukunft für Studierende? (Bild: AP)
Der Begriff Elite erfährt einen Wertewandel. Früher nur mit spitzen Fingern angefasst, hat sich heute sogar die SPD dazu durchgerungen, Leistungseliten besonders zu fördern. Das Programm von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn zum Ausbau eines Netzwerkes von Eliteunis kommt allerdings nicht voran - Bund und Länder können sich nicht einigen. Es geht - wie soll es anders sein - ums Geld.

In der Zwischenzeit versuchen private Geldgeber, begabte junge Leute besonders zu fördern. So Hasso Plattner, Gründer des Softwarekonzers SAP. Der Milliardär hat vor fünf Jahren in Potsdam das Hasso-Plattner-Institut gegründet, das Softwareingenieure ausbildet. Jetzt hat er angekündigt, das Institut großzügig auszubauen.


Konrad Hübner trägt ein dunkelblaues Hemd. Die Brusttasche ziert das rot-weiße Logo des Hasso-Plattner-Instituts, auf der Rückseite prangt das Motto des HPI.

Wir können nicht nur Software, also das soll halt zeigen, dass wir uns stark mit Software beschäftigen, aber auch zum Beispiel Teamarbeit können. Das war eine Idee der Studierenden, wir wollen dadurch die Verbundenheit mit dem Institut fördern.

Das dunkelblaue Hemd ist keine Pflichtkleidung, viele tragen es freiwillig. Es zeigt: am Hasso-Plattner-Institut herrscht ein gewisser Corpsgeist. Studierende, Professoren und Mitarbeiter kennen sich persönlich, bis spät abends sitzen sie in Arbeitsgruppen zusammen, tüfteln zum Beispiel an einer Software, die die Abläufe in einer Autovermietung regelt. Mindestens 60 Stunden wöchentlich investiert Konrad Hübner in sein Studium. Freiwillig, wie der 24-Jährige betont.

Das Besondere hier ist die gute Ausstattung, die Räumlichkeiten, die gute Betreuung, das gute Verhältnis zu Professoren und Mitarbeitern. Durch diese exzellenten Bedingungen wird uns die Möglichkeit gegeben, besser und intensiver zu studieren und mehr zu lernen, als es an einer staatlichen Uni möglich wäre.

Der Neubau - idyllisch gelegen in Potsdam-Babelsberg, lässt keine Wünsche offen. Hochleistungsrechner für die Arbeit, ein Teich zwischen Hörsaalgebäude und Institut für die Entspannung. Das HPI ist mehr Denkfabrik als Uni. Gleich nebenan ist der Fachbereich Informatik der Universität Potsdam untergebracht - kein Wunder, dass die dortigen Studenten manchmal neidisch sind. Den HPI-Studenten ist ihre besondere Stellung durchaus bewusst.

Wir sind hier sicherlich privilegiert durch unser Umfeld, aber das macht uns nicht zu etwas Besserem, aber das wissen hier auch alle, von daher sehen wir uns nicht als was Besseres.

Das Hasso-Plattner-Institut hat eine Art Zwitterstellung inne. Die 300 nach einem internen Numerus Clausus ausgewählten Studierenden sind gleichzeitig an der Universität Potsdam eingeschrieben, sie zahlen keine Studiengebühren. Das HPI ist als GmbH an die Universität Potsdam angegliedert. Ein Beispiel für die derzeit viel beschworene Public-Private-Partnership. Das Land Brandenburg hat Grund und Boden bereitgestellt, Hasso Plattner 18 Millionen Euro für den Bau spendiert, die EU Fördermittel in der gleichen Höhe dazugegeben. Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka:

Ich denke, dass dieses Institut nicht nur als Solitär für sich wichtig ist, sondern auch als Bereicherung für das, was innerhalb des staatlichen Unisystems geschehen kann, das ist ein Glücksfall.

Ein Glücksfall ist auch, dass Mäzen Plattner das Institut massiv ausbauen will. Eine benachbarte bislang leer stehende Villa ist bereits gekauft und wird jetzt saniert - der Platz wird für drei neue Lehrstühle gebraucht. Der Vorstandsvorsitzende der SAP stellt dem Institut insgesamt 200 Millionen Euro zur Verfügung - damit dürfte er zu den größten privaten Förderern der Wissenschaft in Deutschland zählen. Sein Motto:

Wir müssen in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben und dazu gehört, wettbewerbsfähig im Kopf zu bleiben.

Seitdem Hasso Plattner sich im Bereich Bildung und Ausbildung engagiert, hat er seine Meinung über die staatlichen Universitäten geändert. Er weiß jetzt, wie teuer es ist, gute Softwareingenieure auszubilden, deshalb ist seine Hochachtung für die Leistung der staatlichen Hochschulen gestiegen.

Also bevor man so leicht fordert, der Staat soll mehr machen, muss man sagen, wie soll´s der Staat machen. Das ist wirklich eine dramatische Entwicklung, wie eine solche Institution teurer und teurer wird, man kann auch sagen, das ist eine Inflation.

Zum Ausbau des Hasso-Plattner-Instituts gehört auch die Gründung einer Außenstelle im Silicon Valley, genauer gesagt an der renommierten Stanford University. Mäzen Plattner hofft, dass der kalifornische Aufbruchsgeist auf die Potsdamer Studierenden abfärbt. Von einem zukünftigen Sanssouci-Valley zu sprechen, hält er allerdings für verfehlt.

Das einzige, was wir mit dem HPI erreichen können, ist eine kleine, homöopathische Dosis zur Verbesserung der Ausbildung, der Infrastruktur.

Das Hasso-Plattner-Institut ist erst fünf Jahre alt. Zu jung also, um sagen zu können, ob es dem Eliteanspruch wirklich gerecht wird. Lob für die Ausbildung kommt allerdings jetzt schon aus berufenem Mund, und zwar von Wolfgang Frühwald, dem Präsidenten der Humboldt-Stiftung.

So ein Vorbild, Sie wollen ja ein Exzellenz-Zentrum sein, ein solches Vorbild nützt der Uni, nützt der Region, nützt dem Land, das hat eine gewisse Strahlkraft.

Doch mit der Strahlkraft ist es im Moment noch nicht so weit her. Es grämt die ehrgeizigen Macher, dass die Zahl der Interessenten in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Zwar gibt es mehr Bewerber als Studienplätze, doch das HPI würde gerne stärker auswählen können als bisher. Noch hat sich das Hasso-Plattner-Institut bundesweit keinen Namen gemacht.
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