BildungsZeit
BildungsZeit
Montag bis Freitag • 10:25
24.12.2004
Was wissen wir wirklich über …
Der Stern, der den Weisen aus dem Morgenland den Weg wies

Katholische Mönche und eine Nonne beten in der Geburtskirche in Bethlehem (Bild: AP)
Katholische Mönche und eine Nonne beten in der Geburtskirche in Bethlehem (Bild: AP)
Als nun Jesus geboren war in Betlehem in Judäa, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihn anzubeten!" (Mt. 2,1+2)

Warum hat der Evangelist Matthäus in seiner Erzählung den Stern überhaupt erwähnt?

Wie kein anderer hat Matthäus die Verbindung zwischen dem Alten Testament und dem Neuen Testament gesucht - das Geschehen, von dem er berichtet, soll von den Gläubigen als Erfüllung prophetischer Weissagungen gedeutet werden - damit wird die Legitimation von Matthäus' Bericht unterstrichen.

Im Alten Testament wird der Stern von einem Seher namens Bileam eingeführt, in einer Passage im 4. Buch Mose: "Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen" (4.Mos 24)

Der Stern hat dann, nachdem Mt. Bericht immer wieder die Astronomen beschäftigt, die versucht haben außergewöhnliche Himmelszeichen und Sternaktivitäten zu rekonstruieren und den Stern von Bethlehem als damals tatsächlich sichtbares Phänomen zu erklären. Manche dieser Erklärungsversuche haben sich inzwischen als unzutreffend erwiesen. Andere erscheinen mehr oder weniger wahrscheinlich. Beweisbar im wissenschaftlichen Sinn sind sie bisher alle nicht - aber trotzdem sind sie spannend.

Die Kometen-Theorie

Die gibt es seit Origenes, dem großen griechischen Kirchenvater.

Schon die Babylonier und Chaldäer waren große Wissenschaftler, die Kometen beobachten und ihre Wiederkehr berechnen konnten. Dort hatte die "Sternenkunde" ähnlich wie bei den Pharaonen in Ägypten eine zentrale, staatserhaltende Tradition und Funktion. Allerdings wurde damals noch nicht zwischen Sterndeutung und Sternbeobachtung unterschieden - das war eins.

Für den Stern von Bethlehem heißt das: Es war ein Komet. Origenes (185 - ca. 253), Theologe aus der hellenistischen Schule von Alexandria vertrat - historisch belegt - wohl als erster großer Kirchenmann die Meinung, der Stern von Bethlehem sei ein Komet gewesen.

Eingang in die Kunst findet das im 14. Jahrhundert. Der Maler Giotto hatte Anfang des Jahrhunderts den Halleyschen Kometen beobachtet und malte in seiner "Anbetung der Könige" - das Bild hängt heute in der Cappella degli Scrovegni in Padua - den Stern der Weisen deutlich erkennbar als Komet mit einem Schweif.

Gegen die Kometen-Theorie sprechen jedoch mehrere Gründe:

Kometen - irregulär auftauchende Himmelskörper - wurden im Volksglauben auch der Zeit um Christi Geburt meist mit Unheil, nicht mit Heil verbunden. Origenes versuchte zwar, dies zu relativieren, konnte aber nicht überzeugend erklären:

Woher wussten die Weisen aus dem Osten, dass gerade dieser bestimmte Komet gerade mit der Geburt eines bestimmten Königs in Israel und Jerusalem zusammenhängen sollte?

Warum fiel ein Komet um die Zeit der Geburt Jesu zwar den Weisen aus der Ferne, aber nicht den Jerusalemern und Judäern aus der Nähe auf? Keine zeitgenössische außerbiblische Quelle berichtet von derartigen Himmelsphänomen.

Das mögliche Geburtsjahr Jesu wird um 0, mit +/- 4 Jahren datiert. Der Halleysche Komet war jedoch nicht in diesen Jahren, sondern von August bis November 12 v. Chr. sichtbar.

Die ältere Konjunktions-Theorie: Johannes Kepler

Jüdische Gelehrte sagten (allerdings erst im Mittelalter) die Begegnung - astronomisch: "Konjugation" - der Planeten Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische als Zeichen der Geburt des Messias voraus. Diese Voraussagen erwiesen sich dann als fehlerhaft. Der Astronom Johannes Kepler kannte diese Vorstellung und beobachtete 1603 eine solche Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn. Dazu beobachtete er in dieser Konstellation auch noch eine Supernova (Sonnenimplosion). Er mutmaßte diese sei von der Konstellation Jupiter und Saturn verursacht worden. Er rechnete nun zurück und fand zutreffend heraus: vor Christi Geburt hatte es eine dreifache Konjunktion zwischen Saturn und Jupiter im Sternbild Fische gegeben. Warum also, so schloss er daraus, sollte damals nicht dasselbe passiert sein, das er beobachtet hatte.
Heute weiß man, dass eine Planetenkonjunktion und eine Supernova zwei völlig verschiedene, unabhängige Ereignisse sind.

Die moderne Konjunktions-Theorie: Konradin Ferrari d'Occhieppos (2003)

Der hat herausgefunden, dass es im Jahre 7 v. Chr. dreimal eine sehr seltene, ungewöhnlich enge, Jupiter-Saturn-Konjunktion im Zeichen der Fische gab. Diese scheint als "Stern von Bethlehem" gut in den ungefähren Zeitraum der Geburt Jesu zu passen. Occhieppo argumentiert dafür wie folgt:

Ein babylonischer Astronom habe eine solche Konjunktion als Hinweis auf ein Ereignis in Israel (Judäa) in Verbindung mit der Endzeit verstehen müssen. Denn Jupiter war damals der Stern des babylonischen Gottes Marduk, während Saturn das Volk der Juden im Westen kosmisch repräsentiert habe.

Die Planetenbegegnung sei als Ankündigung der Geburt eines großen Königs im Westland zu verstehen gewesen, da sie sich "im Aufgang" ereignete, das heißt vor Sonnenaufgang sichtbar war. Und diese Ankündigung habe, da Marduk (Jupiter) beteiligt war, auch für Babylonien Bedeutung gehabt.

Die drei Konjunktionen ereigneten sich im Abstand von Monaten, so dass die babylonischen Sterndeuter hätten von Mai bis Oktober nach Israel reisen können.

Am 12. November kurz vor Sonnenuntergang hätten sie die Planeten Jupiter und Saturn in der Abenddämmerung direkt vor Augen gehabt, als sie von Jerusalem gen Süden auf das nur etwa 10 Kilometer entfernte Bethlehem zugeritten seien. Auf diesen konkreten Zeitpunkt beziehe sich Matthäus 2, Vers 10: Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut.

Diese Theorie ist zurzeit sehr populär und gehört jedes Jahr in der Weihnachtszeit zum Standardprogramm von Planetarien.

-> BildungsZeit
-> weitere Beiträge
->
-> Uni Erlangen: Die Anbetung - Darstellungen aus geometrischer Sicht