BildungsZeit
BildungsZeit
Montag bis Freitag • 10:25
31.1.2005
Chinesisch ab der fünften Klasse
Ein Modellversuch in Hamburg
Von Werner Nording

Seit einem Jahr haben Chinesich-stämmige Schüler in Hamburg die Möglichkeit, ab der fünften Klasse des Gymnasiums ihre ursprüngliche Muttersprache zu lernen. Der Modellversuch, der bislang einmalig im deutschsprachigen Raum ist, hatte einen guten Start. Zusätzlich zu ihrem normalen Stundenpensum haben die Jungen und Mädchen bis zu sieben Stunden pro Woche Chinesisch. Der bilinguale Unterricht ist in enger Zusammenarbeit mit der chinesischen Botschaft in Berlin eingerichtet worden. Hamburg wurde ausgewählt, weil es in der Hansestadt über den Hafen schon seit mehr als 100 Jahren gewachsene Handelsbeziehungen mit dem Reich der Mitte gibt. Der Hamburger Senat rechnet damit, dass die Stadt durch den Schulversuch für chinesische Kaufleute und Investoren noch attraktiver wird.

Guten Morgen Frau Janssen.

Schulunterricht in der Klasse 5 d des Gymnasiums Marienthal in Hamburg-Wandsbeck. Unter den 24 zehn und elf Jahre alten Kindern sind die chinesisch-stämmigen Schüler sofort zu erkennen. Doch Klassenlehrerin Sibille Janssen erzählt, dass sich die Kinder gut mischen. Die anderen Kinder seien neugierig auf ihre chinesischen Klassenkameraden gewesen und hätten ihnen viele Fragen gestellt.

Man merkt schon dass sie ein anderes Coleur in die Klasse bringen, sind phantasievoll, das reißt die anderen mit.

Lachend zählen die Kinder die Namen ihrer chinesischen Mitschüler auf.

Wie heißen die noch? Isabella, Ji, Tatjana, Maggie, Dow- Linda und Tracy.

Von China haben die anderen Kinder bislang wenig gewusst, höchstens dass es das Land mit den meisten Einwohnern der Welt ist. Ob chinesisch schwierig oder leicht ist, darüber gehen die Meinungen noch weit auseinander.

Schwer. Ist sehr einfach. Für mich ist es sehr leicht, meine Muttersprache ist chinesisch, ich bin nur seit einem Jahr in Deutschland ... Ich find Deutsch ist schwer für mich.

Schon ab der sechsten Klasse nach den Sommerferien wollen einige der anderen Schülerinnen und Schüler jetzt auch Chinesisch lernen.

Russel Koglin, deren Tochter Tatjana die Klasse besucht, war übers Internet auf die Schule aufmerksam geworden. Ihr Mann arbeitet als Ingenieur für eine Reederei im Hafen. Tatjana ist in den USA und in Singagpur aufgewachsen. Da ihr Vater Chinese ist, sollte die Tochter unbedingt die chinesische Sprache und Kultur kennen lernen.

Als wir in Amerika gelebt haben hat sie ihre chinesische Abstammung vergessen, als wir nach Deutschland kamen und ich diese Möglichkeit für meine Tochter entdeckte, die chinesische Sprache und Kultur kennen zulernen habe ich sofort zugegriffen, weil ich denke, dass es sehr gut für sie ist, um sich mit der chinesischen Kultur zu identifizieren und später stolz darauf zu sein.

Die Lehrerin Jie Hong Dschang ist selbst Chinesin. Vor einem Jahr ist sie aus Shanghai nach Deutschland gekommen. In ihrer Heimat hatte sie an der Universität für ausländische Studierende Chinesisch als Fremdsprache unterrichtet.

Die Kinder lernen schneller als die Studenten, hat sie festgestellt, dennoch wird es Jahre dauern, bis sie die Sprache einigermaßen beherrschen.

Normalerweise lernen die chinesischen Schüler in China sechs Jahre 3000 chinesische Zeichen, sie haben jetzt über 200 Zeichen gelernt.

Das Besondere an dem zweisprachigen Schulzweig in Hamburg ist, dass die Volksrepublik China zum ersten Mal den Unterricht der chinesischen Sprache im Ausland fördert. Die Lehrbücher kommen aus China und auch die Lehrer werden aus China nach Hamburg geschickt, sagt Udo Toetzke, der das Gymnasiums Marienthal leitet.

Die Frau Dr.Tschang, die den Chinesisch Unterricht erteilt, wird von der VR-China bezahlt, das ist das neue Element, China hat ein massives Interesse, ein solches Element mitzufördern. Im Gegenzug werden jetzt in Shanghai die Verhandlungen geführt, das auch Hamburg einen Deutschlehrer schickt, der dort Deutsch Unterricht unter ähnlichen Bedingungen wie hier erteilen wird.

Hamburg ist die Stadt in Europa mit den meisten chinesischen Niederlassungen. Im Hamburger Hafen ist China eines der wichtigsten Ansiedlungsländer. Mehr als 6000 Chinesen leben in der Hansestadt. Um Chinesen dazu zu bewegen, in Hamburg Fuß zu fassen, muss die medizinische Versorgung stimmen, die Versorgung mit Lebensmitteln aber auch die schulische Versorgung, sagt Staatsrat Reinhard Stuth der für Auswärtige Angelegenheiten der Stadt zuständig ist. Dazu gehöre auch dieser erste Schulversuch. Der Senat verspreche sich davon

Dass nicht zuletzt chinesische Experten, Kaufleute, Investoren sich für Hamburg entscheiden, wenn sie nach Deutschland oder Europa kommen wollen aus familiären Gründen, für uns ist das auch ein Teil des Kulturdialoges, schon jetzt kann man an vier Hamburger Gymnasien Chinesich als Abiturfach wählen und wenn wir hier einen bilingualen Zweig haben wird es zu einem noch besseren Verständnis von Deutschen und Chinesen kommen und das ist für die Weltoffenheit Hamburgs nur von Vorteil.
-> BildungsZeit
-> weitere Beiträge