BildungsZeit
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18.1.2005
Lernen im Atelier
Von Frauke Schäfer

Lernen im Atelier war der Traum eines Schulleiters in Ahrensburg in Schleswig Holstein, und den hat er nun verwirklicht: Computer, Laptop, Smart Board - das ist die technische Seite des Ateliers. Gruppenarbeit, individuelles Lernen, selbstständige Aufgabenlösung die andere. Ermöglicht wurde das komfortable Lernatelier durch Sponsoren und aktive Elternarbeit sowie zahlreiche Spenden. Nun kann auf 200 qm Unterricht stattfinden wie er in normalen Klassenräumen nicht möglich wäre.

Mathematikunterricht der Klasse 8 a im Lernatelier. Die Schülerinnen und Schüler sitzen jeweils zu dritt oder zu viert an einem Tisch, über ihre Arbeitsblätter gebeugt. Es ist relativ ruhig, natürlich wird hier und da geredet, aber niemand stört, schießt mit Papierküglechen und muss vom Lehrer ermahnt werden. Das liegt daran, glaubt Janina Rennholz, dass jeder nach seinem eigenen Tempo arbeiten kann.

Die, die es schon verstanden haben, die können schon drauflos arbeiten und sich das erarbeiten, und man muss halt nicht so aufeinander Rücksicht nehmen. Es entsteht nicht so diese Unruhe, innerhalb der Klasse, weil halt jeder im eigenen Tempo arbeiten kann, und die, die schon schneller sind, sich langweilen, weil die anderen noch nicht so weit sind, solche Situationen entstehen nicht.

So können sich alle viel besser auf ihre Aufgaben konzentrieren. Und das Thema, das Matheleherer Jens Dreeßen heute mit seinen Schülern bearbeitet, hat es in sich:

Heute geht es um gleichschenklige Trapeze. Es ist ein anspruchsvolles Thema, weil es da viel darum geht, dass man tatsächlich nachdenkt, mathematisch beweist, genaue exakte Schlüsse vollzieht, und damit tun sie sich schwierig. Der Vorteil hier ist, dass sie sich zusammensetzen wie sie wollen, und sich auch gegenseitig helfen und diskutieren über die Frage, das, was man im normalen Unterricht nicht hinkriegt.

Und noch etwas ist anders im Unterricht von Jens Dreeßen. Der Mathelehrer steht nicht vor seiner Klasse, er sitzt mal an dem einen, mal an dem anderen Tisch bei seinen Schülern, je nach Bedarf .

18 Schüler sind nur in dieser Klasse, aber diese 18 sind an ganz unterschiedlichen Stellen in dem Programm. Im Klassenunterricht muss ich sie immer auf den gleichen Punkt konzentriert haben. Ich stehe als Lehrer immer im Zentrum und führe das Gespräch, leite, muss immer für die Schüler vordenken und schauen, wie kann der Denkprozess jetzt weitergehen. Dadurch, dass sie jetzt an anderen Stellen sind und arbeiten, lenken sie ihren Denkprozess freier, das heißt, ich bin nicht mehr ganz so zentral derjenige, der den ganzen Lernprozess leitet, das machen die Kinder selbst. Und ich bin dann da an den Stellen, wo sie nicht weiterkommen, um zu helfen.

So ist eine punktgenaue individuelle Förderung des Einzelnen möglich. Ein enormer Gewinn für den Lehrer und für die Schüler.
Im Lernatelier ist eben alles anders. In einem Teil des Raumes, abgetrennt durch mobile Bücherwände, ist Raum für Instruktionen und Präsentationen. Zu Anfang jeder neuen Lerneinheit stehen die Lehrer hier, führen ins Thema ein, ihre Schüler sitzen auf kleinen sechseckigen grünen Hockern, Tische gibt es nicht. Und auch eine klassische Tafel sucht man vergeblich. Gearbeitet wird mit einem Smart Board. Es ist ca. 1 mal 1,5 Meter groß, mit einem Beamer wird ein Computerbild auf das Smart Board projeziert. Auf dem Board kann mit Stiften in unterschiedlichen Farben geschrieben werden, es können Bilder aus Datenbanken hinein kopiert werden. Das Smart Board hat eben alle Vorteile eines Computers, lobt Schulleiter Gerhard Förderer, und man kann die Tafelbilder auch abspeichern.

Und ich finde das Großartige daran, im Gegensatz zu einer Tafel, die ich immer abwischen muss, ist, dass wir verschiedene Stationen eines Erkenntnisprozesses dokumentieren können und noch mal zurückgehen können und gucken, wie hat sich das eigentlich entwickelt. Und die Schüler müssen nicht viel Zeit verwenden zum Schreiben, wobei natürlich viele Kollegen sagen, ja wenn man schreibt, dann denkt man, aber das ist ein großer Trugschluss, wenn man bei uns schreibt, dann reden sie, also kopieren nur ab, aber denken nicht noch mal den Sachverhalt nach. Sie schreiben das ab und das ist verlorene Zeit.

Das Smart Board kommt auch bei den Schülern gut an, Christine Ackehorst jedenfalls findet es viel spannender als eine Tafel und meint, dass man deswegen auch besser zuhört:

Man sitzt in einem Kreis und nicht an Tischen, also ganz weit weg. Sondern man sitzt nah dran und hat das Gefühl, etwas näher dabei zu sein. Wenn man auf die Tafel schreibt, ganz normal mit der Kreide, dann schreibt der Lehrer das an und dann soll man das angucken und dann ist gut. Aber beim Computer, dann malt er das mit verschiedenen Farben und dann hört man gleich besser zu.

Und die Schüler können moderne Formen der Präsentation kennen lernen und anwenden.
Die technische Ausstattung des Lernateliers ist ausgezeichnet. Es gibt nicht nur feste Computerarbeitsplätze mit Internetanschluss, sondern eine ganze Reihe kabelloser Laptops. Auch der Arbeitsplatz des Lehrers ist multimedial ausgestattet. Auf dem Schreibtisch stehen ein Scanner und ein Gerät zum Laminieren, es gibt einen Kopierer, alles kann auch von den Schülern genutzt werden. Um all die neuen Möglichkeiten auch nutzen zu können, müssen erst einmal neue Unterrichtskonzepte entwickelt werden. Es wartet eine Menge Arbeit auf Gerhard Förderer und seine Mitstreiter, aber es lohnt sich, sagt der Schulleiter. Irgendwann möchte er nur noch mit einem Memorystick in die Schule kommen, seine Unterrichtsmaterialien in den Computer laden, Lerneinheiten für Schüler im Internet zur Verfügung stellen, die eine Stunde verpasst haben. Und den Unterricht kontinuierlich verbessern.

Den größten Vorteil sehen wir in der Dokumentation. Wir dokumentieren sehr viele Unterrichtsformen, Entwürfe, so dass sie immer wieder nutzbar sind, verbessert werden können. Und ein großer Vorteil ist die Teamarbeit unter den Kollegen. Wenn jetzt eine Fachschaft eine Unterrichtseinheit entwickelt, können die anderen die auch nutzen. Das heißt, irgendwann ist man mal durch, es ist im Computer dokumentiert, power point Präsentationen sind fertig, und dann kann man nur noch verbessern und etwas ergänzen, seinen eigenen Geschmack reinbringen, aber man sitzt nicht mehr immer zu Hause im Stübchen und bereitet die kommende Stunde vor.
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