BildungsZeit
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8.2.2005
Herausforderungen von morgen meistern
Master- und Promotionsstudiengang "Lebenslanges Lernen"
Von Folkert Lenz

"Lebenslanges Lernen": Ein neuer Studiengang, den man an der International University Bremen studieren kann (Bild: AP)
"Lebenslanges Lernen": Ein neuer Studiengang, den man an der International University Bremen studieren kann (Bild: AP)
Die Bevölkerungspyramide in den westlichen Industrieländern kehrt sich mehr und mehr um. Doch wie soll die Gesellschaft, wie soll die Wirtschaft, wie sollen Firmen mit dem Phänomen umgehen? An der International University Bremen werden ab dem Herbst Experten ausgebildet, die das Problem untersuchen und die Politik oder die Unternehmen beraten sollen, wie es weiter gehen könnte mit der alternden Welt. Der neue Studiengang heißt "Lebenslanges Lernen".

Deutschland plumpst ins demografische Loch. Die Arbeitnehmer werden immer älter, doch der berufliche Nachwuchs bleibt aus. Viele Firmen - vor allem aus dem technischen Bereich - jammern schon jetzt, dass ihnen Experten fehlen. Und das wird sich weiter verschlimmern, fürchtet man bei der Handelskammer Bremen.

Geschäftsführer Karlheinz Heidemeier: Wir sehen aus unseren Erfahrungen mit den Unternehmen, dass in vielen Bereichen mittlerweile ein Mangel an qualifizierten Fachkräften vorhanden ist. Das sagen uns auch Kollegen aus anderen Teilen der Bundesrepublik. Und dieses Problem wird sich ja weiter verschärfen. Also müssen wir sehen, dass wir mit den verbleibenden Arbeitnehmern die Aufgaben der Zukunft noch erledigen können.

"Lebenslanges Lernen" heißt das Konzept, das eine Lösung sein könnte. Das Wissen gerade auch älterer Arbeitnehmer gewinnt wieder an Wert. Doch einfache Weiterbildung im Beruf reicht da nicht aus.

Der neue Studiengang an der International University Bremen IUB will das "Lebenslange Lernen" voran treiben. Die Absolventen sollen Firmen später dabei helfen, dass sie die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter besser nutzen. Dabei steht die Forschung, wie Unternehmen die Erfahrung, die Vorbildung, aber auch das Lebensalter ihrer Beschäftigten zu einem sinnvollen Weiterlernprozess zusammen bringen können, noch ganz am Anfang, sagt die Vizepräsidentin der IUB, Ursula Staudinger. Klar ist aber: Lösungen können nur interdisziplinär erarbeitet werden, so die Professorin.

Wir brauchen zum Einen die Neurowissenschaften und die Biologie, die uns erst mal sagt: Wie sieht es im Körper aus? Und wie verändert sich der? Zum Zweiten brauchen wir die Entwicklungspsychologie, die uns etwas darüber sagt, wie verändert sich das Denken, wie verändert sich das Wollen im Laufe unseres Lebens. Die Gesundheitswissenschaften brauchen wir. Wir brauchen die Soziologie und die Ökonomie. Nämlich was sind gesellschaftliche Strukturen, zum Beispiel Gesetz gebender Natur?

Auch die Betriebswirtschaft oder die Pädagogik gehören deshalb zum umfangreichen Fächerkanon des IUB-Studiengangs. Absolventen sollen später Pläne erarbeiten, wie Firmen mit der alternden Gesellschaft umgehen können, welche Strukturen sie verändern müssen. Außerdem sollen sie darüber nachdenken, wie Wissen bescheinigt werden kann, das im Alltag - fernab von offiziellen Kursen oder Studium - erworben wird und damit auch für den Arbeitnehmer Gewinn im Beruf bringen kann: Die Sprachstunden für den Urlaub, die allabendliche Computerbastelei könnten dann noch zum Karrieresprungbrett werden. Und natürlich sind viele Forschungsfragen zu klären: Wie kann man im Alter effektiv lernen? Lohnen sich die Investitionen eines Betriebes in die Weiterbildung überhaupt?

Ursula Staudinger zählt Jobchancen auf für die Experten des "Lebenslangen Lernens": Also es könnte ein idealer Bereich sein für das Interims-Management, wo ich mir von einem Personaldienstleister jemanden reinhole in das Unternehmen mit seiner Expertise. Und der arbeitet dann in dem Unternehmen für eine bestimmte Zeit und erfüllt da seinen Job: Also das wäre der ganze Bereich Unternehmensberatung und Personaldienstleistung. Dann geht es aber auch im Unternehmen selbst in der Personalabteilung. Oder in Organisationsentwicklungsabteilungen.

Wer den kostenpflichtigen Studiengang "Lebenslanges Lernen" an der privaten IUB belegen will, der muss einen Bachelor, ein Diplom oder einen Magister in einer der relevanten Disziplinen vorweisen und Studiengebühren bezahlen. Nach zwei Jahren gibt's dann den Master-, nach fünf Jahren Studium den PhD-Abschluss. Der Studienplan sieht außerdem ein viermonatiges Praktikum in einem internationalen Unternehmen vor. Auch in deutschen Betrieben haben die Absolventen gute Chancen, glaubt Karlheinz Heidemeier von der Handelskammer Bremen:

Es ist sicherlich unterschiedlich: Große Unternehmen gehen mit diesen Dingen selbstverständlich anders um. Sie haben auch andere personelle Ressourcen, sich mit diesen Dingen zu befassen. Bei kleineren Unternehmen ist es sicherlich etwas schwieriger. Aber ich denke, wir brauchen in der Bundesrepublik Unterstützung für die Unternehmen, wie sie mit dieser Herausforderung des demografischen Wandels in Zukunft umgehen werden.
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