BildungsZeit
BildungsZeit
Montag bis Freitag • 10:25
3.1.2005
Warum gibt es so viele Sprachen auf dieser Welt?
Sprachenvielfalt und die Suche nach der Ursprache der Menschheit
Von Georg Gruber

Werbekampagne des Goethe-Instituts Paris für Deutschunterricht: hier werben die Deutsche Tanja und ihr französischer Freund Pierre (Bild: Goethe-Institut Paris)
Werbekampagne des Goethe-Instituts Paris für Deutschunterricht: hier werben die Deutsche Tanja und ihr französischer Freund Pierre (Bild: Goethe-Institut Paris)
Sprache kann verbinden und trennen - wenn alle Menschen eine Sprache sprächen, wäre manches einfacher. Warum es so viele Sprachen auf der Welt gibt, darüber gibt es verschiedene Hypothesen, angefangen vom Turmbau zu Babel. Doch unter Linguisten, unter Sprachwissenschaftlern gilt diese These als nur schwer haltbar.

Warum gibt es so viele Sprachen auf der Welt, gesprochen in verschiedenen Sprachen, Finnisch, Haussa, Japanisch, alle übereinander gelegt, ohne dass die Sätze übersetzt werden.

Warum gibt es so viele Sprachen auf dieser Welt? Wenn die Überlieferung des Alten Testaments stimmt, ist der Trumbau zu Babel der Ursprung der Vielfalt, eine Strafe Gottes.

Junge: Als die Menschen den Turm von Babel gebaut haben, da hat Gott die Menschen verwandelt, dass sie verschiedene Sprachen haben, dann konnten sie sich nicht mehr verständigen.

Bei einer Veranstaltung für Kinder in der Humboldt Universität Berlin kennen selbst Grundschüler diese Überlieferung.

Junge: Die Menschen haben sich entwickelt und sind in verschiedene Länder gegangen und haben da eben verschiedene Sprachen gesprochen.

Wie viele? Die Schätzungen gehen auseinander:

Umfrage:
125 so, 125
1000,
nein, bist du krank, es gibt noch nicht mal 1000 Länder
na und?


Rund 6000 Sprachen gibt es, die meisten in Afrika, auf dem amerikanischen Kontinent und im pazifischen Raum. In Europa gibt es rund 140 Sprachen - viele lassen sich auf das Germanische zurückführen, wie Deutsch, Englisch oder Dänisch. Entstanden sind sie durch Sprachwandel.

Eine Reise in die Vergangenheit zeigt, wie sich Sprache verändern kann. Wie man vor 500 Jahren gesprochen hat, lässt sich noch verstehen. Frühneuhochdeutsch.

Ein Text von Martin Luther, geschrieben um 1530. Schwieriger wird es bei Texten aus dem Mittelalter, wie diesem aus dem Jahr 1125 über die Entstehung des Menschen. Mittelhochdeutsch.

Noch weiter zurück, vor 1200 Jahren wurde Deutsch nur in den Klöstern geschrieben, deswegen sind auch fast nur religiöse Texte überliefert, zum Beispiel dieses Glaubensbekenntnis in Althochdeutsch, das ungefähr auf das Jahr 800 datiert wird.

Für Sprachwissenschaftler zeigen diese Beispiele, wie sehr sich Wortschatz und Laute verändern können. So entstehen neue Sprachvarianten, die sich als eigenständige Sprachen verfestigen - das ist die Antwort der Linguisten auf die Frage nach der Sprachenvielfalt auf der Welt.

Lange strittig unter Sprachforschern war auch, wie der Mensch überhaupt sprechen lernt, durch ein genetisch vererbtes Programm oder durch Nachahmung. Prof Weißenborn, Sprachwissenschaftler an der Universität Potsdam:

Es existieren ganz unterschiedliche Theorien, grob zusammengefasst, eine Theorie, die davon ausgeht, dass das Kind schon sehr viel Fähigkeiten mitbringt, die es ihm erlaubt dann zielstrebig die Muttersprache zu erwerben, also eine ganze Menge an Vorwissen, und eine andere Richtung, die davon ausgeht, dass alles wesentliche erst im Laufe der Entwicklung dazu kommt,

Wahrscheinlich sei eine Mischung aus beiden Theorien:

dass wir je nachdem wo wir aufwachsen, jede x-beliebige Sprache mit der gleichen Leichtigkeit erlernen können, zeigt eben, dass die Umweltbedingungen auch eine große Rolle spielen,

Die Entstehung neuer Sprachen ist noch nicht abgeschlossen und lässt sich auch heute noch beobachten. Karin Donhauser, Professorin für Linguistik an der Humboldt Universität Berlin:

Ja neue Sprachen entstehen immer wieder, auch das beste Beispiele im Bereich, den wir überblicken, im Bereich der germanischen Sprachen ist Afrikans, das ist sozusagen ein Ableger des Niederländischen, die neueste und jüngste germanische Sprache und die ist entstanden durch niederländische Siedler, die Afrika besiedelt haben, dort in Kontakt mit afrikanischen Sprachen gekommen sind und da ist eine charakteristische Variante zunächst des Niederländischen entstanden, die man heute als eigenständige Sprache betrachtet.

Die ständig wachsende Sprachenvielfalt lässt sich bündeln, auf 29 Sprachfamilien. Ob die wiederum miteinander verwandt sind, ist noch nicht geklärt - genauso wenig wie die Frage, ob es eine Ursprache der Menschheit gibt.

Donhauser: Wir sind ja insgesamt auch in der Diskussion darüber, ob es einen Punkt der Menschwerdung gab, also eine Stelle, wo der Mensch sich entwickelt hat oder ob das eventuell gleichzeitig an mehreren Orten passiert ist, ob es also den Urmenschen gab oder möglicherweise mehrere Urmenschen und in entsprechender Weise folgt auch nicht logisch, dass es einen Ausgangspunkt gab, es wäre gut möglich, dass es mehrere Ausgangspunkte gibt, aus denen sich dann diese Sprachfamilien entwickelt haben.

Da es aus dieser Frühzeit des Menschen keine Verschriftlichungen von Sprache gibt, bleibt dies aber Hypothese.
-> BildungsZeit
-> weitere Beiträge