BildungsZeit
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22.12.2004
Was wissen wir wirklich über…
Maria und Josef

Historisch wissen wir wohl fast nichts über Maria. Es gibt keine außerbiblischen Quellen - aber warum soll Jesus nicht eine Mutter gehabt haben, die Maria hieß. Übrigens: unser Bild der Maria wird mehr geprägt durch Krippendarstellungen als durch die doch sehr knappen biblischen Berichte (mal von der Weihnachtsgeschichte abgesehen).

Wer also könnte die junge Frau aus gewesen sein? Sie war wohl kaum älter als 12 oder 14 Jahre. Das war das übliche Alter im damaligen Israel, um eine Ehe zu beginnen. Frauen, die dann noch nichts Passendes gefunden hatten, galten schon als "alte Jungfern".

Ob die uneheliche Schwangerschaft der Maria möglicherweise historisches Faktum ist, darüber wird gerne spekuliert. Denn solch einen Umstand erfindet man nicht über die Mutter dessen, den man als Sohn Gottes verehrt.

Wie kommt's nun zum Mythos Jungfrau? - Durch einen Übersetzungsfehler. Das Neue Testament legt viel Wert darauf, dass sich die Prophezeiungen des Alten Testaments in Jesus erfüllt haben. So kennt man aus Jesaja den Satz: "eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären". Nun heißt das hebräische Wort 'Alma', das Jesaja benutzt, übersetzt eher: 'junge Frau'. Im Griechischen setzte man aber "parthenos" und schon war aus der "jungen Frau" eine "Jungfrau" geworden. Woran sich die Griechen aber wiederum nicht störten - denn jungfräuliche Mütter sind in der Vorstellung der Griechen etwas durchaus Normales, einfach, um anzuzeigen, dass das Kind etwas Besonders ist. In der griechischen Mythologie denke man da nur an die Kopfgeburten des Zeus!

Über die Herkunft der Maria erzählt das Neue Testament nichts.
Sie hat eine Tante, Elisabeth. Die wiederum ist mit dem Tempelpriester Zacharias verheiratet. Also gesellschaftlich eher hoch stehend.

Maria ist einem Mann versprochen, der aus der königlichen Davidfamilie stammt. Jesus hatte Brüder und Schwestern, heißt es an anderen Stellen der Bibel. Sein Bruder Jakobus wird ein wichtiger Leiter der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem nach dem Tod Jesu. Spricht auch eindeutig gegen das Konstrukt der lebenslangen Jungfernschaft Marias.

Wer war Josef?

Auch Josef dürfte damals noch ein junger Mann gewesen sein: 14, höchstens 16 Jahre alt und als Zimmermann und Inhaber eines kleinen "Bauunternehmens" - auch eine gute Partie.

Die Vorstellung, dass er bei der Hochzeit schon sehr alt gewesen sei, beruht auf einem Irrtum, der ebenfalls auf alte Weihnachtsdarstellungen zurückgeht.

Warum an der Krippe immer ein alter Mann mit Stock steht - dafür gibt es zwei Erklärungen. Die eine ist: man wollte sicher gehen, dass diesem alten Josef kein Impuls mehr zugetraut wird, sexuelles Interesse an seiner Maria zu haben. Das könnte dann als Beleg der ewigen Jungfräulichkeit gesehen werden. Diese These ist zwar knackig - aber weniger wahrscheinlich. Vermutlich stimmt eher: der alte Mann mit dem Stock ist gar nicht Josef. Josef wird für derartig unwichtig gehalten, dass er bei den ganz alten Weihnachtsdarstellungen gar nicht dabei ist. Der alte Mann mit dem Stock ist dann der Seher Bileam aus dem Alten Testament: Und der durfte mit aufs Bild, weil seine Weissagung in Erfüllung gegangen war. Er sagte die Erscheinung eines besonderen Sterns im Zusammenhang mit der zukünftigen Geburt eines "Königs in Israel" voraus. (4. Mose 24,17)
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